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Wahn & Sinn

Frieden schaffen…mit schweren Waffen

Tja, was soll ich sagen? Man hofft immer, dass es irgendwann besser wird. Aber das wird es nicht: Life sucks, and then you die – die neue Kolumne von Sven Bensmann.

Von Dienstag, 19.08.2014, 8:21 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 20.08.2014, 1:37 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |   Drucken

Ein PR-Desaster allererster Güte haben sich die NordAtlantische TötungsOrganisation und der putineske Provinzpolitiker und doofdreiste Despot Erdogan da mal wieder geleistet. Um den eigenen Einfluss in der Region auszubauen, hatten beide, mitunter unabhängig voneinander, Milizen in Syrien unterstützt – die Türkei eine Gruppierung, die sich zunächst nach der heidnischen Gottheit ISIS benannt hatte, die später dann mal ISIR, und heute einfach IS genannt wird.

Diese fällt nun derzeit vor allem dadurch auf, dass sie im Irak Kurden, Jesiden, Christen, anderglaubende Muslime, und überhaupt auch alle anderen, die nicht Teil von IS sind, massakriert. Insbesondere die PKK, die der NATO weiter als Terrororganisation gilt, fällt nun wiederum dadurch auf, dass sie unter Einsatz des eigenen Lebens genau diesen Menschen die Flucht vor IS ermöglicht, Korridore zur Evakuierung erkämpft und somit diesem Terror die Stirn bietet.

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Was im Grunde nicht mehr ist als eine weitere Episode in der ewigen Geschichte des Irak seit der letzten Episode von Saddam-ist-unser-bester-Freund-ähh-wir-meinen-ein-Kriegsverbrecher, wird dadurch, dass die PKK nun als legitimer Partner und Ziel von westlicher Aufrüstung gesehen wird, geradezu tragikomisch: Selbst deutsche Politiker der Linken fordern die Lieferung von Großwaffen an die Truppen, die einen bewaffneten Kampf gegen den NATO-Staat Türkei führen. Soweit sind die Büchsenmacher und ihre Lakaien im Parlament bisher selten gegangen.

Dieses wiederum ist nun auch ganz doof für die Kriegstreiber in der Linken: Ausgerechnet die einzige Partei, die in Deutschland noch halbwegs glaubwürdig für Frieden eintritt, spricht sich für Waffenexporte in ein Krisengebiet aus, sogar an Personen, die offiziell als Terroristen gelten und einen Bündnispartner bedrohen – zumindest wenn man der offiziellen Linie der türkischen Politik folgt. Gysi, der seinerseits inzwischen dafür steht, sämtliche Prinzipien auf dem Altar der „Koalitionsfähigkeit“ zu opfern, nur um in Zukunft mit SPD und Grünen zusammen Merkelpolitik machen zu dürfen, sieht sich einem milden Shitstorm ausgesetzt, weil es in seiner Partei – solche soll es vereinzelt sogar noch bei den Grünen geben, dort trauen sie sich aber nicht mehr, laut zu reden – noch Menschen zu geben scheint, die das mit dem Pazifismus tatsächlich ernst nehmen.

Dass diese Prinzipientreue auch wieder als Zeichen von Regierungsunfähigkeit gedeutet werden wird, auch, wenn die Idee selbst ebenfalls nicht auf Gegenliebe gestoßen ist, beweist eigentlich nur eines:

In der Politik ist der Wahnsinn Methode.

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