Ausbildung

Minister Schneider: „Junge Migranten nicht weiter benachteiligen!“

Nordrhein-Westfalens Arbeits- und Integrationsminister Guntram Schneider hat Unternehmen aufgefordert, junge Migranten bei der Vergabe von Ausbildungsplätzen nicht weiter zu benachteiligen.

Dienstag, 13.11.2012, 8:28 Uhr|zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 15.11.2012, 8:25 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |   Drucken

Arbeits- und Integrationsminister Guntram Schneider (SPD) hat die Unternehmen aufgerufen, Jugendliche mit Migrationshintergrund bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz nicht weiter zu benachteiligen. „Insbesondere Jugendliche aus der türkischen Community haben es hierbei besonders schwer. Sie werden seltener zu Vorstellungsgesprächen eingeladen und deutlich weniger von ihnen machen eine betriebliche Ausbildung“, sagte der Minister am Montag in Köln zur Eröffnung der Messe „JOBAKTIV Rheinland 2012“.

Während mehr als 60 Prozent der Bewerber ohne Migrationshintergrund zum persönlichen Vorstellungsgespräch eingeladen werden, sind es bei den Jugendlichen mit türkisch-arabischem Hintergrund nur 46 Prozent. Und 42 Prozent der jungen Menschen ohne Zuwanderungsgeschichte münden in Deutschland erfolgreich in eine betriebliche Berufsausbildung ein, aber nur 20 Prozent der Jugendlichen mit türkisch-arabischem Hintergrund, betonte Schneider und berief sich auf Zahlen des Bundesinstituts für Berufsbildung.

Unternehmen tun sich schwer
„Viele Unternehmen tun sich noch schwer damit, Jugendlichen mit Migrationshintergrund die Chance auf eine Ausbildungsstelle zu geben. Hier ist ein radikales Umdenken gefordert – nicht nur im Interesse der jungen Leute, sondern auch der Unternehmen selbst. Denn schon bald wird sie der drohende Fachkräftemangel regelrecht dazu zwingen, alle Potenziale in unserer Gesellschaft in den Blick zu nehmen“, sagte Minister Schneider.

Dass Jugendliche mit Zuwanderungsgeschichte es auf dem Ausbildungsmarkt besonders schwer haben, liege aber nicht nur an den Unternehmen, so der Minister: „Während die Hälfte (52 Prozent) der Jugendlichen ohne Migrationshintergrund bei der Berufswahl und Ausbildungsplatzsuche die Eltern einbezieht, ist es bei denen mit türkisch-arabischem Hintergrund gerade ein Viertel (26 Prozent). Das liegt vor allem daran, dass deren Eltern oft keine eigenen Erfahrungen mit dem deutschen Ausbildungssystem haben.“

Aktion mit Konsulaten
Deshalb hat das Land gemeinsam mit der Bundesagentur für Arbeit und den türkischen Generalkonsulaten 2010 den Aktionsplan „Zukunft durch Ausbildung“ gestartet. Kernstück sind ehrenamtliche Berufsberater aus der türkischen Community, die Eltern wie auch Jugendlichen gezielte Beratung rund um das Thema Ausbildung anbieten.

Die „JOBAKTIV“ ist die bundesweit größte Job-, Ausbildungsplatz- und Informationsmesse der Bundesagentur für Arbeit für Menschen mit Migrationshintergrund. Sie findet jetzt zum zweiten Mal in NRW statt. Beinahe ein Viertel (23,3 Prozent) der in NRW lebenden Menschen hat einen Migrationshintergrund. In Großstädten wie Köln beispielsweise hat beinahe die Hälfte der Jugendlichen ausländische Wurzeln. (etb)

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  1. Dr. Rita Zellerhoff sagt:

    Das ist der richtige Weg, die eigene Community an der Ausbildung zu beteiligen. Sicher gibt es auch noch bei türkisch-stämmigen Unternehmern ein großes Potential an Ausbildungsplätzen. Die Chance des dualen Systems kann für die Bildung der jungen Menschen genutzt werden und Ihnen weitere Aufstiegschancen eröffnen.
    Rita Zellerhoff

  2. Soli sagt:

    Ich würd das aber nicht unbedingt als Vorteil ansehen wenn die Jugendlichen bei türkisch-stämmigen Unternehmen ausgebildet werden. Ganz im Gegenteil sollten diese eher Deutsche Jugendliche aufnehmen. Vielleicht würde dann eher ein Verständnis für andere Gruppen entstehen als wenn diese sich wieder nur „unter sich“ abkapseln.

  3. Krösus sagt:

    Na endlich nennt ein politiker das Kind beim Namen.
    Viele wiegeln ab und spielen die drei Affen bei diesen Thema.
    Es ist ja schon Zynisch das gerade solche Konzerne Mitgliedsind in Vereinen und Institutionen die die Vielfalt fören sollen.Jedoch ist dies nur Werbung.Denn selber agieren sie bei Bewerbungen von Migranten sehr Migrantenfeindlich.Bei gleicher Eignung bekommen Migranten , eine geringere Chance sich zu beweisen.Die Unternehmen werden von sich nichts machen.Sie müssen meiner Meinung nach gesetztlich gezwungen werden ihre Einstellung zu revidieren.
    Aber das die Politik überhaupt das Thema aufgegriffen hat, ist wirklich erwähnenswert.