Nationaler Bildungsbericht 2012

Migranten auf gutem Weg, müssen aber weiter aufholen

Die Bildungsbeteiligung von Migranten wird immer besser, ist aber noch nicht ausreichend. Förderung und Chancengleichheit sind die Lösungen, Betreuungsgeld wirkt kontraproduktiv. Das geht aus dem Bildungsbericht 2012 hervor.

Montag, 25.06.2012, 8:29 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 08.01.2020, 15:45 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |   Drucken

Das Bildungsniveau steigt, die Zahl der Abiturienten nimmt zu, die Zahl der Schulabbrecher geht weiter zurück, immer mehr studieren und Schüler mit Migrationshintergrund holen auf. Das sind die zentralen Ergebnisse des Bildungsberichts 2012, der am Freitag (22.6.12) vorgestellt wurde. Neben viel Licht wirft der Bildungsbericht aber auch lange Schatten.

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Trotz Verbesserungen in den vergangenen Jahren haben Jugendliche und Erwachsene mit Migrationshintergrund nach wie vor einen deutlich niedrigeren Bildungsstand. Unter den 30- bis unter 35-Jährigen verfügen 10% über keinen Hauptschulabschluss und 37% über keinen beruflichen Abschluss. Das sind Herausforderungen, die unbedingt gemeistert werden müssen. Denn der Anteil jüngerer Menschen mit Migrationshintergrund an der Bevölkerung stetig zu. Unter den 24-Jährigen sind es 23%, bei den unter 1-Jährigen bereits 35%.

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Segregationstendenzen in Kitas
Das macht die Kindertagesbetreuung für unter 3-Jährige besonders wichtig. Hier beträgt die bundesweite Bildungs- und Betreuungsquote 25%, bei unter 3-jährigen Kinder von Migranten allerdings nur 14%. Bei 3- bis unter 6-Jährigen sieht es besser aus. Hier nehmen Kinder mit Migrationshintergrund zu großen Teilen an frühkindlicher Bildung teil. Doch auch hier gibt es Handlungsbedarf. Denn Kinder, die mit ihren Eltern zu Hause nicht Deutsch sprechen, werden zu einem Drittel in Kindertageseinrichtungen betreut, in denen mehr als 50% der Kinder ebenfalls eine andere nicht-deutsche Familiensprache haben. Das fördert laut Bildungsbericht Segregationstendenzen in Kindertageseinrichtungen.

Für den migrationspolitischen Sprecher der Bundestagsgrünen, Memet Kılıç, liegt die Lösung auf der Hand: Größere Investitionen in die Kita-Qualität, Förderung des Spracherwerbs so früh wie möglich und ein Stipendienprogramm zur Gewinnung von mehr Lehrkräften mit Migrationshintergrund. „Die Bundesregierung beschäftigt sich aber lieber mit einem integrationshemmenden Betreuungsgeld. Deshalb kann ein großer Teil der Kinder mit Migrationshintergrund vom sozialen Aufstieg nur träumen. Sie bleiben weiterhin die ‚Stiefkinder‘ des Bildungssystems“, so Kılıç.

Download: Der Bericht „Bildung in Deutschland 2012. Ein indikatorengestützter Bericht mit einer Analyse zur kulturellen Bildung im Lebenslauf“ kann als PDF-Datei (12 MB) kostenlos heruntergeladen werden. Wichtige Ergebnisse im Überblick gibt es hier.

Betreuungsgeld kontraproduktiv
Die Kritik des Grünen-Politikers am geplanten Betreuungsgeld kommt nicht von ungefähr. Angesichts der Probleme beim Krippenausbau zweifeln die Experten des Bildungsberichts am Sinn des Betreuungsgeldes, das Eltern erhalten sollen, wenn sie ihre Kleinkinder zu Hause betreuen. Daran knüpft auch die Kritik von SPD-Vize Manuela Schwesig: „Da ist kein Platz für Fehlanreize, die Kinder von Bildung fernhalten. Das gefährdet den Kita-Ausbau. Die Bundesregierung sollte die Warnungen des nationalen Bildungsberichtes sehr ernst nehmen und die Mittel für das Betreuungsgeld endlich in den Kita-Ausbau stecken.“

Auch die Bildungsgewerkschaft appelliert an die Regierungskoalition, das Betreuungsgeld einzustampfen. „Der Besuch einer Kita ist ein wichtiger Beitrag, Defizite, die Kinder aus dem Elternhaus mitbringen, auszugleichen“, sagte GEW-Chef Ulrich Thöne. Deshalb sei das Betreuungsgeld „gesellschaftspolitischer Unsinn“. „Wer sich damit brüstet, dass die Bildungsbeteiligung steigt, kann nicht gleichzeitig Fördergelder dafür zahlen, dass Kinder und Eltern zu Hause bleiben.“ Die „Klientelpolitik einer Regionalpartei“ dürfe nicht entscheidend für die Zukunftschancen von Millionen Kindern und die berufliche Entwicklung der Eltern werden“, betonte Thöne mit Blick auf die CSU. (sb)

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