Törens liberale Kolumne

Deutschland ist kein Magnet

Nennen wir das Kind doch mal beim Namen. Deutschland ist kein Magnet für qualifizierte ausländische Arbeitnehmer und ihre Familien. Wir haben ein Imageproblem. Selbst für viele Deutsche mit Migrationshintergrund überwiegen vielfach die Gründe, das Land zu verlassen und ihr Glück im Ausland zu suchen.

Von Serkan Tören Freitag, 24.06.2011, 8:28 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 28.06.2011, 1:08 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |   Drucken

Dabei gibt es derzeit einen real existierenden Fachkräftemangel in vielen Branchen, etwa im Bereich der Informationstechnologie, Medizin oder auch der Pflege. Dieser Mangel wird sich auf Grund des demographischen Wandels noch weiter verschärfen. Das sind keine wagen Prophezeiungen, sondern klare Zahlen. Nach aktuellen Studien werde bis zum Jahr 2025 bis zu 6,5 Millionen Arbeitskräfte, darunter rund 2,4 Millionen Akademiker fehlen.

Selbstverständlich lässt sich das Problem nicht durch Zuwanderung allein lösen. Wir müssen mehr junge Menschen besser qualifizieren, wir müssen es schaffen, Frauen und Mütter besser in den Arbeitsmarkt zu integrieren und dort zu halten und wir müssen auch älteren Menschen die Möglichkeit geben, länger im Erwerbsleben zu verbleiben. Kurzum: wir müssen uns auch auf das inländische Potenzial konzentrieren.

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Dennoch bleibt die Zuwanderung eine wichtige Säule, wenn es darum geht, Deutschlands wirtschaftlichen und auch kulturellen Wohlstand zu sichern. Das Konzept zur Fachkräftesicherung der Bundesregierung geht mir da nicht weit genug. Als konkrete Maßnahme sieht es lediglich vor, die Vorrangprüfung für drei Branchen auszusetzen. Das ist löblich, ist aber leider nur Flickwerk.

Für uns Liberale ist klar: die Einkommensgrenze für Hochqualifizierte gehört abgesenkt. Über die bisher geltende Schwelle von 66.000 Euro sind beispielsweise 2009 nur 169 Fachkräfte nach Deutschland gekommen. Das ist alles andere, als ein massenhafter Zustrom.

Das deutsche Zuwanderungsgesetz enthält aber noch viel mehr bürokratische Hemmnisse, die auch anderen Fachkräften und ihren Familien den Weg nach Deutschland erschweren oder gar unmöglich machen. Deshalb wollen wir ein System, das endlich Zuwanderung nach dem aktuellen Bedarf auf dem Arbeitsmarkt und den Qualifikationen der Bewerber steuert. Und zwar nach klaren und nachvollziehbaren Kriterien für alle Betroffenen. Die Bundesregierung darf die Chancen für eine modernes und schlüssiges Gesamtkonzept zur Zuwanderungs-steuerung jetzt nicht verpassen. Das Fachkräftekonzept gehört schnellstmöglich überarbeitet.

Doch selbst wenn dieser Schritt geschafft sein wird, bleibt eine wesentliche Herausforderung. Und zwar das Werben für Deutschland als ein offenes und modernes Land. Es ist eine Illusion zu glauben, dass alle gut ausgebildeten Fachkräfte nur darauf warten, in Deutschland leben und arbeiten zu können. Der Begriff „Willkommenskultur“ darf kein leeres Schlagwort der Integrations- und Migrationsrhetorik bleiben, sondern muss von allen Kräften der Gesellschaft mit Leben gefüllt werden. Erst dann werden wir im Wettbewerb um Fachkräfte wirklich erfolgreich sein.

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  1. Krause sagt:

    Soweit ich mich entsinne war bei einer Befragung durch die englische BBC, Deutschland das beliebteste Land der Welt. So schlimm können wir nicht sein.

  2. Werner sagt:

    > Wir haben ein Imageproblem. Selbst für viele Deutsche mit
    > Migrationshintergrund überwiegen vielfach die Gründe, das Land zu
    > verlassen und ihr Glück im Ausland zu suchen.

    Ja, dann nennen wir es doch beim Namen. Deutschland hat den Krieg verloren. Es ist oft noch ein Land ohne Rückgrat. Gehirngewaschen, oft von Selbsthaß gezeichnet. Wir sind Teil des „Westens“, aber eben der eroberte Teil. Wir lernen gerade erst wieder den aufrechten Gang.

    Das ist unser Imageproblem. Dieses Imageproblem möchte ich aber nicht von einem Bundestagsabgeordneten unter die Nase gerieben bekommen, von jemandem also der unser Volk nach innen und auch außen repräsentiert.

    Übrigens macht es unser wenig ausgeprägter Nationalismus gerade für Immigraten oder Migranten leicht. Bei uns gibt es keinen Wilders, keinen Le Pen und wie sie alle heißen. Vielleicht spüren die Migranten aber auch, wie unnatürlich der deutsche Selbsthaß ist und diagnostizieren daher folgerichtig eine deutsche Seelenkrankheit zu der man Distanz halten sollte.

    Aber wie kommt ein Bundestagsabgeordneter dazu, uns unser Imageproblem vorzuhalten. So jemand gehört aus dem Bundestag rauszufliegen!!

    Und unsere „Migranten“, die angeblich das Land verlassen wollen: die meisten lassen sich ja nicht einmal dazu herab, die deutsche Staatsbürgerschaft zu beantragen. Sie scheinen mir reichlich verwöhnt! Sie sehe auch wenige Beispiele für erfolgreiche Re-Migranten.

  3. Werner sagt:

    Deutschland ist für Menschen und ihre Familien attraktiv, die in der Vergangenheit im Einflußbereich der deutschen Kultur waren. Also Belgien, Holland, Schweiz, etc. eben unsere Nachbarn. Frankreich schon weniger.
    Auch Osteuropäer kommen gerne nach Deutschland und lernen auch schnell die deutsche Sprache.

    Für eine französische Familie sind wir erst dann interessant, wenn es französisch-sprachige Schulen gibt. Ansonsten versuchen die Familien spätestens mit der Schulpflicht der Kinder zurückzukehren.

    Was für Frankreich gilt, gilt auch für andere Länder der sogenannten Frankophonie, wobei eine Familie aus Kamerun vielleicht sogar die deutsche Schule der Rückkehr nach Afrika vorzieht.

    Insgesamt ist die „westliche Welt“ aber anglophon – also spricht Englisch in der ein oder anderen Form. Und hier komme ich zu meinem konkreten Vorschlag: wenn wir mehr bilinguale Schulen anbieten können (Englisch/Deutsch), wenn mehr Hinweisschilder in Parkhäusern, etc. sowohl in deutscher als auch in englischer Sprache aufgestellt werden, wenn unsere Verwaltungen Deutsch und Englisch zulassen würden, dann würde das die Attraktivität Deutschlands aus Sicht vieler potentieller Zuwanderer erhöhen.

    Um es auf den Punkt zu bringen: Deutschland müßte werden wie ein großer Flughafen.

    Dann wäre da noch die Frage: wollen wir das ?