Mein Name ist Eugen

Eine Generation auf der Suche nach Identität

Der Name ist das erste Geschenk, das Eltern ihren Kindern machen. Manchmal wird man nach jemandem benannt, manchmal soll der Name die Entwicklung in eine gewisse Richtung lenken. Doch was passiert, wenn der Vorname geändert wird, und das nicht freiwillig?

Dienstag, 12.11.2013, 8:24 Uhr|zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 14.11.2013, 13:46 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |   Drucken

Als der sechsjährige Evgenij Alexandrowitsch Litwinow 1993 mit seinen Eltern von Kasachstan nach Deutschland kam, wurde sein Name geändert: aus Evgenij wurde Eugen. Diese Namensänderung sollte Spätaussiedlern und Russlanddeutschen die Integration in das neue Umfeld erleichtern. Doch was bedeutet es für ein Kind, auf einmal einen anderen Vornamen zu besitzen? Wie bewegen sich Integration und Identifikation zueinander?

Eugen Litwinow ist diesen Fragen nachgegangen, in seiner Bachelorarbeit zum Abschluss seines Fotografiestudiums an der Fachhochschule Dortmund. Entstanden ist ein Buch voller Erlebnisse, die symbolisch die Erfahrungen und Gefühle einer Generation junger Russlanddeutscher darstellen. Darin erzählen dreizehn junge Russlanddeutsche namens Evgenij aus ihrem Leben.

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Ihre Geschichten sind einzigartig. In „Mein Name ist Eugen“ teilen sie ihre Erinnerungen an die erste Zeit in Deutschland, sprechen über ihre Herkunft, Namensänderungen und Identität. Litwinow reist mit den jungen Männern in die Vergangenheit und so entstehen in den Gesprächen Texte von romantischer Erzählweise über die Kindheit bis hin zu reflektierender Selbsteinschätzung – es geht um Chancen und Probleme des Hineinwachsens Jugendlicher in eine neue, wenn auch teils vertraute Kultur.

„Ich fühle mich wie ein gemischter Salat“, zitiert Litwinow das Buch, „mit einigen Zutaten aus der russischen Kultur und einigen aus der deutschen.“ Das Buch selbst ist wie eine Suche nach einem konkreteren Gefühl für Herkunft, Heimat und Identität. „Mein Vater hat mir Jahre später mal erzählt, dass mein Charakter sich durch die Namensänderung stark verändert hat. Seit diesem Augenblick frage ich mich: Ist Eugen ein anderer Mensch, als es Evgenij gewesen wäre?“

Um das Buchprojekt einem größeren Publikum zu präsentieren hat Litwinow Ende Oktober ein Crowdfunding gestartet. Auf der Plattform Startnext kann sich jeder bis zum 1. Dezember sein Exemplar des Buches vorab sichern, das dieses Jahr Silber beim Deutschen Designer Club im Wettbewerb „Gute Gestaltung“ für die beste studentische Abschlussarbeit deutschlandweit gewann.

10 Prozent der Auflage sollen an kulturelle Einrichtungen mit dem Schwerpunkt (russlanddeutsche) Integration wie Vereine, Schulen, Forschungsinstitute und Museen verschickt werden. Sollten die benötigten 9400 € zusammenkommen, wird das Buch in einer Auflage von 1500 Exemplaren bereits Anfang Dezember gedruckt. (ms)

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  1. posteo sagt:

    Als ich 5 war, verpassten mir meine älteren Geschwister einen Spitznamen, der sich in meiner Familie bis heute als eigentlicher Rufname erhalten hat.
    Als ich 12 wurde, fühlte ich mich auch plötzlich wie ein „gemischter Salat“; meine Eltern nannten es Pubertät. Die Suche nach Identität ist das, was die ersten Lebensjahre eines jeden Menschen bestimmt, sich jedoch nie ganz auswächst; auch mit 50 muss ich mich hin und wieder neu bestimmen.
    Und im ürigen ist eine zweite Sprache, die man als Geheimsprache gegenüber seiner Umwelt anwenden kann, doch auch manchmal ganz praktisch.

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