Migranten in Berlin

Wo leben Migranten und woher stammen sie?

Migranten in Berlin - In welchen Bezirken leben die Menschen mit Migrationshintergrund und woher stammen sie? Seit zwei Jahren legt das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg Daten vor. Hier sind die Ergebnisse.

Von Margret Karsch Montag, 31.10.2011, 8:26 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 07.11.2011, 0:38 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |   Drucken

Seit zwei Jahren legt das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg Daten zum Migrationshintergrund der Bevölkerung in den Bezirken und Stadtteilen vor. Der aktuellen Statistik zufolge, die auf Zahlen aus dem Melderegister am 31.12.2010 basiert, haben 872.000 Berlinerinnen und Berliner einen Migrationshintergrund, sind also selbst eingewandert oder dies trifft für Mutter oder Vater zu.

Berlin befindet sich mit einem Migrantenanteil von 26 Prozent laut Mikrozensus 2008 im unteren Drittel der Großstädte. Frankfurt am Main etwa weist mit über 40 Prozent einen deutlich höheren Migrantenanteil auf, in Stuttgart leben rund 38 Prozent, in Köln 33 Prozent Migranten.

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Unter den Berliner Migranten stellen jene mit türkischem Migrationshintergrund die größte Gruppe: 20,2 Prozent, also rund 170.000 Menschen. Rund 90.000 Migranten haben einen polnischen und rund 60.000 einen arabischen Migrationshintergrund.
Fast die Hälfte der Bevölkerung mit Migrationshintergrund in Berlin hat die deutsche Staatsangehörigkeit (48 Prozent). Im Jahr 2007 waren es nur 44 Prozent. Der leichte Anstieg überdeckt allerdings erhebliche Unterschiede je nach Herkunftsland. Die Anteile derer, die den deutschen Pass in der Tasche tragen, sind vor allem bei denjenigen Gruppen hoch, bei denen einen Mehrstaatlichkeit erlaubt ist. Das ist etwa bei Menschen aus dem Libanon der Fall: 72 Prozent der libanesischen Migranten sind Deutsche. Bei den Iranern sind es 63 Prozent. Von insgesamt knapp 169.000 türkischstämmigen Berlinerinnen und Berlinern haben dagegen nur rund 63.000 einen deutschen Pass, also 40 Prozent. Und auch nur 35 Prozent der vietnamesischen Migranten sind Deutsche.

Info zur Grafik: Im westlichen Stadtgebiet Berlins lebt gemessen an der Gesamtbevölkerung ein höherer Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund – und auch eine höhere Zahl. Zwischen den zwölf Bezirken bestehen erhebliche Unterschiede, die Spanne erstreckt sich von einem Anteil von sieben bis zu 45 Prozent. Auf Kiezebene liegt die Motardstraße im Bezirk Spandau mit 71 Prozent vorne – hier befindet sich auch die Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerberinnen und -bewerber. Es folgen mit 69 und 67 Prozent die Planungsräume Askanischer Platz und Mehringplatz in Friedrichshain-Kreuzberg, Reinickendorfer Straße in Mitte mit 66 Prozent und Rollberg in Neukölln mit 65 Prozent.

Die Mauer ist noch sichtbar
Der Migrantenanteil ist im Bezirk Mitte mit 45 Prozent am höchsten, gefolgt von Neukölln mit rund 40 Prozent und Friedrichshain-Kreuzberg mit rund 38 Prozent. Eine Ebene tiefer, in vielen der sogenannten Planungsräume, hat sich das Verhältnis von Mehrheit zu Minderheit damit längst umgekehrt: So wohnen mit 69 Prozent anteilig die meisten Menschen mit Migrationshintergrund im Planungsraum Askanischer Platz, gefolgt vom Mehringplatz mit 67 Prozent. Über die Hälfte der Einwohner in diesen Kiezen ist türkischer Herkunft. Und 30 Prozent der Einwohner in Kreuzberg und Nord-Neukölln haben selbst oder über ihre Eltern Wurzeln in einem islamisch geprägten Land.

Migranten aus der ehemaligen Sowjetunion konzentrieren sich vor allem in den Planungsräumen Darbystraße (Spandau), Unter den Linden Süd (Mitte) und Helle Mitte (Marzahn-Hellersdorf) – hier erreichen sie einen Anteil von bis zu 34 Prozent an der Gesamtbevölkerung. Polnische Zuwanderer sammeln sich vor allem im Süden Berlins und hier überwiegend in der Thermometersiedlung, wo sie auf einen Bevölkerungsanteil von neun Prozent kommen, in Gropiusstadt Ost und in Marienfelde Süd. Wegen der engen Beziehungen zwischen der DDR und Vietnam leben Migranten aus diesem Land immer noch bevorzugt im Osten Berlins, wo es vergleichsweise wenige Menschen mit ausländischen Wurzeln gibt. Etwa im Planungsraum Bitterfelder Straße, wo sie fast ein Fünftel der Bevölkerung stellen.

Ein Blick auf die Altersverteilung zeigt, dass der Anteil der Migranten bei den Jüngeren in einigen Bezirken noch weitaus höher liegt: 43 Prozent der unter 15-jährigen Berlinerinnen und Berliner haben einen Migrationshintergrund. In Kreuzberg, Wedding und Nord-Neukölln liegt der Anteil sogar bei 70 Prozent und höher. Der hohe Anteil von Migranten, die zudem aus sehr unterschiedlichen Ländern und Kulturen stammen, stellt daher insbesondere die Schulen und einzelne Stadtgebiete vor große Herausforderungen.

Literatur / Links

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  1. MoBo sagt:

    Es würde mich freuen, wenn mit dem Begriff „Kiez“ etwas vorsichtiger umgegangen wird, da er in verschiedenen Dialekten verschiedene Bedeutungen hat – hier wurde hoffentlich nur die Berlin-Brandenburgische Variante und nicht die Norddeutsche (wie ich sie kenne) gemeint.

  2. Pingback: Berlin hat’s nicht leicht. Hier der optische Beleg. « BlogIG – Migrationsblog der InitiativGruppe