Brückenbauer

Doppelpass

Gegen den Doppelpass in den deutschen Strafraum sollte man etwas unternehmen. Für den Doppelpass im Sinne der doppelten Staatsbürgerschaft ebenfalls.

Von Donnerstag, 07.03.2013, 8:26 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 15.07.2015, 14:03 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |   Drucken

Iniesta auf Xavi, Xavi zurück auf Iniesta. Beim Fußball nennt man das Doppelpass und es wird gerne von spanischen Spielgestaltern praktiziert. Es ist modern, schön anzuschauen und dazu noch sehr erfolgreich. Auch wenn dieser Vergleich zwischen Fußball und dem Politikum „Doppelpass“ hinkt, bemühe ich ihn dennoch, denn ist die Schärfe, in der das Thema diskutiert wird, wirklich notwendig?

Vermutlich liegt es an der bevorstehenden Bundestagswahl, dass die doppelte Staatsbürgerschaft mit einem Mal so wichtig ist. Eigentlich schade, wenn das Thema nach der Bundestagswahl wieder in der Versenkung verschwindet. Im Kern geht es ja um die Suche nach wichtigen Antworten auf existenzielle Fragen: Wo gehöre ich hin und wer gehört zu mir?

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Die hitzige Aufregung um „Deutschland sucht die doppelte Staatsbürgerschaft“ ist jedoch nicht nachzuvollziehen. Was spricht denn gegen den Besitz von zwei Pässen? Man hört da oft etwas von „Rosinen rauspicken“. Welche zusätzlichen „Rosinen“ pickt man sich denn heraus, wenn man zwei Staatsangehörigkeiten erhält?

Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt oder Ansprüche auf Sozialleistungen? – Nein, denn es geht hier ja um Personen, die alle diese Rechte auch als Ausländer in Deutschland genießen.

Auch vermeintliche Kriminalitätsschlupflöcher lassen sich mit bilateralen Verträgen stopfen, die es auch schon gibt und mit denen man sogar Krimineller ohne Doppelpass habhaft werden kann. Ohnehin sind die wenigsten Menschen kriminell, die Staatsangehörigkeitsgesetze werden aber für alle Menschen gemacht, nicht nur für die Kriminellen.

Ein Pass ist doch vor allem ein Zugehörigkeits-Statement. Eine Vereinbarung zwischen Staat und Individuum, so etwas Romantisches gibt es noch. Der ausstellende Staat sagt: „Du gehörst zu uns!“ Und der Passinhaber sagt: „Ich gehöre zu euch!“ Warum soll der Staat denn niemanden dazu zählen können, der noch zu einer anderen Gruppe gehört? Und warum soll sich eine Person nicht gleichzeitig in zwei Gruppen zuhause fühlen, also gleichzeitig zum Beispiel Türkisch UND Deutsch sein? Ist es so schwer nachzuvollziehen, dass sich viele Mitbürger mit Migrationshintergrund genau so fühlen: zugehörig zu zwei Nationalitäten? Nur weil etwas auf affektiver Ebene funktioniert, muss es doch nicht auf bürokratischer Ebene scheitern. Zwei Pässe tun doch keinem weh!

… es sei denn, sie werden von Iniesta und Xavi in den deutschen Strafraum gespielt. Dagegen sollte man sich wirklich etwas überlegen! Im Fußball ist der Doppelpass übrigens ein probates Mittel, um hohe Spielanteile für die Mannschaft zu erhalten und um nicht ins Abseits zu laufen. Hört sich doch gar nicht so schlecht an, oder?

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  1. Non-EU-Alien sagt:

    …schöner Artikel! Insbesondere die Anmerkung, dass das Thema nach der Bundestagswahl wieder von der Tagesordnung verschwinden könnte, reflektiert die Realität in diesem Lande.

  2. Werner sagt:

    Non-EU-Alien,
    ich weiß nicht, wer das Thema auf die Agenda gesetzt hat. Es war jedenfalls nicht unsere derzeitige Regierung. Dass hier Klärungsbedarf besteht, zeigen doch die vielen Beiträge bei Migazin und auch unsere persönliche Diskussion. Es ist gut, dass man vor der Wahl diskutiert und dass die Parteien sich jetzt positionieren müssen.

    Nicht wie 1999 (?), als die Mehrheit lediglich Kohl abwählen wollte und Rotgrün das als Mandat für eine unausgegorene Staatsbürgerreform uminterpretierte. Einwände der damaligen Opposition wurden mit dem Hinweis „Ätsch, wie haben aber die Mehrheit“ quittiert. Es kam zur Unterschriftenaktion. Und den Rest kennen wir.

    So geht es nicht! Das Thema gehört debattiert. Zuallerst im Parlament, aber wenn ich mir dort so manche Einlassung der Politiker anhöre, dann denke ich: auch in der Öffentlichkeit.