Der Triebtäter

Vitalisierend – oder: Was gesagt werden muss

Der Januar neigt sich dem Ende zu und ganz Deutschland spricht über eine Energiewende, die weder stattfindet noch stattfinden soll, von der aber alle behaupten, dass sie stattfände, weil sich damit Geld verdienen lässt. Lassen Sie uns darum die Chance nutzen, uns mal ganz anderen Dingen zu widmen. Lassen Sie uns reden über: die Ukraine.

Von Dienstag, 28.01.2014, 8:26 Uhr|zuletzt aktualisiert: Freitag, 31.01.2014, 1:37 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |   Drucken

Dort hat es nämlich eine interessante Verschiebung gegeben. Während Putins Erfüllungsgehilfe Wiktor Janukowytsch nämlich seinem Hegemon treu ergeben bleibt, gerade aber wankt, hat Deutschland seine Politik inzwischen geändert: Hatte man sich vor einigen Jahren noch europaweit blamiert, als man sich fest an die verurteilte Wirtschaftskriminelle Julija Tymoschenko klammerte, die man zur ukrainischen Jeanne d’Arc aufblasen wollte, um die Ukraine in die eigene Hegemonialsphäre herüber zu reißen, verfolgt dieser imperialistische Teil der deutschen Politik inzwischen eine andere Strategie.

Denn während Tymoschenko inzwischen praktisch aufgegeben wurde, ist Deutschlands Interesse an diesem verstrahlten Landstrich am Rande Europas heute weiter so wach wie einst. Um dieses Interesse an Einfluss in tatsächlichen Einfluss zu wandeln, hat die CDU daher eine eigene Zweigstelle in der Ukraine eröffnet: Mit Hilfe der Konrad-Adenauer-Stiftung und einem in der Ukraine bis dahin wenig bekannten Fäustling, der ebender Union nahe steht, wurde eine Partei aus dem Boden gestampft, die mit jener massiven Hilfe aus Deutschland zur mächtigen Oppositionspartei UDAR aufgebaut wurde, während Vitali Klitschko inzwischen zum „Oppositionsführer“ aufgebauscht worden ist.

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Unterstützt wird er dabei insbesondere von der Swoboda – einer Partei, die Deutschland auf vielerlei Weise verbunden ist, gerade den Gesinnungsgenossen der NPD. Wer sich hier an die historischen Verpflechtungen erinnert fühlt, die die extreme Rechte Ungarns mit der Union verbindet, die hier bereits thematisiert wurden, liegt nicht ganz falsch – dass die Swoboda und die Jobbik im EU-Parlament in derselben Fraktion sitzen, ist da nur eine Randnotiz.

Unter lautem Gejohle der deutschen Publizistik ist es dem ehemaligen Boxweltmeister und seinen antisemitischen Mitstreitern nun aber offenbar gelungen – und daher dieser Text – aus müden Miniprotesten einen größeren Aufstand aufzubauen; ob der sich allerdings organisch allein aus der Ukraine aufgebaut hat, darf bezweifelt werden. Bemerkenswert hierbei ist jedoch, dass der Vorsitzende der Swoboda auch im öffentlich-rechtlichen Fernsehen als ein „Oppositionsführer“ bezeichnet wird; und, dass die Ablehnung des Vorstoßes Janukowytsch’s durch die proeuropäischen Menschenrechtsdemokraten um Vitali Klitschko, durch ebendiese Medien gefeiert wird. Die Quintessenz dieser deutschen Journaille, dass die Nazis Teil der demokratischen Opposition (gegen den gewählten Präsidenten) seien, auf die wir zu bauen hätten, ist widerlich. Wenn Klitschko und die CDU auf die Nazis bauen, mag das noch verständlich sein – dass niemand das in Frage stellt, sagt aber vieles aus über die Befindlichkeiten in Deutschland.

Dieser Aufstand scheint wieder in der Lage, die Machtverhältnisse in der Ukraine Zugunsten Deutschlands zu verschieben, und das Land in die deutsche Hegemonialsphäre, die EU, einzugliedern. Wohl sehr zum Missfallen Frankreichs, Großbritanniens und des Rests der EU, würde der Beitritt der Ukraine doch die bereits fest verankerte Hegemonie Deutschlands auf dem europäischen Kontinent weiter zementieren.

Ob dann in Brüssel nicht nur „endlich wieder deutsch gesprochen“ wird, sondern „nur noch deutsch“, wird sich zeigen müssen. Stellte man diese Frage auf spanisch, italienisch oder griechisch, wäre die Antwort wohl ohnehin schon heute eindeutig.

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  1. posteo sagt:

    Jetzt bin ich aber positiv überrascht, so eine klarsichtige Analyse der ukrainischen Verhältnisse aus der Feder von Sven Bensmann zu lesen. Kompliment!

  2. Matthias sagt:

    Auch ich bin sehr positiv überrascht und fand den Artikel anregend. Da muss ich auch gestehen, dass mich der Artikel dazu gebracht hat, mal etwas mehr über die Swoboda nachzulesen und das hat mich tatsächlich geschockt.

    Von einem Demokraten – und so will sich die Klitschkopartei verstehen – erwarte ich eine Distanzierung von Parteien wie der Swoboda. Nicht alle Mittel heiligen den Zweck und der Protest könnte glauwürdiger sein, wenn man ihn ohne die Swoboda führt.