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Der Nobelpreis

Wenn Thomas Südhof Deutscher ist, ist Mesut Özil…

Der frischgebackene amerikanische Nobelpreisträger Thomas Südhof wirft Fragen auf. Ist er nun Deutscher oder Amerikaner. Und wenn er ein Deutscher ist, was ist dann Mesut Özil?

Von Mittwoch, 09.10.2013, 14:04 Uhr|zuletzt aktualisiert: Freitag, 11.10.2013, 16:59 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |   Drucken

Die Freude war groß, nachdem bekannt wurde, dass mit Thomas Südhof ein Deutscher den Nobelpreis für Medizin bekommt. Die Medien berichteten im Minutentakt von dem gebürtigen Göttinger. Spiegel etwa sprach über den „deutschen Zellbiologen“ und die Süddeutsche davon, dass „erneut ein Deutscher“ den Nobelpreis gewonnen hat. Die FAZ bejubelte den „Deutschen Biochemiker“ und die Nachrichtenagenturen den „Nobelpreisträger aus Deutschland“.

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Selbst Bundespräsident Joachim Gauck gratulierte dem frischgekürten Preisträger: „Deutschland“ freue sich mit ihm. Zusammen mit „seinen amerikanischen Kollegen“, habe Südhof dazu beigetragen, dass „wir“ Diabetes besser verstehen.

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Dabei ist Thomas Südhof US-Bürger und kein Deutscher. Er zog schon vor dreißig Jahren in die USA und hat sich dort zwischenzeitlich einbürgern lassen. Seine deutsche Staatsbürgerschaft hat er eigenen Angaben zufolge zwar nie abgegeben, doch darum gekümmert hat er sich auch nicht. Und laut Staatsangehörigkeitsgesetz verliert ein Deutscher die deutsche Staatsbürgerschaft, wenn er ein anderes annimmt – kraft Gesetzes und automatisch.

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Anstatt man sich in Deutschland also schwarzärgert, weil das engstirnig gestrickte Staatsangehörigkeitsgesetz dafür gesorgt hat, dass ihm ein Nobelpreisträger durch die Lappen gegangen ist, setzte man sich über den Pass Südhofs einfach hinweg und strickte aus seiner Herkunft einen „Deutschen“. Wieso auch nicht? Schließlich ist die Deutschstämmigkeit von Thomas Südhof auch im online Lexikon Wikipedia dokumentiert.

Dieses Vorgehen ist ja keine Ausnahme. Erinnert sei an die unzähligen Meldungen über den Türken Mesut Özil nach einem seiner erfolgreichen Länderspiele für Deutschland. Spiegel etwa berichtete über den „türkischen Fußballer“ und die Süddeutsche darüber, dass „erneut ein Türke ein Tor für Deutschland geschossen“ hat. Die FAZ bejubelte den „türkischen Spielmacher“ und die Nachrichtenagenturen den „besten Spieler aus der Türkei“. Unvergesslich ist doch auch, wie sehr sich Handelsblatt darüber freute, dass sich Özil noch als Türke fühlt. Nur die eifrigen Wikipedia Autoren haben bei Özil vergessen, seine Türkischstämmigkeit zu betonen. Nichts Besonderes.

Verwirrend an dem Jubelschrei rund um den frischgekürten Nobelpreisträger Südhof ist lediglich, dass sich auch jene über „den Deutschen“ freuen, die sonst darauf bestehen, dass irgendwann mal Schluss sein müsse mit der Herkunft.

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