TV-Tipps des Tages

26.02.2012 – Iran, Kosovo, Sowjetunion, Neonazi-Opfer, Ausländer, Schweigeminute

TV-Tipps des Tages sind: Glaubwürdig: Farzin Akbari Kenari; Musik nach dem Krieg: Kosovo zwischen Trauma und Neubeginn - Faszination Musik; Cosmo TV:Endlich anerkannt: Gedenken an Neonazi-Opfer. Die Angehörigen der Neonazi-Opfer haben mehr als ein Jahrzehnt mit dem Verdacht gelebt, dass ihre Familien in kriminelles Milieu verstrickt sein könnten

Von Sonntag, 26.02.2012, 8:18 Uhr|zuletzt aktualisiert: Freitag, 24.02.2012, 15:30 Uhr Lesedauer: 6 Minuten  |   Drucken

Glaubwürdig: Farzin Akbari Kenari
Qualitätsarbeit, Pünktlichkeit, gegenseitiger Respekt und die Sicherheit – das sind für Farzin Akbari Kenari die schönen Seiten seiner zweiten Heimat.

Der heute 41-jährige Iraner, der in seiner Heimat politisch verfolgt wurde, bekam erst nach sieben Jahren Aufenthalt und fünf Widersprüchen Asyl in Deutschland. In diesen Jahren lernte der Psychologe sehr gut Deutsch und half mit seinem Können und Wissen anderen Asylbewerbern, ihre psychischen Probleme zu bewältigen.

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Um eine Anerkennung seines iranischen Universitätsabschlusses durch die deutschen Behörden hat sich der Psychologe zunächst nicht bemüht – er habe gesehen, dass dies langwierig und oft sinnlos sei. Kenari versucht lieber im persönlichen Gespräch zu überzeugen. Letztendlich hat ihn ein Leipziger Krankenhaus in einem geförderten Pilotprojekt der Suchtberatung angestellt und erkennt damit sein Diplom in Psychologie an. Trotzdem sei der Muslim immer wieder mit Vorurteilen konfrontiert, weil man ihm seine Herkunft ansieht: „Ich muss besser sein, als ein Deutscher, darf keine Fehler machen. Es ist schade, dass einem als Migrant nicht mehr Offenheit entgegen gebracht wird.“

Hintergrundinformationen:
„Glaubwürdig“ stellt Menschen vor, die ihren christlichen Glauben beispielhaft leben. Dass aktives Christentum dabei nicht spekatkulär sein muss, sondern Engagement oftmals unscheinbar ist, zeigen die Menschen „von nebenan“, denen die neue Sendereihe gewidmet ist.

„Glaubwürdig“ zeigt Christen, die sich konsequent für andere Menschen oder eine Sache einsetzen. Porträtiert werden Frauen und Männer, die etwas Außergewöhnliches erlebt oder mit Mut und Kraft durchlitten haben.

Die Sendereihe des MDR FERNSEHENS stellt die Menschen in deren gewohnter Umgebung vor, sei es am Arbeitsplatz, im Wohnzimmer, beim Hobby, bei einem Gang durch das heimatliche Stadtviertel oder beim Besuch ihrer vertrauten Kirche. Vor dem Hintergrund ihrer geografischen Heimat sprechen sie auch über ihre geistige Heimat und erzählen Geschichten aus dem Alltag. 08:40-08:45 • MDR Sachsen

Musik nach dem Krieg
Kosovo zwischen Trauma und Neubeginn – faszination musik – Der Film begleitet eine außergewöhnliche Meisterklasse mit Musikern und Musikerinnen aus Kosovo und Serbien. Dem Cellisten Holler ist es gelungen, Musikstudenten der seit Generationen in Konflikt stehenden Völker zusammen zu bringen.

Der Film begleitet eine außergewöhnliche Meisterklasse mit Musikern und Musikerinnen aus Kosovo und Serbien. Dem österreichischen Cellisten Meinhard Holler ist es erstmalig gelungen, Musikstudenten der seit Generationen in Konflikt stehenden Völker zusammen zu bringen. Im Kosovo und in Serbien hat er albanische und serbische Musiker in gleicher Zahl gefunden, die auf hohem Niveau spielen. Am Kurs für Kammermusik und der anschließenden Tournee nehmen auch junge Studierende aus Österreich und Deutschland teil.

Auf dem abgeschiedenen Gut Hornegg, 20 Kilometer südwestlich von Graz, probt Meinhard Holler zunächst zehn Tage lang mit den Studenten Trios für Klavier, Violine und Violoncello (Smetana, Debussy, Schostakowitsch), bevor sich die ganze Gruppe auf eine Konzerttournee begibt. Die zweiwöchige Reise führt uns in Heimatstädte der Studenten – nach Pristina, das ethnisch geteilte Mitrovica, Prizren und Belgrad.

Zwölf Jahre nach den Jugoslawienkriegen und angesichts neuer Auseinandersetzungen um Nordkosovo setzt das Kammermusik-Projekt ein Zeichen der Hoffnung.
Eingewoben in das Filmtagebuch hat Regisseur Walter Wehmeyer auch Aufnahmen seiner früheren Dreharbeiten im Kosovo – aus den Jahren 1992, nach der Niederwerfung der Autonomiebewegung, und 1998, kurz vor Ausbruch des Kosovo-Krieges.

Im Mittelpunkt des Films steht die Leidenschaft der jungen Instrumentalisten für die Musik. Auf einer zweiten Ebene dokumentiert er die fragile Freundschaft zwischen jungen Albanern und Serben, die Erinnerungen an den Kosovo-Konflikt, ein gänzlich unbewältigtes Kapitel europäischer Geschichte. 09:30-10:30 • SWR BW

Geboren in der Sowjetunion
Dokumentarfilm – Neun Leben 1983 bis heute – Die weltweit bekannteste russische Langzeitdokumentation, in den letzten 28 Jahren gedreht, wirft ein Licht auf das Leben nach dem Untergang der UdSSR vor 20 Jahren.

Man nehme neun gewöhnliche Siebenjährige und verändere ihre gesamte Umwelt. Man stelle die Welt ihrer Eltern auf den Kopf und tausche komplett die Normen und Werte der Gesellschaft aus, in der sie aufwachsen. Im Alter von 14 Jahren gebe man Pubertät und Hormone hinzu, gefolgt von Militärdienst, finanziellen Schwierigkeiten und dem Einsetzen erwachsener Verantwortlichkeit mit 21. Dann warte man sieben Jahre …

„Geboren in der Sowjetunion“ erzählt die Lebensgeschichte sehr verschiedener Menschen, die in ein Reich geboren wurden, das ganz auf Uniformität setzte. Sie kommen aus Russland, Zentralasien, den Baltischen Staaten und dem Kaukasus. Ende Dezember 2011 sind es 20 Jahre, seitdem sich dieses Reich offiziell auflöste. Manche der Hauptpersonen sind inzwischen längst aus Russland emigriert, die meisten aber befinden sich noch dort, wo wir sie anfangs antrafen, jedoch in einer Umgebung und mit Aussichten, die sich radikal gewandelt haben. Es sind ergreifende Geschichten von Erfolg und Scheitern, von Optimismus und dem Erliegen von Versuchungen.

Wie sehr hat sich das Leben der Protagonisten mit 28 Jahren von dem ihrer Eltern zu Sowjetzeiten verändert! Der Wandel ist so grundlegend und umfassend, dass das Material, welches in den 80er Jahren gefilmt wurde, heute so aussieht, als sei es mehrere Generationen alt.

„Geboren in der Sowjetunion“ ist mehr als ein Film über das Leben in der postsowjetischen Ära, auch mehr als eine Ansammlung dortiger Biografien. Es ist, und das schwingt immer mit, auch ein sehr universeller Film über das Erwachsenwerden, über Träume und Hoffnungen, Realitäten und Enttäuschungen und die große Frage, was das Leben für jeden Einzelnen so bereit hält. 15:05-16:50 • arte

Cosmo TV
Endlich anerkannt: Gedenken an Neonazi-Opfer
Die Angehörigen der Neonazi-Opfer haben mehr als ein Jahrzehnt mit dem Verdacht gelebt, dass ihre Familien in kriminelles Milieu verstrickt sein könnten. Die Polizei hat sie verhört, beschuldigt Wissen zu verschweigen. Heute ist klar: Für die Morde an neun Migranten und einer Polizistin waren Neonazis verantwortlich. Diese Woche gibt es eine offizielle Gedenkveranstaltung für die rechten Terror-Opfer. Die Bundeskanzlerin hält die zentrale Rede. Ein Zeichen der Anerkennung des Leids. Auch Gamze Kubasik wird dabei sein. Ihr Vater wurde 2006 in Dortmund ermordet. Cosmo TV begleitet die Dortmunderin nach Berlin und will wissen: Wie geht es ihr bei dieser Veranstaltung und bringt der Tag den Angehörigen die Anerkennung, die sie lange vermissen mussten?

Ingenieur unerwünscht?
Es gibt viele Gründe warum Dani Somi, 35, Elektroingenieur aus Syrien, in Deutschland bleiben sollte. Er ist hoch qualifiziert, hat einen Arbeitsplatz bei einer namhaften Firma in Dresden und könnte für sich und seine Familie gut sorgen. Doch er darf nicht. Denn er soll abgeschoben werden. Statt nun als Ingenieur zu arbeiten, ist Dani Somi untergetaucht und lebt illegal in Deutschland. Cosmo TV erzählt die Geschichte eines Mannes, dem die deutsche Bürokratie schwer zu schaffen macht. Doch nachdem der Syrer sich an die Medien wandte, deutet sich jetzt eine Kehrtwende an.

Laufsteg statt Burka
Als Topmodel darf man eines nicht haben: Hemmungen, viel Haut zu zeigen. Deshalb ist für viele strenge Musliminnen dieser Beruf tabu. Die Afghanin und Muslimin Zohre Esmaeli hat aber genau das gemacht. Dafür hat sie mit ihrer Familie gebrochen und sich ein neues Leben aufgebaut. Als Mädchen musste sie sich in Afghanistan noch mit einer Burka verschleiern, heute ist sie als Model auf Laufstegen in der ganzen Welt unterwegs. Cosmo TV hat sie von ihren Erfahrungen zwischen den zwei Welten erzählt. 16:00-16:30 • WDR

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