TV-Tipps des Tages

05.12.2011 – Zuwanderung, Leitkultur, Ägypten, Kosovo, Stasi, Aussiedler, Gladio

TV-Tipps des Tages sind: Eins zu eins - Gespräch aus Düsseldorf; alpha-Lógos:Leitkultur; Eiszeit in Ägyptens Frühling; Zwischen Kosovo und Gomaringen; Mielkes Menschenjäger; Kidnapper im Auftrag der Stasi; Mielkes Menschenjäger; Der Ernst des Lebens Junge Aussiedler auf Arbeitssuche; Betrifft: Gladio - Geheimarmeen in Europa

Von Montag, 05.12.2011, 8:18 Uhr|zuletzt aktualisiert: Freitag, 02.12.2011, 16:16 Uhr Lesedauer: 8 Minuten  |   Drucken

Eins zu eins – Gespräch aus Düsseldorf
Thema: Inder statt Kinder: Kommt der Schwenk in der Zuwanderungspolitik? Gast: Àrmin Laschet, CDU, ehem. Integrationsminister NRW Moderation: Jens Olesen. 09:20-09:45 • WDR

Anzeige

alpha-Lógos
„Leitkultur“ – ein Reizwort mit Sprengkraft. Der Begriff an sich ist unscharf und schwammig. Bei einer Tagung in Nürnberg verglichen Experten die deutschen Verhältnisse mit Frankreich und den USA.

___STEADY_PAYWALL___

Wissenschaftler wie der Münchner Philosoph Julian Nida-Rümelin und politische Akteure wie der ehemalige bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein oder der Nürnberger Oberbürgermeister Ulrich Maly setzten sich kritisch mit den Begriffen Multikulturalismus und Leitkultur auseinander. 13:00-13:45 • BR-alpha

Eiszeit in Ägyptens Frühling – Die unvollendete Revolution?
Reportage – Eine aktuelle WELTWEIT-Reportage von Golineh Atai. Demokratie ist gut – der Weg dorthin mit Minen gepflastert, so die traurige Erkenntnis der Revolutionäre vom Tahrir Platz in Kairo. Demonstranten, die vom Militär weggetragen werden, unter dem Jubel hunderter Anwohner. Ein Staatsfernsehen, das gegen christliche Ägypter Stimmung macht. Korrupte Funktionäre, die immer noch ihre Mitbürger quälen. Und wieder Notstandsgesetze, die willkürliche Verhaftungen erlauben. In Ägypten ist der Diktator weg – nicht aber die Diktatur. Die Touristen bleiben aus. Die Arbeitslosigkeit steigt. Die alten Grabenkämpfe lähmen das Land.

Die Parlamentswahlen, die Ende November beginnen, sind die letzte Hoffnung für die Freiheit. Die letzte Chance für die jungen Revolutionäre, die zum gewaltlosen Aufstand im Januar aufriefen und ein ganzes Volk mit ihrer Sehnsucht nach friedlichem Wandel ansteckten. WELTWEIT-Reporterin Golineh Atai heftet sich an die Fersen einiger Anhänger der ägyptischen Freiheitsbewegung in den Wochen vor den Wahlen. Wie finden sie den Weg von der Straße zur organisierten Partei? Wie können sie es schaffen, gegen die Manipulationen der Militärs und alten Machtzirkel anzukämpfen? Haben sie überhaupt eine Chance gegen die „Old Boys“ von der Staatspartei und den Muslimbrüdern?

WELTWEIT begleitet Ägyptens junge Wahlkämpfer auf Demonstrationen und Sit-Ins, zeigt sie bei hitzigen Debatten in Familie und Nachbarschaft, und bei ihrem Versuch, den Alltag zu überstehen im neuen, provisorischen Ägypten. 14:30-14:58 • WDR

Zwischen Kosovo und Gomaringen
Ein Dorf kämpft für drei Flüchtlingskinder. Seit zehn Jahren wohnte die Flüchtlingsfamilie Avdijaj schon in Deutschland, in Gomaringen. Die Eltern hatten Arbeit, die Kinder waren gut in der Schule, die älteste Tochter Elvira stand sogar kurz davor, Schulsprecherin zu werden.

Im ganzen Dorf war die Familie sehr beliebt. Dann, 2003, kam der Schock: Die Familie sollte in den Kosovo abgeschoben werden. In ein Land, das die Kinder kaum kannten. Auch die Gomaringer waren empört. Elviras Klassenlehrerin, Waltraud Klett, motivierte Schüler, Eltern und Lehrer zu Protestaktionen, an denen schließlich das ganze Dorf teilnahm. Aber die Abschiebung konnten sie nicht verhindern. Seitdem unterstützen Gomaringer Bürger die Familie Avdijaj im Kosovo mit Spenden. Und jeden Sommer laden sie die Kinder in ihre alte Heimat nach Deutschland ein.

Dank der langjährigen Hilfe konnten die Kinder im Kosovo auf weiterführende Schulen gehen und die beiden ältesten ihren Bachelor-Abschluss machen. Jetzt wollen sie mit einem Stipendium an einer deutschen Universität weiterstudieren. Im Sommer 2011 reisen sie durch Baden-Württemberg, stellen sich an verschiedenen Universitäten vor und führen Bewerbungsgespräche. Werden sie es schaffen, ihren weiteren Lebensweg in Deutschland fortzusetzen? 18:15-18:45 • SWR BW

Mielkes Menschenjäger
Dokumentation (Kultur – Zeitgeschichte allgemein) – Film von Christian Frey. Was nicht unter Kontrolle der Öffentlichkeit steht, wird per se als Gefahr wahrgenommen: Geheimgesellschaften gibt es fast so lange, wie es Gesellschaft gibt. Sie sind Projektionsflächen für irrationale Ängste und wecken zugleich größte Faszination. „Montage“ geht in „Streng geheim“ den geheimnisumwitterten Verbindungen nach und interpretiert das historische Phänomen neu – von Geheimbünden über geheime politische Organisationen bis zu Geheimdiensten der Gegenwart, in Fiktion und Realität. Regime-Kritiker, Journalisten, geflüchtete Angehörige der „bewaffneten Organe“, geflohene ehemalige Funktionäre: Bis zum Ende der DDR im Herbst 1989 operieren Kidnapper der Stasi im westlichen Ausland, mehr als 400 Menschen werden entführt. Das Ausmaß der Aktionen kommt erst nach dem Fall der Mauer ans Tageslicht. 21:20-22:00 • ZDFkultur

Der Ernst des Lebens
Junge Aussiedler auf Arbeitssuche. Niko, Alex und Valentina sind in der ehemaligen Sowjetunion geboren und aufgewachsen. In der Hoffnung auf eine bessere Zukunft für ihre Kinder entschieden sich ihre Eltern vor Jahren für einen Neubeginn in Deutschland.

Die drei Jugendlichen besuchen die Hauptschule. Während ihre Eltern rund um die Uhr um die tägliche Existenzsicherung ringen, stehen sie kurz vor ihrem Schulabschluss und damit vor der Frage, was sie mit ihrem Leben anfangen sollen. Der Dokumentarfilm „Der Ernst des Lebens – Junge Auswanderer auf Arbeitssuche“ begleitet die drei Jugendlichen über einen Zeitraum von anderthalb Jahren hinweg und erzählt von ihren Enttäuschungen, Konflikten und Erfolgen auf der Schwelle zum Erwachsenwerden.

Niko, Alex und Valentina haben in Deutschland Fuß gefasst, aber sie denken noch immer mit einer gewissen Wehmut an ihre Kindheit in Russland zurück. Das Leben dort ist einfacher, fordert den einzelnen weniger ab, so erscheint es vor allem Niko. Hier in Deutschland haben die Jugendlichen schon viele Schwierigkeiten gemeistert: Sie haben die deutsche Sprache gelernt, sich in vielerlei Hinsicht angepasst, aber wirklich angekommen fühlen sie sich nicht. Nun heißt es für sie, wichtige berufliche Entscheidungen zu treffen. Ihre Eltern können sie dabei nur wenig unterstützen. Sie wissen, dass ihre Entscheidungsmöglichkeiten begrenzt sind, weil es für Schüler mit einem Hauptschulabschluss kaum noch Arbeitsplätze gibt, und sie kennen die besonders heikle Situation für russische Aussiedler.

Während sich Valentina erst einmal für ein Freiwilliges Soziales Jahr in einer heilpädagogischen Anstalt mit geistig und psychisch Behinderten entscheidet, schreiben Niko und Alex ihre ersten Bewerbungen. Das Leben hält für die drei jungen Erwachsenen noch einige Überraschungen bereit. 23:30-00:30 • SWR BW, SWR RP, SWR SR

betrifft
Gladio – Geheimarmeen in Europa. Nach dem Krieg wird in Europa die streng geheime Organisation Gladio gegründet. Bei einem Angriff sollen ihre Agenten einen Guerillakrieg gegen die Angreifer aus dem Osten führen.

Jetzt gibt es Hinweise, dass Gladiostrukturen am Münchner Oktoberfestattentat von 1980 und an Anschlägen in Italien beteiligt waren.

Eine Serie von Bombenanschlägen erschüttert Italien von den 60er bis in die 80er Jahre. 1969 sterben z.B. in Mailand 16 Menschen bei einem Bombenanschlag. Im August 1980 detoniert eine versteckte Zeitbombe im Wartesaal des Bahnhof Central in Bologna. Dabei werden 85 Menschen getötet. Im September des gleichen Jahres gibt es auch in Deutschland Bombenopfer: Beim Münchner Oktoberfestattentat, dem schwerste Anschlag in der bundesdeutschen Nachkriegsgeschichte sterben 13 Menschen.

Im Laufe der Jahre häufen sich die Indizien, dass diese Anschläge in einem möglichen Zusammenhang stehen. Alle Täter kamen aus dem Umfeld rechtsradikaler Gruppen. Mehrfach wurde militärischer Sprengstoff benutzt. Die Spuren führen zu einer westeuropäischen geheimen Struktur, koordiniert von der NATO und den nationalen Geheimdiensten – ohne parlamentarische Kontrolle. Ihr Name: „Stay behind“, später auch „Gladio“. Was verbirgt sich hinter „Gladio“?

Im Juni 1948 hatte der amerikanische Präsident Truman ein Multi-Millionen-Programm des Nationalen Sicherheitsrates zur Finanzierung von „verdeckten Operationen“ gebilligt. Geheime Waffendepots wurden angelegt, Agenten angeworben und ausgebildet. Im Falle eines sowjetischen Angriffs auf Westeuropa sollten sie sich von den gegnerischen Truppen überrollen lassen und in deren Rücken Sabotageakte und Guerillaoperationen durchführen, so genannte „Stay-Behind-Operationen“. Ende der 50er Jahre war der Aufbau von Gladio abgeschlossen, doch der sowjetische Angriff blieb aus. Was aus den geheimen Strukturen wurde, ist weitgehend unbekannt.

Spuren von Gladio gibt es in Italien. Auch dort wurden solche geheime Strukturen aufgebaut und es gibt Anzeichen dafür, dass sie seit den 60er Jahren benutzt wurden, um mit Bomben, Attentaten und Morden die amtierende Regierung an der Macht zu halten. Trotz massiver Behinderung der italienischen Justiz durch Geheimdienste und Behörden, gelang es, die Existenz von Gladio nachzuweisen. 1990 räumte der damalige italienische Ministerpräsident Guilio Adreotti öffentlich ein, dass Gladio nicht nur in Italien, sondern in allen europäischen Ländern existierte.

Europaweit wurde jetzt umfassende Aufklärung gefordert – geschehen nichts. Auch nicht in der Bundesrepublik. Obwohl es Hinweise auf einen möglichen Zusammenhang zwischen Gladio und dem Attentat auf das Münchner Oktoberfest von 1980 gab. Im Oktober 1981 zum Beispiel führte der aktenkundige Rechtsextremist und mögliche Gladio-Agent Heinz Lembke die Polizei zu mehreren Waffendepots in der Lüneburger Heide. Dort lagerten automatischen Waffen, Munition, Sprengstoff, Handgranaten und chemischen Kampfstoffe – ein Gladiolager? Lembke hatte Kontakt zur rechtsterroristischen Wehrsportgruppe Hoffmann, zu der auch der Oktoberfestattentäter Gundolf Köhler gehörte. Möglich also, dass der Sprengstoff für den Münchner Anschlag von Lemke stammte. Doch diese Frage spielte bei den Ermittlungen der Bundesstaatsanwaltschaft keine Rolle. Die Ermittlungen wurden eingestellt. Eine nachträgliche Aufklärung ist wenig wahrscheinlich, denn die Asservate, die dank neuer, kriminaltechnischer Methoden Hinweise geben könnten, sind mittlerweile vernichtet – ein Skandal! Haben Rechtsextremisten Gladio-Strukturen auch in Deutschland benutzt, um ihre politischen Ziele zu verfolgen? Die Frage bleibt offen. Die Wahrheit über Gladio findet sich in den Archiven – unter Verschluss. Nur deren Öffnung könnte Klarheit bringen. Aber bis heute fehlt der politische Wille zur Aufklärung. 00:30-01:15 • SWR BW, SWR RP, SWR SR

Zurück zur Startseite
UNTERSTÜTZE MiGAZIN! (mehr Informationen)

Wir informieren täglich über Migration, Integration und Rassismus. Dafür wurde MiGAZIN mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet. Um diese Qualität beizubehalten und den steigenden Ansprüchen an die Themen gerecht zu werden bitten wir dich um Unterstützung: Werde jetzt Mitglied!

MiGGLIED WERDEN
MiGLETTER (mehr Informationen)

Bestelle jetzt den kostenlosen MiGAZIN-Newsletter:

Auch interessant
MiGDISKUTIEREN (Bitte die Netiquette beachten.)