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Buchtipp zum Wochenende

Taqwacore von Michael Muhammad Knight

Was passiert, wenn Fiktion und Realität aufeinandertreffen? Michael M. Knight erfand in seinem Roman „Taqwacore“ eine Szene, in der sich Punk-Kultur mit dem Alltag jugendlicher Muslime in den USA vermischt.

Von Alpay Yalçın Freitag, 24.08.2012, 8:22 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 28.08.2012, 8:04 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |   Drucken

Beschrieben wird die Geschichte einer Punk-WG in Buffallo (NY) deren Bewohner ausschließlich Muslime sind. Da wird dann über Moscheen für Schwule gesprochen, eine Muslima stürmt bei einer Party in ihrem Nikab die Wohnzimmerbühne und gibt ein aufreizendes Iggy-Pop-Cover zum Besten. Das vielleicht Lustigste an dieser chaotischen Reise durch die amerikanisch-islamische Jugendkultur ist die Idee eines amerikanischen Kalifats, genannt: Kalifornien.

Unverblümt ehrlich sprechen hier Jugendliche über das Einhalten religiöser Riten und Regeln, über ihr brechen und darüber, wo man seinen Halt eigentlich wirklich findet. So auch ein Tenor, der sich durch die ganze Erzählung zieht: Es gibt irgendwo da draußen einen „coolen“ Islam, man muss ihn nur finden.

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„Taqwacore“ ist ein Roman, geschrieben von einem Konvertiten, der die Regeln seiner neuen Religion nicht einhalten kann; und so naiv er es auch tut, er tut, was viele Muslime weltweit beschäftigt. Davon zeugen zahlreiche Sendungen in islamisch geprägten Nationen, die sich genau mit diesen Themen beschäftigen: Darf ich mich tätowieren, Alkohol trinken, Punk-Musik hören, homosexuell sein, soll man einen Abtrünnigen töten, etc.

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Mag die Erzählung auch holprig daherkommen: In der Realität spielten solche Muslim-Punk Bands in Pakistan und auf dem Tahir-Platz während des arabischen Frühlings und gaben z.B. eine Punk-Version von „Walk like an Egyptian“ zum Besten. Acht Jahre hat es gedauert, bis sich ein deutscher Verlag fand, eine Tatsache, welche das Niveau der hiesigen Diskussion wiedergibt. Jedenfalls löst ein Protagonist der Erzählung seine Zweifel, indem er unverständliche und nicht zustimmbare Sätze mittels Edding ausstreicht.

Stutzig wird man aber dort, wo es über den Islam als Diskussionspunkt hinaus geht. Plötzlich verblasst der Zweifel am Islam und eine inneramerikanische Debatte wird eröffnet. Und erst hier wird der Roman interessant. Während also mein islam-kritisches Auge fast erschlagen wird vor Begriffen und Zusammenhängen islamischer Regeln, Verbote und Gebote, erblickt das westliche Auge den Beitrag zur hiesigen Kultur selbst.

Nebenbei erfährt man, dass es in North- oder South-Carolina ein als Museum genutztes Gefängnis für Sklaven gibt, an deren Wände 200 Jahre alte Koran-Verse und Gebete stehen sollen.

Wer sich auf die chaotische Erzählung einlässt, bekommt auch eine Antwort auf die Gemeinsamkeit von Punk und Islam. Wie wenig hierzulande darüber gesprochen wird, zeigt, dass es keinen deutschen Wiki-Eintrag zum Roman gibt. Worüber spricht also der deutsche Moslem-Punk?

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