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Der Triebtäter

Guter Ausländer, schlechter Ausländer II – ein Nachtrag

Jeder, dessen potenzielles Humankapital den Schaden durch die drohende Überfremdung des deutschen Volkskörpers signifikant übertrifft, bekommt eine Arbeitserlaubnis, bis zum Renteneintritt - um dann wieder vertrieben zu werden.

Von Dienstag, 22.10.2013, 8:26 Uhr|zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 24.10.2013, 20:56 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |   Drucken

Eigentlich war es ja nie richtig weg, dieses Thema. Und doch: die aktuellen Schocknachrichten aus Lampedusa haben es wieder in alle Zeitungen gespült: Das Boot ist voll, die Selbstschussanlagen der Festung Europa feuern aus allen Rohren, die Kriminalisierung jener, die ihrer Pflicht zur Seenotrettung nachkommen, funktioniert hervorragend, die Militärschiffe der Frontex halten die Seeblockade bestmöglich aufrecht, und doch: all die scheußlichen Grenztoten, die aufgedunsenen Kadaver, sie sind wieder da.

Wie gut, dass wenigstens einer bereitsteht, um den Deutschen den Krieg zu erklären – den gegen die Armut selbstverständlich. Hans-Peter Friedrich tut das in seiner Eigenschaft als Bundesminister so: Sparen bis zum Hungertod für Südeuropäer, die von Banken ruiniert wurden, ganz nach dem Vorbild der schwäbischen Hausfrau, Abschiebung für unterprivilegierte Schengen-Bürger, die ja bloß den deutschen Sozialstaat ausbeuten wollen, und überhaupt härtere Strafen für alle, die anderer Menschen Leben retten, sowie, als kleines Schmankerl:

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Jeder, dessen zu potenzielles Humankapital den Schaden durch die drohende Überfremdung des deutschen Volkskörpers signifikant übertrifft, bekommt eine zeitweilige Arbeitserlaubnis, bis zum Renteneintritt – um dann wieder vertrieben zu werden.

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So spielt die CSU das große Gesellschaftsspiel „Guter Ausländer, schlechter Ausländer“ weiter: Endlösung der Migrantenfrage im nassen Grab Mittelmeer, Gnadenbrot für billige Dumpinglöhner, die dort putzen, wo nicht einmal das Arbeitsamt deutsche Hartz IV-Empfänger hineinsanktionieren kann oder Fachkräfte fehlen, weil die Kirchen und ähnlichen Einrichtungen den Arbeitnehmern einen angemessenen Lohn vorenthalten.

Und damit ist sie dann schließlich auch vollendet, die völlige Entartung des Menschen zur einfachen Ressource, die Degeneration des Menschen zum Werkzeug; gerade der Neger hat für Hans-Peter Friedrich nur einen Lebenszweck: Lohnsklaventum, wo direkte Sklaverei nicht mehr erlaubt ist – du bist eben nur das wert, was du an Werten zu schaffen in der Lage bist. Oder natürlich zu vernichten, denn Investmentbanker sind ja systemrelevant und keinesfalls abschiebewürdig.

Mal ernsthaft:
Was für eine Kindheit muss eigentlich ein Mensch gehabt haben, der so zu denken in der Lage ist? Wie kann eine „Christlich-soziale Union“ gleichzeitig so gottlos und asozial sein? Kann dieser Mann nachts eigentlich noch ruhig schlafen?

Und wenn sein Gewissen ihn nicht wach hält, sollte das vielleicht jemand anderes tun? Auch Politiker haben Wohnhäuser. Und wenn schon nicht für die Ideen von Menschenrechten und Menschenwürde, zumindest für den Lärmschutz wird man den Herren Minister dadurch ja vielleicht gewinnen können. Das wäre immerhin ein Anfang: Kommt die Einsicht, dass er selbst ein Menschenrecht auf Lärmschutz hat, ist die Saat allgemeiner Menschenrechte bereits gepflanzt.

Und weil wir nun schon beim Thema sind und weil eh niemand daran vorbei kommt: Wie kann eigentlich eine Kirche, die Leute, die unverheiratet zusammenleben oder sich haben scheiden lassen, die nicht an einen speziellen Gott glauben oder auch bloß nicht heterosexuell sind, für moralisch so verkommen hält, dass sie sie, trotz allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes und der hohlen Phrase von der Nächstenliebe, aus den Arbeitsstellen in, vom nichtkatholischen Steuerzahlern bezahlten, öffentlichen Einrichtungen jagt, einen Mann wie den luxusgeilen Tebartz van Elst als Bischof tolerieren?

Fragen über Fragen…

Und eine Antwort darauf gibt es: Hypokrisie.

Dabei ist die CSU eigentlich inkarnierte Hyperkrise.

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