Maischberger

Mafia und Islam – einfache Weltbilder

Anscheinend musste die ARD den niedrigen Einschaltquoten der vergangenen Zeit entgegenwirken. Und wie macht man das am besten? Einfach Mal eine Talkshow mit einem Titel wie „Feindbild Islam“ auf die Zuschauer loslassen - von Emran Feroz

Von Emran Feroz Mittwoch, 09.04.2014, 8:23 Uhr|zuletzt aktualisiert: Freitag, 11.04.2014, 1:06 Uhr Lesedauer: 6 Minuten  |   Drucken

Seit einigen Wochen ist Hamed Abdel-Samad, Deutsch-Ägypter und „Islamkritiker“ – ja, mittlerweile ist das tatsächlich so etwas wie ein Beruf geworden -, wieder im Fokus der deutschen Mainstream-Medien. Der Grund hierfür ist sein Buch mit dem Titel „Der islamische Faschismus – eine Analyse“, welches seit dem 1. April im Handel ist und allem Anschein nach nicht als Aprilscherz gedacht ist. Die Medien haben in den letzten Tagen uns bewiesen, dass heutzutage ein solcher Buchtitel genügt, um auf irgendeine Art und Weise ernst genommen zu werden. Aus diesem Grund bekam der Publizist mehrmals die Chance, auf verschiedensten Veranstaltungen und Diskussionsrunden für sein Buch zu werben.

Anscheinend nahm die ARD diese Gelegenheit wahr, um den niedrigen Einschaltquoten der vergangenen Zeit entgegenzuwirken. So etwas funktioniert ganz einfach, indem man zum x-ten Mal eine Talkshow mit einem Titel wie „Feindbild Islam“ auf die Reihe bringt. Dass in einem solchen Fall die stets zahlreichen BILD- und WELT-Leser en masse einschalten werden, ist nämlich vorprogrammiert. Die Ehre als Gastgeberin hatte dieses Mal Sandra Maischberger. Dass Talkshows hauptsächlich nur der Unterhaltung dienen und auf keine Weise weiterbilden, sollte mittlerweile außer Frage stehen. Vor allem beim Thema Islam haben Jauch, Will, Maischberger und wie sie alle heißen, stets bewiesen, wie inkompetent sie sein können. So war auch dieses Mal ein Scheitern vor der Kamera vorprogrammiert.

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Dafür reichte allein Hamed Abdel-Samads Anwesenheit aus. Die „Todes-Fatwa“, die ein ägyptischer Fanatiker über ihn erließ, wurde seitens der Moderatorin schnell zum Einstiegsthema gemacht. Was eine Fatwa eigentlich ist, wurde nicht erläutert. Mittlerweile spielt das auch keine Rolle mehr. Die deutschen Leitmedien haben es sich nämlich zur Angewohnheit gemacht, islamische Begriffe wie „Fatwa“, ein Synonym für „Tötet ihn!“, „Dschihad“, ein anderes Wort für einen Trip nach Syrien oder „Scharia“, also irgendetwas mit Steinigungen, inflationär in Gebrauch zu nehmen.

Einfaches Weltbild
Dieses einfache Weltbild wurde seitens Abdel-Samad gefördert, indem er Sätze von sich gab: wie: “Nur wer über die Mafia oder über den Islam schreibt, lebt in Gefahr“. Wie ernst man nun eine solche Aussage nehmen soll, ist fragwürdig. Zur Erinnerung: Als der Deutsch-Ägypter im vergangenen November in Kairo entführt wurde, steckten weder Islamisten, noch die Mafia dahinter, sondern lediglich ein paar Herrschaften, denen er Geld geliehen hatte. Abgesehen davon ist seine Aussage eine Ohrfeige für alle jene Journalisten, Publizisten und Autoren, die eben nicht von Islamisten oder Mafiosi bedroht werden, sondern von anderen Kreisen, zum Beispiel von Ägyptens neuem Diktator Abd al-Fattah as-Sisi.

Denn seit das Militär in Ägypten die Macht wieder an sich gerissen hat, spielt es sich am Nil nicht mit Meinungsfreiheit. Vom „Frühling“ ist nicht viel übrig geblieben. Stattdessen herrscht tiefster Winter, eine Art Mubarak 2.0. Die Muslimbrüder, die morgen wahrscheinlich jede Wahl für sich entscheiden würden, wurden offiziell als „Terrororganisation“ erklärt und ihre Mitglieder für vogelfrei erklärt. Gerade erst verurteilte ein ägyptisches Gericht mehr als 500 Menschen zum Tod. Der Vorwurf: Die Angeklagten, die vor einigen Monaten gegen den Putsch, der von manchen immer noch nicht als solcher bezeichnet wird, demonstrierten, gehören angeblich der Muslimbrüderschaft an.

Über solche Dinge will Hamed Abdel-Samad jedoch kein Wort verlieren. Schon vor einigen Tagen machte er deutlich, dass die Muslimbrüder selbst an ihren Debakel schuld seien. Das Urteil des Gerichts findet Abdel-Samad nicht gut. Nicht etwa, weil es einer Aufforderung zu einem Massaker gleicht, sondern vielmehr aufgrund seiner Theorie, dass solche Urteile der Muslimbrüderschaft nützen und sie in eine Opferrolle drängen. Ja, auch so kann man Massenmord relativieren. Solange es nur Islamisten sind, interessiert es ja auch niemanden. Immerhin hielt sich auch die Kritik im Westen mehr als in Grenzen.

Alles Faschisten – irgendwie
Als Abdel-Samad begann, die Grundzüge des Islams mit dem Faschismus zu vergleichen und auf die Thesen seines Buches zu sprechen kam, wurde ein weiteres Mal deutlich, wie einfach man sich die Welt machen kann. Die Türkei, Ägypten, Saudi-Arabien – all diese Länder verbreiten irgendwie faschistisches Gedankengut. In seinem Buch geht Abdel-Samad übrigens nicht anders vor. Die AKP, die Muslimbrüder, die saudischen Wahhabiten, die Salafisten, die Mullahs im Iran und die Taliban in Afghanistan werden alle in einem Topf geworfen. Tatsachen wie jene, dass Saudi-Arabien das gegenwärtige Militärregime in Ägypten unterstützt und Salafisten die schiitischen Ayatollahs, die in Teheran und Qom sitzen, ablehnen, werden vom Autor beinhart ignoriert. Kein Wunder, was nicht ins Schwarz-Weiß-Bild passt, bleibt lieber unerwähnt.

Stattdessen ist es der Muslim, der die Welt in Gläubige und Ungläubige einteilt und deshalb leicht um Faschist werden kann. Wohlgemerkt, es gibt islamistische Gruppierungen, die tatsächlich so handeln und auf Andersgläubige tatsächlich Jagd machen. Derartige Extremisten finden sich allerdings nicht nur in allen abrahamitischen Religionen, sondern auch unter Hindus in Indien und Buddhisten in Burma. In beiden Fällen sind Muslime die Opfer.

Die anderen Gäste taten sich schwer, auf diese Tatsachen aufmerksam zu machen. Während Nahostkorrespondentin Antonia Rados und Religionspädagogin Lamya Kaddor versuchten, dagegen zu halten, wurden Abdel-Samads Thesen von Dauertalkshow-Gast und CDU-Islamexperte Wolfgang Bosbach unterstützt. Dieser machte wie so oft in der Vergangenheit auf die Gefahr des islamistischen Terrors aufmerksam, während NSU und diverse Terrorstatistiken (In Deutschland waren laut Global Terrorism Database von den 503 Terroranschlägen der Jahre 1992 bis 2012 genau 154 rechtsextremistisch. Nur drei wurden von Muslimen begangen) beiseite gedrängt wurden.

Dass der Leibziger Imam Hassan Dabbagh ein weiteres Mal eingeladen wurde, war sicher alles andere als eine kluge Entscheidung. Abgesehen davon, dass er kein Vorzeigebeispiel für die Mehrheit der deutschen Muslime ist, wurde dem Imam wenigstens im Laufe der Sendung klar, dass ihm wohl seitens des Senders die Rolle des „bösen Buben“ zugeteilt wurde. Anders war das sicherlich auch nicht gedacht. Neben Lamya Kaddor, die sich selbst als „liberale Muslimin“ bezeichnet und dem Grünen-Politiker Omid Nouripour, der seine religiösen Gefühle seitens der Bücher Abdel-Samads ebenfalls verletzt sieht, hätte ein „normaler“ Imam, sprich, einer der der sich gut artikulieren kann und auch in der Lage dazu gewesen wäre, sich eindeutig von der „Todes-Fatwa“, die gegen den Publizisten ausgesprochen wurde, zu distanzieren, der Sendung gut getan.

Denn eines sollte klar sein: Auch ein populistischer, Hass schürender Hamed Abdel-Samad muss das Recht haben, seine Meinung – so abstrus sie auch sein mag – frei und ohne jegliche Gefahr äußern zu dürfen. Ob nun in islamischen Ländern oder in Deutschland. Genauso wie jeder andere Islamophober, denn genau das ist Abdel-Samad. Ein gewöhnlicher Islamophober. Nicht mehr und nicht weniger.

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  1. muslim sagt:

    @Merca
    „Die Qualität ihrer Beiträge wird durch polemisierende Begriffe wie … schlampig, fanatisch etc. … nicht besser“
    Wenn Sie genau gelesen hätten, dann wäre Ihnen aufgefallen, dass der Begriff „schlampig“ aus dem Zitat des Herrn Bax stammt. Und seit wann ist das polemisierend? Wenn jemand wissenschaftlich unsauber arbeitet ist das nun mal schlampig. Und „fanatisch“ ist doch sogar in „seriösen“ Medien ein gängig gebrauchter Begriff für praktizierende Muslime. Alles nur Polemik?

    „Damit wird die Säkularität juristisch ausgestaltet.“
    Auch falsch. Die Säkularität ist in Dtld überhaupt nicht im GG verankert. Das BVerfG hat das schon fast gebetsmühlenartig in seinen Urteilen wiederholt. Dtld ist nicht säkulär. Sonst gäbe es keine staatlich eingezogene Kirchensteuer, Religionsunterricht an staatlichen Schulen, oder sog. Tanzverbote an Tagen wie Volkstrauertag oder Karfreitag…
    Und wenn Dtld christliche Wurzeln hat, dann ist das auch nur richtig so.

  2. Tai Fei sagt:

    Turan Dursun sagt: 30. April 2014 um 15:09
    „Was mir an Ermans Artikel nicht gefällt ist die Verortung der Islamkritik Herrn Samads als eine islamfeindliche Hetze bzw. die Maischberger Sendung als Populismus und Kommerz. So kommen wir aber mit einer Akzeptanz und Integration des Islam in eine europäische Kultur aufgeklärter Gesellschaften nicht weiter. Mit dieser Kritikresistenz ist auch den Muslimen nicht geholfen. Tatsache ist, dass der Islam eben nicht nur eine Religion wie das reformierte Christentum ist, sondern neben der Spiritualität auch einen politischen und rechtlichen Anspruch erhebt. Und genau diese Ansprüche stehen in Konflikt zu den säkularen Rechtsstaaten Europas. Da helfen auch nicht verbale Splitterungen in Islam und Islamismus. Der Islam ist, wie das Christentum vor Jahrhunderten, zu reformieren und zu entpolitisieren.“

    Herr Samad betreibt weniger islamfeindliche Hetze, als das er eine Relativierung des Faschismus und besonders des Nationalsozialismus betreibt. Das ist die eigentliche Kritik.
    Hierbei simplifiziert er den Faschismus auch im Wesentlichen auf Deutschlands Nationalsozialismus. Andere faschistische Systeme, wie Italien oder Spanien werden überhaupt nicht berücksichtigt. Ferner macht er seine Thesen an der Verbindung von muslimischen Organisationen mit Nazideutschland fest. Dabei ignoriert er bereits viel frühere fundamentalistische Strömungen, welche vor allem antikolonial, ja sogar gegen andere muslimische Regime gerichtet waren. Natürlich MUSS man immer zwischen Islam und Islamismus unterscheiden. Letzterer ist nur eine kleine Gruppe, denen Millionen andere gegenüberstehen. Ich verweise noch mal auf die TATSACHE, das „der Islam“ Religion von mehr als einer Milliarde Menschen ist, die über mehrere Kontinente verstreut sind und verschiedensten Kulturkreisen angehören.

    Was heißt übrigens „reformiertes Christentum“? Dieser Begriff ist völliger Blödsinn und existiert überhaupt nicht. Es gibt allenfalls eine reformierte Kirche. „DAS Christentum“ ist überhaupt nicht reformiert worden. Das Christentum hat lediglich mehrere Schismen durchlaufen und an politischer Einflusskraft, im Zuge der bürgerlichen Revolutionen, eingebüsst. Das ist aber nicht das Verdienst der Kirche oder der Christen. In ihrer Geschichte stand die Kirche, als Institution des Christentums, zumeist auf der reaktionären Seite, die freiheitliche Recht bekämpfte. So auch im Francismus, dem FASCHISMUS in Spanien, wo die katholische Kirche eine große Rolle gespielt hat und das bis in die 70er des 20. Jh. Auch in Lateinamerika haben zumindest Teile der Kirchenelite, die faschistoiden Militärjuntas unterstützt.

    Gerade auch in DE ist von einer vollständigen Säkularisierung keine Rede. Die Landeskirchen haben auch heute noch etliche Sonderrechte und dürfen, z.B. bei Ihren Angestellten sowohl ins Arbeits- ja sogar ins Zivilrecht eingreifen.

    Turan Dursun sagt: 30. April 2014 um 15:09
    Der Vergleich zum Faschismus ist legitim und hilfreich bei der Entpolitisierung des Islam. Monotheismus beschreibt ein Religionsmodell des göttlichen Alleinherrschenden, dem im Islam die Gläubigen unterworfen sind. Kann man hierin nicht eine Struktur des Faschismus erkennen, wie sie auch in der unterwerfenden Führerpersönlichkeit eines irdischen Faschismus zum Ausdruck kommt, die ebenfalls nicht kritisiert werden darf? Ist es nicht Ausdruck eines Faschismus wenn der Kritiker mit dem Tode bedroht oder bestraft wird?

    Das wird ja immer besser. Sie schmeißen mit Begriffen wie Faschismus, Monotheismus und Islam um sich und vermischen, wo es Ihnen gerade in den Kram passt. Sowohl das Christen- als auch das Judentum sind ebenfalls monotheistisch und erheben den SELBEN göttlichen Alleinherrschaftsanspruch. Ich betone hier den SELBEN, da alle drei Religionen genau denselben Gott haben und direkt auf einander aufbauen. Nach Ihrer Logik würde damit alle drei faschistische Strukturen aufweisen. Der Faschismus hat aber seine Wurzeln in der Bekämpfung des Kommunismus und der Arbeiterbewegung. Beide Bewegungen finden ihren Ursprung in den bürgerlichen Revolutionen.

    Turan Dursun sagt: 30. April 2014 um 15:09
    „Hätten unsere Vorfahren vor Jahrhunderten nicht das Christentum und die Kirche, gegen alle Widerstände, so wie jetzt auch mit dem Islam, ihrer Macht enthoben und sich für Aufklärung, freies Denken, Demokratie und Säkularität entschieden, würden wir dann heute in dieser freien Gesellschaft leben können? Hierauf sollten sich die Muslime einmal besinnen, statt Kritik als Hetze aufzufassen und sich beleidigt in eine Opferrolle zurückzuziehen. Das bringt euch nicht weiter.“

    Auch das stellt wieder mal nur historisches Halbwissen unter Beweis. Von einer wirklichen Säkularisierung kann erst Ende des 19. Jh. gesprochen werden. Wohlgemerkt begann erst da der Prozess und dieser ist bis heute nicht weltweit abgeschlossen, wie die Sonderrechte der Landeskirchen in DE bis heute zeigen. Die politische Entmachtung begann zwar schon früher, war aber eher eine Folge von absolutistischen Bestrebungen, ist also keineswegs im Zusammenhang mit demokratischen Entwicklungen zu sehen. Ich gebe hier auch im wesentliche zu bedenken, dass die bürgerliche Gesellschaft mit ihren demokratischen Ansätzen, selbst in Europa erst mit dem Ende des WW1 vollständig durchgesetzt werden konnte.

    Hoppla sagt: 30. April 2014 um 18:00
    „@LiesLotte
    “Und bitte liebe Mitbürger/-innen, lasst euch nicht wieder aufwiegeln gegen eine Minderheit.”
    Was wollen Sie denn bitte damit sagen? Dass eine gewisse Minderheit an unaufgeklärten Islamisten völlig unberechtigt von der Mehrheit kritisiert wird?“

    Nein sie will damit sagen, dass eine Minderheit von fundamentalen Islamisten keine Bedrohung unseres demokratischen Rechtsstaats darstellt und das ein Vergleich zwischen Islam und Faschismus/Nationalsozialismus eine Geschichtsklitterung darstellt. Im Prinzip findet hier Godwins Law seine Anwendung im analogen Raum.

    Donkey Kong sagt: 1. Mai 2014 um 14:28
    “Aber ein frei gelebter Atheismus oder eine Punk-Kultur waren dort sicher nicht gern gesehen. Nein, so tolerant wie es bei uns zur Zeit ist, war es noch nie. Nur deshalb dürfen sich auch alle Leute lautstark über ihre religiösen oder nicht-religiösen Meinungen zanken, ohne Gefahr zu laufen, erdolcht zu werden.“

    Ein frei gelebter Atheismus oder gar Punk-Kultur ist auch bei Mitarbeitern der Caritas nicht gerne gesehen.

    Die Toleranz unserer Zeit beschränkt sich auf die Freiheit des Konsumenten. Erzählen Sie mal Ihren Spruch einem Herrn Lothar König, einem Gustl Mollath oder einer Mandy Kopp. Sollten Sie in unserer freien Gesellschaft mal nicht nur zanken, sondern direkt unsere herrschende Elite angehen, und sei´s auch nur auf lokaler Ebene, dann ist ihre Freiheit schnell hin.

    David Ohnsorg sagt: 1. Mai 2014 um 15:22
    „Deutsche Richter urteilen nach dem Zivilrecht und nicht nach der Bibel.“

    Sagen Sie das mal Mitarbeitern kirchlicher Einrichtungen in DE. Denen wurde zu verstehen gegeben, das man Gott nicht bestreiken kann. Für diese sind Teile des Arbeits- und des Zivilrechtes ausgehebelt. Man sind wir in DE aber fortschrittlich.

    Gülten Sesigür sagt: 1. Mai 2014 um 19:29
    „In islamischen Ländern ist die Scharia die göttliche Rechtsquelle, basierend auf dem Koran und auf der sich ab der Mitte des 7. Jahrhunderts herausbildenden Überlieferung vom normsetzenden Reden und Handeln Mohammeds. „

    Es gibt etliche islamische Länder, wo die Scharia keine Rechtsgrundlage darstellt.

    Gülten Sesigür sagt: 1. Mai 2014 um 19:29
    „Wen ein Mensch den Islam als seinen Lebensinhalt begreift und so toll findet, verstehe ich nicht, warum ein solcher Mensch nicht in ein islamisches Land auswandert.“

    Ich denke wir leben in einem freien Land, wo jeder seine Meinung äußern kann. Warum verweisen Sie Menschen mit Meinungen, die Ihnen nicht den Kram passen nun einfach des Landes. Tatsächlich ist die Einstellung: „Geh doch nach drüben“ viel eher faschistoid.

    Es ist schon erstaunlich, dass sogenannte „Islamkritiker“ einen Eurozentrismus betreiben, der seines Gleichen sucht. Wieso wird dem Islam und islamischen Ländern ständig das Fehlen der Aufklärung vorgeworfen. Alle islamischen Länder haben eine völlig andere historische Entwicklung durchgemacht als die europ. Nationen. Wie überheblich muss man sein, die eigenen Maßstäbe anzusetzen zumal sich die westl. Nationen ständig aktiv in die innere Politik dieser Länder eingemischt haben. Diese „Kritiker“ ignorieren, dass der islamische Fundamentalismus praktisch überall mit Hilfe der westl. Demokratien überhaupt erst relevant wurde. Die Wahhabiten in den Golf-Monarchien verdanken ihre Herrschaft britischer Kolonialpolitik im Kampf gegen das Osmanische Reich, In Lybien und Afghanistan wurden Fundamentalisten aktiv im Kampf gegen die vorangegangen Regime, die säkular waren, aufgerüstet. In Syrien passiert das Gleiche. Der pakistanisch/indische Widerspruch hat seine Wurzeln ebenfalls in der brit. Kolonialpolitik und die zunehmende Fundamentalisierung in Pakistan ist auf die Bombardierung im Grenzgebiet zu Afghanistan zurück zuführen. Ich verweise hier auch auf die Parallelen zu Kambodscha, wo die Khmer Rouge erst ihren Aufstieg, den Bombardierungen der US-Airforce zu verdanken haben. Im Iran wurde eine säkulare, demokratische Regierung mit Hilfe der USA und UK weggeputscht, Die Folge war eine Diktatur in deren Verlauf die Mullahs eine Opposition bildeten, was schließlich in der „islamischen Revolution“ mündetet.

    Die interessengesteuerte Imperialpolitik der westl. Mächte gibt den Fundamentalisten doch gerade ihre Legitimation. Wenn im Namen von Kapitalfreiheit und marktkonformer Demokratie Dörfer zerbombt, Bauern enteignet, Fischern ihre Existenzgrundlage entzogen und ganze Landstriche durch Umweltzerstörung unbewohnbar gemacht werden, darf man sich kaum Wundern, dass diese Menschen zurückschlagen. Das Dumme an den Fundamentalisten ist nur, dass diese meistens sogar noch unterwandert und benutzt werden nun auch unsere Freiheiten und Rechte einzuschränken. Warum müssen wir uns für die Pässe unsere Fingerabdrücke abnehmen lassen? Wieso müssen wir diese lächerlichen Kontrollen und Restriktionen an Flughäfen hinnehmen? Wieso werden immer mehr Überwachungsmaßnahmen in unseren Städten eingeführt? Wie sollen unsere Daten aus Telekommunikation ohne Verdacht auf Monate gespeichert werden?

    Alle Islamkritiker sollten sich fragen, wo „der Islam“ uns bisher hier in DE wirklich bedroht hat? Diese lächerlichen Anschlagsversuche die angeblich verhindert wurden, wo andere zehn Jahre lang wirklich „erfolgreich“ Bomben zünden und Menschen töten, sind doch nur Propaganda. Hier wird eine, immer noch relativ kleine, Gruppe von Menschen zu einer weltweiten Bedrohung hochstilisiert, während wir deren Financiers sogar noch unterstützen und sie mit Waffen versorgen. Aber über diese Schizophrenie regt sich hier keiner auf.

  3. posteo sagt:

    „Alle Islamkritiker sollten sich fragen, wo „der Islam“ uns bisher hier in DE wirklich bedroht hat?“ Dies ist ein schönen Beispiel für „Targetierung“, d.h. die gezielte Eingrenzung des statistischen Bezugsrahmens, um seine These zu stützen.
    Da wir in einer globalisierten Welt leben, haben wir seit 9/11 auch etwa 40 deutsche Opfer islamistischen Terrors zu beklagen, obwohl alle Anschlagsversuche auf deutschem Boden seither gescheitert sind.
    Und wenn man linken und islamistischen Terror als Reaktion auf politisches Unrecht deutet, könnte man die NSU auch als Wendeverlierer interpretieren.

    Aber davon abgesehen hat Tai Fei recht, die Terroranschläge sind völlig unbedeutende Nebenkriegsschauplätze, die eigentlichen Kriegsschauplätze allerdings auch.
    Die Entscheidungsschlachten des 21. Jahrhunderts werden an Werkbänken ausgetragen. Europa gegen Ostasien, die BRIC-Staaten gegen die USA, Deutschland gegen die Schweiz + Norditalien, u.s.w., u.s.w.
    Und über allen schwebt das Damoklesschwert des Pick-oil. Wer wird das erste spritfreie Massenfahrzeug auf den Weltmarkt werfen, wann kommt das idiotensichere Block-Heizkraftwerk fürs Eigenheim? Das sind die Fragen, die den westlichen, insbesondere deutschen Menschen wirklich interessieren.
    Ansonsten ist für uns der Kunde König. Wer Kriegsgerät anfordert, soll Kriegsgerät bekommen, wir hätten auch Nutzfahrzeuge, Landmaschinen, ja sogar komplette schlüsselfertige Fabriken im Angebot.

  4. Lionel sagt:

    @muslim

    Sie schrieben:
    „Wenn Sie das Volksgericht unter Roland Freisler kennen und dessen menschenverachtende Judikatur, dann wissen Sie was die Auswüchse des Rechtspositivismus sind.“

    Hans Kelsen, der bedeutendste Vertreter des Rechtspositivismus (und Verfolgter der NS-Diktatur) würde Ihnen da wohl nicht zustimmen
    Freisler und Kumpane waren mitnichten Exponenten des Rechtspositivismus, sondern irrationaler Willkür.

    Näheres:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Kelsen
    Zum Verhältnis von Rechtspositivismus und Naturrecht:
    http://www.kath.net/news/33877

  5. Manu Mann sagt:

    @ posteo:
    „Und über allen schwebt das Damoklesschwert des Pick-oil.“
    Sie meinen wohl die Theorie des „peak oil“. Nun, es stimmt, dass im Endeffekt der Nahe Osten wegen seiner Bodenschätze zum Kriegsschauplatz geworden ist. Wie sagte 2004 der Cowboy George aus Texas so schön: „America is addicted to oil“. Die Theorie aber, die man uns vermitteln will, dass der peak des Ölreichtums bereits erreicht worden sei, würde ich lieber nicht glauben. Es gibt noch ungeahnte Mengen an Ölvorräten. Erstaunlicherweise gerade in den USA (Alaska).

    „Da wir in einer globalisierten Welt leben, haben wir seit 9/11 auch etwa 40 deutsche Opfer islamistischen Terrors zu beklagen, obwohl alle Anschlagsversuche auf deutschem Boden seither gescheitert sind.“
    Naja, 9/11hat mit Muslimen nichts zu tun. Das offizielle Märchen glauben die Amis nicht einmal mehr selbst. Brigadegeneral Janis Karpinski, einst dritthöchste in der US Army, hat im Irak gedient und sagt mittlerweile offen, wer sie glaubt dass dahinter steckt.

    Das mit den 40 Opfern versteh ich nicht so ganz. Sie meinen doch hoffentlich nicht die Schläfer vom Verfassungsschutz aka „Sauerländer Zelle“ ?

    @TeiFei:
    „Warum müssen wir uns für die Pässe unsere Fingerabdrücke abnehmen lassen? Wieso müssen wir diese lächerlichen Kontrollen und Restriktionen an Flughäfen hinnehmen? Wieso werden immer mehr Überwachungsmaßnahmen in unseren Städten eingeführt? Wie sollen unsere Daten aus Telekommunikation ohne Verdacht auf Monate gespeichert werden? “
    Gute Fragen. Da hilft ganz einfach die Gegenfrage „cui bono?“. Wem nützt es? Wer ist nochmal so hungrig nach den Daten auf der ganzen Welt? Wer hat diese krankhafte Sammelwut…

  6. Merca sagt:

    @TaiFei
    Ich finde Sie übertreiben es ein bisschen mit Ihrer Besserwisserei. Sie unterstellen anderen Foristen Halbwissen und machen selbst ständig nichts anderes, als historische Errungenschaften des Westens schlecht zu reden, indem sie einfach die Geschichte so wiedergeben, dass es am Ende so aussieht, als ob alles nur Missverständnisse gewesen wäre.

    In meinen Ohren klingen ihre Theorien ein bisschen anti-westlich und anti-europäisch. Ihr historischen Ausschweifer wirken auf mich, als ob Sie dem eigentlichen Thema ausweichen wollen. Wenn jemand schreibt:

    “Aber ein frei gelebter Atheismus oder eine Punk-Kultur waren dort sicher nicht gern gesehen. Nein, so tolerant wie es bei uns zur Zeit ist, war es noch nie. Nur deshalb dürfen sich auch alle Leute lautstark über ihre religiösen oder nicht-religiösen Meinungen zanken, ohne Gefahr zu laufen, erdolcht zu werden.“

    Dann könnten Sie sehr wohl verstehen, was er meint! Aber lieber schreiben Sie als Antwort, dass es doch nur eine „Konsumentenfeiheit“ wäre. Sorry, aber wenn Sie das denken, dann haben Sie nicht verstanden, was die Aufklärung ist. Und was es bedeutet in einem säkularen Staat zu leben. Ein Staat hört nicht auf säkular zu sein, nur weil es ein paar Defizite gibt und im Vergleich zu sehr vielen Staaten ist Deutschland doch sehr säkular! Darum gehts!

    Versuchen Sie die anderen ,Menschen zu verstehen und nicht absichtlich misszuverstehen, denn das ist der Kommunikationskiller Nummer 1 in all diesen Diskussionen und man landet jedes mal bei historischen Ausschweifungen.

  7. posteo sagt:

    Manu Mann sagt:
    „Sie meinen wohl die Theorie des “peak oil”.
    Oh stimmt, Danke, für die Korrektur

    „Naja, 9/11hat mit Muslimen nichts zu tun. Das offizielle Märchen glauben die Amis nicht einmal mehr selbst. “
    Al Kaida hat sich zu den Anschlägen bekannt, also schien ihnen der zweifehafte Ruhm damals ganz recht zu sein.

    „Das mit den 40 Opfern versteh ich nicht so ganz. “
    Ich erklär´s Ihnen: 11 deutsche Opfer von 9/11, 14 deutsche Opfer auf da Djerba (2002), 6 auf Bali (ebenfalls 2002). Dazu noch jeweils 1-3 Opfer in Mumbai (2008), Moskau(2011), , Nigeria (ein Bauingeneur der Mannheimer Bau-Firma Bilfinger-Berger2012), im Jemen (2 Mitarbeiter der GIZ 2013) und Afghanistan (2 Reporter im Jahr 2006 und die die unlängst ermordete Photoreporterin).

    Über 9/11 will ich nicht beckmessern, sonst können wir uns auch darüber unterhalten, ob die Amis jemals auf dem Mond waren, oder ob der NSU nur ein Phantom der Geheimorganisation Gladio ist.

  8. TaiFei sagt:

    posteo sagt:2. Mai 2014 um 13:42
    “Alle Islamkritiker sollten sich fragen, wo „der Islam“ uns bisher hier in DE wirklich bedroht hat?” Dies ist ein schönen Beispiel für “Targetierung”, d.h. die gezielte Eingrenzung des statistischen Bezugsrahmens, um seine These zu stützen.
    Da wir in einer globalisierten Welt leben, haben wir seit 9/11 auch etwa 40 deutsche Opfer islamistischen Terrors zu beklagen, obwohl alle Anschlagsversuche auf deutschem Boden seither gescheitert sind.

    Ne eben nicht, weil ich hier keine Zahlen aufrechne. Es ging mir um die Bedeutung dieser Anschlägen für unseren Staat. Deutschland ist in seiner Existenz als moderner postdemokratischer Rechtsstaat keineswegs durch globale muslim. Anschläge bedroht, sehr wohl aber durch Terrorgruppen die in Deutschland Jahrzehnte operieren können und das noch mit Unterstützung staatl. Behörden.

  9. Lionel sagt:

    @muslim

    Sie schrieben:
    „Das BVerfG hat das schon fast gebetsmühlenartig in seinen Urteilen wiederholt. Dtld ist nicht säkulär.“

    Einschlägig ist hier der Art. 140 GG.
    http://dejure.org/gesetze/GG/140.html
    Demnach sah die WRV (und ihre noch heute gültigen entsprechenden Artikel) zwar eine Trennung von Kirche und Staat vor, die jedoch nicht vollständig war.
    Für diese Konstruktion prägte der Staatskirchenrechtler Ulrich Stutz den Begriff der „hinkenden Trennung“.
    Siehe auch (unter Deutschland):
    http://de.wikipedia.org/wiki/Trennung_von_Kirche_und_Staat

  10. muslim sagt:

    @posteo
    machen Sie es sich nicht ein wenig zu leicht mit dieser Zusammenrechnung?
    1. Ist bei keinem der Anschläge bislang erwiesen, dass es Muslime waren. Und wie bereits bzgl 9/11, 7/7 usw. hinlänglich bekannt, stecken da andere Kräfte dahinter. Man muss dafür keiner Verschwörung anhängen, um das zu wissen. Ich würde es sogar als „common sense“ bezeichnen. Es ist doch offensichtlich, was die wirklichen Anlässe für den neo-Imperialismus sind und waren.
    2. Haben Sie auch mal zusammengerechnet, wie viele Muslime seit 2001 dem „(Phantom)Krieg gegen den Terror“ zum Opfer gefallen sind? So viel kann ich Ihnen sagen: die Summe ist weit im 6-stelligen Bereich.
    Das ist nicht einmal nach dem Talionsprinzip gerechtfertigt.