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Arbeit, Gesundheit, Vorsorge

Migranten sind schlechter über soziale Sicherung informiert – das soll sich ändern

Arbeit, Gesundheit und Vorsorge. Für viele Migranten sind das undurchsichtige Themengebiete. Das Integrationsministerium und die Deutsche Rentenversicherung in Baden-Württemberg wollen das ändern. Das Pilotprojekt steht vor dem Start.

Dienstag, 24.01.2012, 8:30 Uhr|zuletzt aktualisiert: Sonntag, 29.01.2012, 23:38 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |   Drucken

Knapp 40 Prozent der Einwohner Stuttgarts haben einen Migrationshintergrund. In anderen Großstädten Deutschlands sieht es ähnlich aus. Das soziale Sicherungssystem ist jedoch vielen Migranten fremd. Eine rechtzeitige Vorsorge wird hierdurch erschwert oder verhindert. Dies soll sich ändern. In einem zweijährigen Pilotprojekt, das in Stuttgart erprobt wird, soll vorrangig für türkisch-, griechisch- und italienischstämmige Bürger Stuttgarts eine Informationsreihe zur sozialen Sicherheit angeboten werden.

Integrationsministerin Bilkay Öney (SPD) sieht in der sozialen Grundversorgung ein zentrales Ziel der Integrationspolitik. „Gezielte Informationen über Angebote der sozialen Sicherheit sind eine wichtige Voraussetzung für eine gleichberechtigte Teilhabe von Migranten. Doch oftmals fehlt das Wissen“, sagte Öney am Freitag (20.01.2012) in Stuttgart. Die neue Informationsreihe bietet einen Überblick über insgesamt sechs Themen: gesetzliche Rente und Altersvorsorge, Gesundheit und gesundheitliche Selbsthilfe, Rehabilitation, Berufsorientierung sowie Versorgung und Pflege im Alter.

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Information gegen Altersarmut
„Durch dieses Informationsangebot für Migranten kommen wir dem Ziel der Chancengleichheit im Bereich sozialer Sicherheit einen wichtigen Schritt näher. Wir können Bedarfslücken besser erkennen und spätere Unterversorgung und Altersarmut verhindern. Kultursensible Vorsorge und Prävention wird in einer alternden Gesellschaft immer wichtiger“, so Ministerin Öney weiter.

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Frühzeitig und noch zielorientierter informieren möchte auch Andreas Schwarz, Geschäftsführer der Deutschen Rentenversicherung Baden-Württemberg und Leiter des Netzwerks NEMIGUSS. „Wir haben bei vielen unserer Veranstaltungen festgestellt, dass fehlende Informationen rechtzeitiges Handeln und Prävention verhindert oder verzögert haben. Weiterhin sind insbesondere bei älteren Migranten auch die fehlenden Sprachkenntnisse eine wesentliche Ursache für das Informationsdefizit“, erklärte Schwarz. Dies wolle man künftig ändern. Die Deutsche Rentenversicherung Baden-Württemberg ist seit 1963 als Verbindungsstelle für Griechenland zuständig und könne somit insbesondere bei den griechischstämmigen Bürgern auch muttersprachlich unterstützend informieren und helfen.

Weitere Informationen über das Pilotprojekt „Arbeit, Gesundheit, Vorsorge“ gibt es im Internetangebot des Integrationsministeriums in Baden-Württemberg.

Potenziale nutzen
„Das Netzwerk soll für die Stuttgarter Bürger mit Migrationshintergrund einen leichteren Zugang zu den sozialen Sicherungssystemen, insbesondere zu der Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung ermöglichen“, erhofft sich Stuttgarts Sozialbürgermeisterin Isabel Fezer. Vor allem die älteren Stuttgarter mit Migrationshintergrund hätten häufig Probleme, die Regeln der sozialen Sicherheit und Vorsorge zu verstehen. „Gerade deshalb sind diese Mitbürger überdurchschnittlich von sozialer Armut und schlechterer Gesundheitsvorsorge betroffen“, führte Fezer aus. Diese Erkenntnisse ergeben sich unter anderem aus dem Bericht der partizipativen Altersplanung 2011 der Landeshauptstadt Stuttgart.

Jürgen Schwab, Vorsitzender der Geschäftsführung der Arbeitsagentur Stuttgart, sieht in gezielter Aus- und Weiterbildung sowie der Berufsorientierung die bestmögliche Integration von Migranten in den Arbeitsmarkt. „Die Betriebe in Stuttgart können es sich nicht leisten, berufliche Potenziale brach liegen zu lassen. Wir möchten nicht erst bei Arbeitslosigkeit helfen, sondern versuchen bereits durch eine verbesserte Qualifikation der Mitarbeiter in den Betrieben Arbeitslosigkeit zu vermeiden“, erklärte Schwab. Da der Anteil der Ungelernten bei den Migranten jedoch deutlich höher als bei Personen ohne Migrationshintergrund sei, bestehe bei ihnen auch eine größere Gefahr, immer wieder arbeitslos zu werden. (hs)

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