Einsicht nach Schock-Video?

Menschenrechtsbeauftragter erstmals für neue Flüchtlingspolitik

Wer als Flüchtling in die EU kommt, muss in dem Land bleiben, wo er erstmals EU-Boden betreten hat. Das sind meist die südlichen Küstenländer. Das ist bequem für Deutschland und entspricht der Politik der Bundesregierung. Jetzt fordert ein Regierungspolitiker eine Abkehr von dieser Linie.

Donnerstag, 25.07.2013, 8:26 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 29.07.2013, 22:13 Uhr Lesedauer: 1 Minuten  |   Drucken

Erstmals spricht sich ein ranghoher Politiker der Bundesregierung dafür aus, dass Flüchtlinge in der EU nicht nur von den Ankunftsländern aufgenommen werden, sondern von allen Mitgliedsstaaten. Im ARD-Politikmagazin „Report Mainz“, das am Dienstagabend ausgestrahlt wurde, sagte der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning (FDP): „Ich glaube, dass bei den Flüchtlingen wir nicht alleine auf die Ankunftsländer setzen können, sondern, dass wir als andere Europäer ein stückweit das mit schultern müssen.“

Hintergrund dieser Aussage sind Menschenrechtsverletzungen an Flüchtlingen in einem griechischen Internierungslager in Athen sowie in der Ägäis vor der Insel Lesbos. Ein Video zeigt ein Flüchtlingsboot mit brennendem Motor. Auf den Bildern ist zu sehen, wie Menschen aus dem Boot versuchen, auf das Schiff der griechischen Küstenwache zu gelangen. Uniformierte Beamte treten mit Stiefeln auf die Flüchtlinge ein, um sie daran zu hindern.

Systematische Menschenrechtsverletzungen
Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International wirft der griechischen Küstenwache systematische Menschenrechtsverletzungen vor. Franziska Vilmar von Amnesty International Deutschland erklärt in „Report Mainz“, wehrlose Flüchtlinge seien aus ihren Schlauchbooten auf Schiffe der Grenzschutzbeamten gebracht und dort misshandelt worden. „Unterdessen hatte die Küstenwache diese Schlauchboote schon mit Messern zerstört, den Motor abgebaut und dann hat man diese Flüchtlinge einfach auf offener See zurückgelassen“, so Vilmar.

Zudem kritisiert Amnesty International die Inhaftierung und Abschiebung von Kindern und Jugendlichen ohne Eltern aus Griechenland. Tausende Flüchtlinge werden nach Recherchen von „Report Mainz“, dem UNHCR und Amnesty International bis zu 18 Monate lang in Internierungslagern festgehalten. Nach offiziellen Angaben bekommen nur 0,9 Prozent aller Antragsteller in Griechenland Asyl. (hs)

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MiGDISKUTIEREN (Bitte die Netiquette beachten.)

  1. Edith Hofmann sagt:

    Es ist ganz klar, dass die Flüchtlinge, die aus südlichen und östlichen Ländern kommen, nicht einfach der Erstasylländern, die meist arm sind, (GR) aufgebürdet werden dürfen. Selbstverständlich müssen reichere Länder, wie die Schweiz, Deutschland, die nicht an der EU-Grenze sind, bei der Aufnahme helfen. Flüchtlinge dürfen nicht gequält und ihrem Schicksal überlassen werden, es handelt sich um Menschen, wie wir sind. Aber Griechenland, das genug eigene Probleme hat, ist längst überfordert, mit der grossen Einwanderung. Das Wichtigste jedoch ist, weltweit zu helfen, dass Menschen in ihrer Heimat genug zu essen und ein menschenwürdiges Leben habe. Sie sollen nicht für Hungerlöhne für uns Nahrung, Kleidung etc. produzieren müssen. Also, packen wir’s an mit etwas mehr als „Brotkrusten für Alle“

  2. Pingback: München: Abschiebung nach Ungarn gestoppt.

  3. Martell sagt:

    „Ich glaube, dass bei den Flüchtlingen wir nicht alleine auf die Ankunftsländer setzen können, sondern, dass wir als andere Europäer ein stückweit das mit schultern müssen“
    Wieso nur die europäischen Staaten und nicht die reichen Nachbarländer wie Saudi-Arabien? Dort würde auch die Integration leichter fallen – gleiches Klima, gleiches Essen, gleiche Kultur, gleiche Religion.
    Und dort stehen Hundertttausende klimatisierter Zelte, die beinahe das ganze Jahr über leerstehen.