TV-Tipps des Tages

18.03.2012 – Ausländer, Solingen, Genc, Kosovo, Gauck, Tunesien, Algerien

TV-Tipps des Tages sind: Cosmo TV: Mevlüde Genc wählt den Bundespräsidenten; Abgeschoben - und dann? Feuertod von Oury Jalloh: Ein Prozess voller Wendungen; MEUN AUSLAND: Tunesien nach der Jasminrevolution; Algerien - Die Angst ist ein Gefängnis; Im Fadenkreuz der Attentäter: Martin Luther King; Asül für Alle: Chaos im Amt

Von Sonntag, 18.03.2012, 8:18 Uhr|zuletzt aktualisiert: Freitag, 16.03.2012, 14:58 Uhr Lesedauer: 7 Minuten  |  

Cosmo TV
Mevlüde Genc wählt den Bundespräsidenten
SOLINGEN. In der Vitrine ihres Wohnzimmers haben schon zwei Präsidenten einen Ehrenplatz: Johannes Rau und der türkische Präsident Abdullah Gül. Sie hat noch ein Bild von einem Präsidenten, das bleibt aber in der Schublade, meint Mevlüde Genc. Sie ist von der nordrhein-westfälischen CDU als Wahlfrau nominiert worden. Mevlüde Genc verlor 1993 bei dem rechtsextremistischen Brandanschlag auf ihr Haus in Solingen nahezu ihre ganze Familie – ihre Töchter und Enkel wurden getötet. Statt mit Wut und Zorn zu reagieren, demonstrierte Mevlüde Genc damals menschliche Größe. Sie rief zu Toleranz und einem stärkeren Miteinander auf. Cosmo TV hat die 69-Jährige in Solingen besucht und begleitet sie bis nach Berlin – zur Wahl des neuen Bundespräsidenten. Sie wünscht sich einen Präsidenten, der sich einen Platz in ihrer Vitrine verdient.

Feuertod von Oury Jalloh: Ein Prozess voller Wendungen
MAGDEBURG. Eigentlich wollte das Gericht den Fall zu den Akten legen. Zu langwierig, zu teuer, zu mühsam. Doch Staatsanwaltschaft und Nebenklage lassen nicht locker. Im Visier: Der Polizeibeamte, der dem in der brennenden Zelle gefesselten Oury Jalloh zu spät geholfen und damit seinen Tod durch Unterlassen verursacht haben soll. Die genauen Umstände des Todes bleiben unaufgeklärt, weil die Mauer des Schweigens seitens der Polizeibeamten nicht durchbrochen werden konnte. Dabei sind beim Verfahren viele erschreckende Details ans Licht gekommen: Verschwundene Beweismittel, ungenaue Brandgutachten, widersprüchliche Zeugenaussagen. Hat sich Oury Jalloh im Gewahrsam eines Polizeireviers, an Händen und Füßen gefesselt, mit einem Feuerzeug selbst angezündet? Oder ist doch alles ganz anders abgelaufen? Überraschend verschärft jetzt die Staatsanwaltschaft die Vorwürfe gegen den beschuldigten Polizisten. Sie streben eine Verurteilung wegen Freiheitsberaubung mit Todesfolge an. „Cosmo TV“-Reporter Pagonis Pagonakis berichtet seit Beginn über diesen Fall. In Magdeburg trifft er an einem turbulenten Verhandlungstag die Mutter und den Bruder Oury Jallohs – sie sind extra aus Westafrika angereist und erleben einen Prozess, der in seine vermutlich letzte spektakuläre Runde geht.

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Abgeschoben – und dann?
AHAUS. Nermina ging in Ahaus zur Schule, war vielleicht nicht die beste Schülerin – das ist kein Grund für eine Abschiebung. Dass ihr Vater den vorgegebenen Umkreis ohne Erlaubnis verlässt und mit ungültigem Führerschein fährt – reicht der Ausländerbehörde in Borken aber aus, um gleich die ganze Familie abzuschieben und damit auch Nermina. Sie stand kurz vor dem Schulabschluss – hatte eine Aussicht auf eine Ausbildungsstelle in einem deutschen Krankenhaus. Seit ihrer Abschiebung leben die Mujollis nun in Pristina, wie es mit ihnen weitergeht, das wissen sie nicht.

Cosmo TV hat Nermina und ihre Famile im Kosovo besucht. 16:00-16:30 • WDR

MEUN AUSLAND: Tunesien nach der Jasminrevolution
Vom liberalsten Land der arabischen Welt ist die arabische Revolution ausgegangen: Tunesien stürzte am 14. Januar 2011 den korrupten Diktator Zine el-Abidine Ben Ali. Tunesien wählte als erstes Land des arabischen Frühlings am 23. Oktober 2011 eine verfassungsgebende Versammlung. Der Ausgang der Wahlen ist ein Signal für die ganze arabische Welt. Wie hat sich das Land inzwischen entwickelt?

Rached Abri ist einer der 400 Verletzten der tunesischen Revolution: Der 21-jährige wurde während einer Demonstration von einem Polizisten regelrecht ?hingerichtet?. Dieser legte die Waffe an die Brust des jungen Studenten und schoss. Fünf Operationen, unter anderem an Herz, Lunge und an der Wirbelsäule haben Rached das Leben gerettet. Doch er bleibt querschnittgelähmt. Nur mit Hungerstreiks erreichte Rached, dass er die notwendigen Behandlungen bekam. Die Kugel, die in seinem Rückenmark steckte, verschwand im Krankenhaus. Vermutlich wurden die Mediziner bestochen, um Beweismaterial verschwinden zu lassen, sagt seine Anwältin, Radhia Nasraoui, Symbolfigur der Jasminrevolution. Die unermüdliche Kämpferin für Menschenrechte hatte in ihrem Land Jahre lang mit Beschattung und Verfolgung zu kämpfen. Sie selbst wurde oft gefoltert.Der 41-Jährige Journalist, Fahem Boukadous, erklärt, warum die arabische Revolution in Tunesien ausgebrochen ist. Er ist ebenfalls eine Symbolfigur der Jasminrevolution und ein unermüdlicher Kämpfer für die Pressefreiheit. Er begleitet das Fernsehteam zu den Dörfern um die Phosphatminen im Südwesten des Landes. Hier sind schon 2008 die ersten sozialen Aufruhen ausgebrochen. 21:45-22:15 • PHOENIX

Algerien – Die Angst ist ein Gefängnis
In Algerien ist der?arabische Frühling? fast unbemerkt vorbeigezogen. Zu Beginn des Jahres 2011 gab es zwar Demonstrationen gegen die extrem hohe Arbeitslosigkeit, gegen die schlechten Lebensbedingungen und gegen die zu hohen Lebensmittelpreise.

Doch das Regime schlug den zum Teil blutigen Aufstand nieder und versprach Reformen. Bis heute sind sie nur zum Teil umgesetzt. Die Armut im Land ist geblieben und die Jugend hat noch immer keine Perspektive.

Viele Algerier kehren ihrem Land den Rücken: die einfache Bevölkerung aber auch die Intellektuellen.

Einer, der mit seinen Büchern versucht aufzurütteln, ist aber geblieben: Boualem Sansal. Seine Bücher werden in Algerien nur unter der Hand verkauft. Außerhalb des Landes werden jedoch seine Schriften mit viel Aufmerksamkeit gelesen. Im Herbst 2011 wurde Sansal mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geehrt.

Sein Land sei in einer Angststarre, so beschreibt Sansal den Zustand in Algerien. Das Regime übe totale Kontrolle aus, lasse wenig Freiräume. Zudem bereichere sich die Machtelite. Reichtum aus den üppigen Erdöl und Erdgasvorkommen ginge nicht an die Bevölkerung weiter. Es gebe kein Zusammenspiel zwischen Volk und Staat. Radikalislamische Strömungen störten eine demokratische Entwicklung? auch Frauenrechte würden zunehmend beschnitten.

Sansal will weiter gegen diesen Zustand anschreiben. Er hofft, dass der Funke des arabischen Frühlings doch noch nach Algerien überspringen wird. 22:15-22:45 • PHOENIX

Asül für Alle
Chaos im Amt – Gäste u.a.: Andreas Rebers, Rolf Miller, Helmut Schleich

Wenn eine Ausländerbehörde von Django Asül geleitet wird, ist das Chaos nicht weit. Wenn ihm dabei Rolf Miller ambitioniert zur Seite steht, naht das Inferno. Ihre tägliche Arbeit dreht sich um die Frage: Wer wird rein gelassen? Wer wird raus gelassen? Und wer passt überhaupt hierher?

Mit schrägen Denkansätzen gehen die beiden grundverschiedenen Kabarettisten diesen und anderen aktuellen Fragen auf die Spur. Sie treiben ihr Unwesen streng nach dem Motto: Echte Gaudi entsteht erst dann, wenn der Ernst der Lage bereits da ist. Erst recht, wenn plötzlich Andreas Rebers und Helmut Schleich im Büro auftauchen. 22:45-23:45 • BR

Im Fadenkreuz der Attentäter
Martin Luther King – Diese mehrteilige Dokumentation deckt die Hintergründe einer großen Anzahl von Attentaten auf und legt bisher geheim gehaltenes Archivmaterial offen. Ob der Meuchelmord an John F. Kennedy oder das Attentat auf Mahatma Gandhi, in dieser Dokumentationsserie erfährt der Zuschauer alles über die Mörder und die Gründe ihrer Tat. Viele Attentate geben bis heute Rätsel auf. Durch den Einsatz einmaligen Bildmaterials und anschaulicher Rekonstruktionen, betrachtet jede Episode ein anderes Attentat und beleuchtet es ganz genau. In dieser Serie werden zum Teil nicht bekannte Umstände aufgedeckt und viele Fälle aus einer neuen Warte betrachtet. Es kommt Licht in so manche dunkle Geschichte.

1968, im Zenit der Kämpfe um die Bürgerrechtsbewegung, kam der Baptistenpastor Martin Luther King in die Stadt. King hatte sich in dieser Zeit schon teilweise von den rechtlichen Fragen der Diskriminierung abgewendet und sich mehr den sozialen Problemen und der weitverbreiteten schwarzen Armut angenommen. Am 1. Februar 1968 starben während eines schweren Unwetters zwei schwarze Angestellte der Müllabfuhr, als sich der Pressmechanismus eines Müllwagens von alleine in Gang setzte. Am gleichen Tag wurden wegen des Unwetters 22 schwarze Arbeiter ohne Bezahlung nach Hause geschickt, während ihre weißen Vorgesetzten ebenfalls arbeitsfrei erhielten, allerdings mit Lohnausgleich. Zwei Wochen später begannen 1.100 von insgesamt 1.300 schwarzen Angestellten der öffentlichen Reinigung einen Streik für bessere Arbeitsbedingungen.

Am 18. März, während der Streik immer noch andauerte, kam King in die Stadt und sprach auf mehreren Veranstaltungen. Am 28. März fand eine große Demonstration statt. Diese endete allerdings in Gewalt, als vor allem College-Studenten ihre mitgebrachten Schilder nutzten, um damit die Schaufensterscheiben von Geschäften einzuschlagen. Die Stadt erwirkte ein gerichtliches Verbot für King, Memphis zu betreten.

Die ?Southern Christian Leadership Conference? verhandelte mit den Verantwortlichen, um eine Demonstration am 5. April möglich zu machen. King kehrte in die Stadt zurück. Am 4. April einigten sich die Beteiligten auf einen Protestmarsch am 8. April. Am Abend des 4. April 1968 wurde Martin Luther King auf dem Balkon des Lorraine Motels erschossen. Die genauen Umstände der Tat sind bis heute ungeklärt. 01:50-02:15 • PHOENIX TV-Tipps

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