Leos Wochenrückblick

Sarrazin, Pierre Vogel, Sıla Şahin, die Wahren Finnen

In meinem Wochenrückblick geht es diesmal um Sarrazins neueste Täuschungen, Vogels Auftritt in Frankfurt, Sıla Şahin Rechtfertigung in BILD - und um Finnlands Muslime und Schweden

Von Leo Brux Dienstag, 26.04.2011, 8:22 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 27.04.2011, 1:44 Uhr Lesedauer: 5 Minuten  |   Drucken

Sarrazin macht, was er immer macht
– er täuscht.

Die SPD hat – aus Verzweiflung, nehme ich an – darauf verzichtet, sich ein monatelang hinziehendes Ausschlussverfahren gegen Sarrazin anzutun. Das Drittel der SPD-Anhänger, das mit Sarrazin geht, ist dadurch allerdings nicht versöhnt, das Drittel, das ihn verabscheut, ist darüber zurecht erbittert, die pragmatische Mitte dazwischen fragt sich wohl, womit sie dieses Fiasko verdient hat. Eine lose-lose-Situation. Sarrazin, der die SPD so, wie sie ist, verachtet, wird das nicht schmerzen.

Im Gegenteil, er spielt damit. Seine Erklärung an die Schiedskommission hat es in sich. Drei Punkte nennt er: Im ersten behauptet er, nicht gefordert zu haben, sozialdarwinistische Forderungen politisch umzusetzen; im dritten Punkt erklärt er, er habe nicht die Absicht gehabt, sozialdemokratische Grundsätze zu verletzen.

Wer sein Buch gelesen hat, wird den Kopf schütteln und sich fragen, ob er denn beim Lesen alles falsch verstanden hat. Bei Punkt zwei der Erklärung fragt man sich das nicht mehr – man fühlt sich in die Newspeak-Welt von Orwells 1984 versetzt:

2. Mir lag es fern, in meinem Buch Gruppen, insbesondere Migranten, zu diskriminieren. Vielmehr sollten meine Thesen auch der Integration von Migrantengruppen dienen, die bislang aufgrund ihrer Herkunft, sozialen Zusammensetzung und Religion nicht bereit oder in der Lage waren, sich stärker zu integrieren. Es entspricht nicht meiner Vorstellung, dass diese Gruppen bei eigenen Anstrengungen und einer ergänzenden Bildungspolitik etwa aus genetischen Gründen nicht integriert werden könnten. Mir ging es also darum, schwerwiegende Defizite der Migration, Integration und Fehlentwicklungen der Demografie in Deutschland anzusprechen, eine fördernde Integrationspolitik und Demografiepolitik zu entwickeln und dafür insbesondere die vorhandenen Defizite des Bildungssystems zu überwinden.
Quelle

Die Millionen, die Sarrazin zugejubelt hatten, die gemeint hatten, endlich sagt „es“ mal jemand von der politischen Elite, wie „es“ mit den Muslimen in Deutschland steht, und dass man denen den Riegel vorschieben muss … sie alle haben Sarrazin missverstanden? Hat nicht Sarrazin selbst bei jeder öffentlichen Debatte das ressentimentgesattelte Pferd geritten, sich tragen lassen von der massiven öffentlichen Zustimmung zu seinem Muslim-bashing? Welche Vorschläge zur besseren Integration (!) meint er denn gemacht zu haben?

In seinem Buch und bei seinen Auftritten hat er von überwiegender Integrationsunfähigkeit gesprochen, die Muslime würden dazu beitragen, dass Deutschland verdumme, Deutschland islamisiere sich demographisch; er hat ein sozialdarwinistisches (!) Programm vorgeschlagen, das unter den Migranten die viele Spreu vom wenigen Weizen trennen soll.

Schon in der FAZ zu Weihnachten 2010 hat Sarrazin vorgeführt, wie er mit der Wahrheit spielt: „Die von mir genannten Statistiken und Fakten hat keiner bestritten.“ Angesichts der tausendfachen Widerlegung einiger seiner irreführenden Statistiken und zweifelhaften Fakten braucht man hier nicht mehr verwundert den Kopf zu schütteln. „Ist es auch Irrsinn, so hat es doch Methode“, heißt es im Hamlet – welche Methode steckt hinter Sarrazins provokanten Lügen? Das Bewusstsein der „höheren Wahrheit“ erlaubt es ihm, offen zu täuschen.

Keiner der Sarrazin-Fans wird die Stirn runzeln wegen der Erklärung vor der Schiedskommission. Sie werden grinsen und mit den Augen zwinkern. Sarrazins Publikum versteht schon richtig …

Pierre Vogel und die „Islamkritiker“
Gilt bei uns gleiches Recht für alle?

Die Auflagen des Gerichts an die Frankfurter Salafisten-Veranstaltung sind berechtigt:

Die als Hassprediger kritisierten Redner dürfen nach den Auflagen der Gerichte „nur solche Reden, Sprechchöre und Transparente zulassen, die den öffentlichen Frieden wahren“, heißt es in der Mitteilung des Verwaltungsgerichts.
„Die Aufstachelung zum Hass gegen Bevölkerungsgruppen oder zu Gewalt oder Willkürmaßnahmen wird untersagt.“
Und: „Die Menschenwürde anderer darf nicht dadurch verletzt werden, dass Teile der Bevölkerung beschimpft, böswillig verächtlich gemacht oder verleumdet werden.“
Quelle

Gelten solche Auflagen auch für „Islamkritiker“, wenn sie auf öffentlichem Grund eine Veranstaltung abhalten? Was würde das konkret bedeuten? Inwieweit müssten sie sich in ihren Attacken auf Islam und Muslime mäßigen?

BILD, Sex und Migranten
Sıla Şahin hat sich für den Playboy ausgezogen – BILD meinte, daran die bescheuerte Frage knüpfen zu müssen, ob denn Türken sowas dürfen …

Natürlich dürfen sie, nicht nur in Deutschland, auch in der Türkei dürfen sie. Interessant ist etwas anderes. Sıla Şahin rechtfertigt im BILD-Interview nämlich ihren Striptease als Befreiung aus dem kulturellen Mief der türkischen Tradition:

„Für mich sind diese Fotos eine Befreiung von den kulturellen Zwängen meiner Kindheit. Zu lange wollte ich es immer allen recht machen. Ich will mit diesen Fotos jungen Türkinnen zeigen, dass es okay ist, wenn man so lebt, wie man ist. Dass es nicht billig ist, wenn man Haut zeigt. Dass man seine Ziele verfolgt, anstatt sich unterzuordnen.“

Die ZEIT kommentiert dies kritisch:

Eine Migrantin bedient hier aktiv Klischees, um sie zu ihrem vermeintlichen Vorteil zu nutzen.
Die gesellschaftlichen Diskussionen über Migration, Islam und den Stellenwert der Frau in der Einwanderer-Community werden zur Kulisse einer PR-Strategie in eigener Sache.
Kein Hahn mit oder ohne türkischen Migrationshintergrund würde danach krähen, dass sich eine Schauspielerin auszieht.
Es sei denn, sie konstruiert daraus einen Konflikt – in diesem Fall ohne Halt zu machen vor der Privatsphäre ihrer Familie.

Gibt es in Finnland Muslime?
Rechtspopulisten waren nun auch in Finnland erfolgreich. Ihre Partei, die „Wahren Finnen“, so schreibt die Süddeutsche,

ist Sammelbecken für Nationalisten, Islamfeinde, Sozialromantiker. Die Mischung ist instabil; es kann gut sein, dass die Partei bald zerfällt und die finnischen Populisten wieder verschwinden.

Hoffentlich.
Islamfeindschaft soll tatsächlich ein Grund gewesen sein für den Wahlerfolg. – Gibt es in Finnland überhaupt Muslime? – Es sind ca. 20 000. Davon 15 000 Immigranten. Bei 5,3 Millionen Einwohnern. Macht keine 0,4 Prozent.
Es muss an den Muslimen liegen …

In Finnland gibt es eine finnlandschwedische Minderheitheit von ca. 5 Prozent. Manfred Bleskin kommentiert die „schwedisch-kritische“ Position der „Wahren Finnen“ bei n-tv:

Das Schwedische, in der Verfassung als zweite Amtssprache festgeschrieben, soll nicht mehr Pflichtfach sein. Das zeugt nicht nur von grobem Nationalismus gegen die Finnlandschweden mit ihrem knapp sechsprozentigen Anteil an der Gesamtbevölkerung, sondern auch von ziemlicher Dummheit: Das zur finno-ugrischen Sprachfamilie gehörige Finnisch wird außerhalb des Landes nicht verstanden. Das Schwedische hingegen ermöglicht eine problemlose Kommunikation mit allen anderen skandinavischen Ländern. Apropos: Den Löwenanteil am Zuwachs der „‚Wahren‘ Finnen“ geht auf das Konto wenig gebildeter, junger männlicher Wähler auf dem Lande.

Was sagt eigentlich die rechtspopulistische Partei in Schweden (die „Schwedendemokraten“) über die antischwedischen Forderungen der rechtspopulistischen Partei in Finnland („Die Wahren Finnen“)?

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  1. schneider sagt:

    Ach, Herr Brux, sehen Sie, wo wären wir heute, wenn wir (oder besser gesagt die freie Welt) gesagt hätten, es gibt nicht DEN Nationalsozialismus. Oder sagen Sie auch „Bitte vorsichtig, man darf nicht pauschal urteilen über Neonazis, es gibt nicht DEN Neo-Nazi, jeder ist unterschiedlich!“. Nein, das tun Sie nicht, denke ich.

    Manchmal muss man pauschalisieren, um eine Gruppe als Gruppe in Summa zu begreifen. Die Menschen hier haben Angst vor DEM Islam, der wohl eine Summe von dem darstellt, was all die unterschiedlichen Varianten des Islams auch immer sein mögen. Sicherlich kommt da der friedlich gelebte, häusliche Islam besser weg, als der Islam der Salafisten, die permenant in der Öffentlichkeit hausieren gehen. Aber was sehen wir denn?

    Die Leute haben es satt, über DEN Islam überhaupt nachzudenken, es interessiert im Grunde genommen hier niemand. Wir wollen auch nicht jeden Tag über Scientology oder irgendwelche anderen Sekten und Gemeinschaften hören. Es gibt hier schon eine Religion, das reicht, die eine Menge Schintluder getrieben hat und immer noch treibt, das reicht.

    Sie aber sind ein Relativierer, stellen sich bewusst auf die Seite des Islams (weil ihre Frau Muslima ist, wie ich denke) und hetzten gegen die anderen, die nicht voller Hingabe im geistigen Orient schwelgen und sich eine bunte, bunte Welt voll vieler Kulturen vorstellen können (weil diese vermutlich nicht existieren könnte).
    Vermutlich sind Sie ein Konvertit, das würde ihre Inbrunst erklären. Sie sind der Hetzer, der es eigentlich gut meint, aber am Abend feststellen wird, dass er falsch gelegen hat.

    Sie sagten neulich, Sie kritisieren selbst den Islam, sind also selbst Islamkritiker. Wo auf Ihrem Blog oder sonstwo finde ich einen islamkritischen Artikel, wären Sie so freundlich, diesen bitte hier zu verlinken? Danke!

    • Leo Brux sagt:

      schneider,
      die Nazis hatten EINEN FÜHRER. Der hat die EINE Ideologie vorgegeben und dafür gesorgt, dass SEIN Wille Politik und Gesetz wurde. Wo sehen Sie das im Islam? Ich sehe da tausend verschiedene Varianten – tausend verschiedene Weisen, den Koran zu interpretieren – und KEINEN Papst und KEINE einheitliche Autorität und KEINE einheitliche Lehre.

      Und ich sehe, dass es im Islam eine Strömung gibt, die der Salafisten, die meinen, es gebe diesen EINEN Islam doch — und ich sehe, dass SIE, schneider, in Salafistenmanier argumentieren und salafistische Propaganda treiben.

      Wenn Sie es satt haben, über den Islam oder über Muslime nachzudenken, dann lassen Sie es doch einfach. Lehnen Sie sich zurück und lassen Sie die Muslime Muslime sein. Aber das können Sie nicht, schneider, und das wollen Sie auch nicht, weil Ihnen dann ein Hassobjekt fehlen würde.

      Meine Exfrau ist alevitischer Herkunft und grundsätzlich areligiös.
      Letzteres im Gegensatz zu mir.
      Sie war aber so oft so heftiger Türkenfeindlichkeit in Deutschland ausgesetzt, dass es auch jetzt, wo es gegen die gläubigen Muslime geht, klar für sie ist: Das ist mal nur wieder eine neue Variante der Türkenfeindlichkeit, unter der sie schwer zu leiden hatte. Auch wenn sie jetzt natürlich als ganz und gar ungläubige und gleichzeitig relativ reiche, beruflich erfolgreiche Frau mit perfekten Deutschkenntnissen fein raus wäre.

      Ich selber bin übrigens Katholik und zahle brav meine Kirchensteuer.

      Was Sie sind, schneider, wird auch deutlich genug: Generell ein Feind von Religion. Das lassen Sie jetzt erst einmal an den Muslimen aus. Es geht Ihnen aber wohl generell um den Kampf gegen Religion. Das dürfen Sie natürlich – privat. Aber wenn Sie es zu Politik machen wollen, wenn Sie es in Gesetze und Verordnungen fassen wollen, kriegen Sie es mit unserem Grundgesetz zu tun. Dann wären SIE, schneider, der Verfassungsfeind.

  2. Miro sagt:

    @ Leo Brux

    Der Koran ist im Gegensatz zu anderen „heiligen“ Büchern, nicht sonderlich blumig, indirekt oder kompliziert formuliert. Es handelt sich meist um klare, kurze Ansagen und Befehle. Und viele Verse lassen sich, selbst bei postivsten Interpretationsabsichten, nicht in ein gutes Licht rücken. Die einzige Möglichkeit damit umzugehen ist sich davon zu distanzieren, sie zurückzuweisen. Wenn „moderate“ Muslime das nicht tun, und die große Mehrheit tut das nicht, dann haben wir ein Problem. Alles was von ihnen kommt ist, Islam, Koran, Sunna sind perfekt und die Wahrheit, so haben sie es eingetrichtert bekommen und wer dieses „perfekt“ in Frage stellt, gilt quasi als Ungläubiger. Denn Koranverse zu kritsieren, oder sich davon zu distanzieren heißt aus muslimischer Sicht Gott zu kritiseren.
    Man findet mit Leichtigkeit katholische oder evangelische Geistliche die offen und kritikfähig über so manche abzulehnende christlichen Schriften sprechen. Zeigen sie mir Imame die offen das gleiche mit Islam tun würden. Ich will Ehrlichkeit. Jeder Moslemvertreter der sagt, Ehrenmorde haben nichts mit dem Islam zu tun, der lügt. Jeder Moselmvertreter der sagt, ja im Koran begeht ein wichtiger Moslem einen Ehrenmord, aber das darf und kann für uns heute keine Grundlage mehr sein und wir lehnen es daher ab, der spricht die Wahrheit und dem könnte man vertrauen. Solchen Leute würde ich abnehmen das sie Islam tatsächlich weiterentwicken wollen und damit deutschlandfähig machen wollen, aber solange es diese Leute nicht gibt, haben wir ein Problem. Mit Beschönigungen, Verharmlosungen und dreisten Lügen kommen wir nicht weiter.

    • Leo Brux sagt:

      Miro,
      Sie Koranexperte,
      wie kommt es nur, dass es in Deutschland kaum Muslime gibt, die den Koran SO lesen wie Sie?
      Könnte es an IHNEN liegen? Oder machen die meisten Muslime in Deutschland einen schweren Fehler, dass sie den Koran nicht so lesen wie Sie?

      Schauen Sie sich an, was die Muslime in Deutschland aus ihrem Koran machen, schauen Sie sich an, wie sie leben — es mag uns das eine oder andere nicht sympathisch sein, aber wo zum Teufel verbirgt sich die Gefahr?

      Wenn fast alle Muslime in Deutschland den Ehrenmord entschieden ablehnen und für unislamisch halten – wie kommen SIE, Miro, dazu, den Ehrenmord für islamisch zu halten?

      Außerdem, hat es den Ehrenmord nicht auch in der katholischen Welt des Mittelmeers gegeben? Tausendfach? War also der Ehrenmord etwa katholisch?

      Welcher Imam in Deutschland verteidigt den Ehrenmord? Nennen Sie mir mal einen? Ich nehme an, eine Handvoll unter den ca. 2000 Imamen wird sich da schon finden lassen. Aber was sind 5 bei 2000? – Ja, ich weiß, für SIE, Miro, sind diese 5 Extremisten die Wahren Muslime. Womit wir wieder beim Kern der Sache sind: SIE SIND SELBER EINE ART SALAFIST, Miro. Ein Herz und eine Seele mit den schlimmsten Extremisten unter den Muslimen.

      Es gibt unter den „Islamkritikern“ verschiedene Intensitäten. Die meisten unter ihnen neigen aber zur Hetze. Die Gemeinsamkeiten unter den „Islamkritikern“ sind größer als die Gemeinsamkeiten unter den Muslimen. Der gemeinsame Hass eint hier auch Menschen, die vielleicht sonst recht verschieden sind.

  3. Bassa Selim sagt:

    Ich bin paranoid, weil ich mir Sorgen mache ? Weil ich möchte, dass ich und v.a. meine Nachkommen, später wirds erst „spannend“, von göttlichem Recht verschont werden ? Haben Sie Kinder, Herr Brux ?

    Und was meinen Sie bitte mit ein paar Anpassungen in bestimmten Institutionen ?
    Herr Brux, wir erleben weltweit einen sukzessiven Siegeszug der Scharia. Es werden Andersgläubige, Kuffar genannt, verfolgt und ermordet, von Ägypten, über den irak, Iran, Afghanistan, Pakistan bis Indonsien.

    Nichts mit Anpassungen, Herr Brux. Wehret den Anfängen, das meine ich bitterernst. Auch im Namen der Moslems, die hier mit uns leben, die DESHALB hier leben, weil sie vor der Scharia, vor göttlichem recht, göttlicher Diskriminierung geflohen sind.

    • Leo Brux sagt:

      Bassa Selim,

      beschreiben Sie mir doch mal, wie das geschehen soll: der sukzessive Siegeszug der Scharia in Deutschland. Wie erobern die salafistischen Muslime erst einmal ihre eigene islamische Community, die der Tendenz nach ja eher Jahr für Jahr sich mehr der deutschen Umwelt anpasst, und wie erobern sie dann Polizei, Militär, Justiz, die Parlamente und Verwaltungen?

      Wir erleben auch weltweit eher das Gegenteil eines sukzessiven Siegeszugs der Scharia, so wie Sie sich das vorstellen. Nach einer jahrzehntelangen Radikalisierungsphase bewegt sich die islamische Welt in den letzten Jahren eher hin zu mehr Pragmatismus und Mäßigung.

      Sie sollten außerdem nicht vergessen, dass in Deutschland für staatliches Handeln das Grundgesetz gilt – also die Religionsfreiheit und das Gebot, alle Religionen als gleichwertig zu behandeln.

  4. Miro sagt:

    Nachtrag:
    Herr Brux gibt es eigentlich DIE Islamkritiker?

  5. Miro sagt:

    @Leo Brux
    „Wenn fast alle Muslime in Deutschland den Ehrenmord entschieden ablehnen und für unislamisch halten – wie kommen SIE, Miro, dazu, den Ehrenmord für islamisch zu halten.“

    Weil er im Koran zu finden ist und weil viele Mädchen in Deutschland und weltweit Opfer von Ehremorden wurden und noch viel mehr unter der latenten Bedrohung vielleicht auch einmal Opfer eines solchen zu werden, leiden.

    „Welcher Imam in Deutschland verteidigt den Ehrenmord?“
    Sie wollen es einfach nicht verstehen oder? Sie scheinen nicht den Unterschied zu begreifen zwischen einem Imam der Ehremorde ablehnt weil diese angeblich nichts mit dem Islam zu tun haben und einem Imam der Ehremorde ablehnt, obwohl einer der wichtigsten Moslems im Koran einen solchen Ehrenmord begangen hat. Sind sie tatsächlich nicht fähig dieses fundamentalen Unterschied zu verstehen?

    Zum Schluß nochmal meine Frage. Gibt es aus ihrerer Sicht DIE Islamkrtiker?

    • Leo Brux sagt:

      Miro,
      die letzte Frage habe ich bereits beantwortet. Lesen Sie sie einfach nochmal durch und denken Sie darüber nach.
      (Noch ein kleiner Hinweis: Da ich selber Islamkritiker bin, generell ein religiöser Religionskritiker, lege ich Wert darauf zu betonen, dass es ganz unterschiedliche Islamkritiker gibt. Was zum Beispiel habe ich als Islamkritiker mit einem islamfeindlichen Hetzer wie Sie zu tun? Aber ein Salafist könnte mich leicht in die selbe Schublade stecken, nicht wahr? Sein Gehirn funktioniert so wie das Ihre – es macht keine Unterschiede, wenn es um Feinde geht.)

      Zweitens: Wenn im Koran ein Ehrenmord beschrieben wird, heißt das nicht, dass ein Ehrenmord heute unter religiösen Gesichtspunkten zu rechtfertigen ist. Dass er nicht zu rechtfertigen ist, zeigt sich auch dadurch, dass praktisch alle Imame in Deutschland einen solchen Ehrenmord für unislamisch halten und ablehnen. Es ist schlicht Hetze, an diesem Faktum vorbei den Muslimen etwas zu unterstellen, was sie ausdrücklich ablehnen.

  6. Mika sagt:

    @Miro
    „Man findet mit Leichtigkeit katholische oder evangelische Geistliche die offen und kritikfähig über so manche abzulehnende christlichen Schriften sprechen“
    Nennen Sie mir doch bitte einen Geistlichen? Den Bischof Mixa etwa?
    Sehen Sie? Ich kann mir auch immer ein extremes Beispiel rauspicken und dann eine Generalisierung vornehmen! Sie tun hier nichts anderes.

    „Jeder Moslemvertreter der sagt, Ehrenmorde haben nichts mit dem Islam zu tun, der lügt. Jeder Moselmvertreter der sagt, ja im Koran begeht ein wichtiger Moslem einen Ehrenmord“
    Beweisen Sie mir das Gegenteil! Ach ja, geht ja nicht, denn da gibt es nichts islamisches an einem Ehrenmord! Und zählen Ihrer Meinung nach Eifersuchtsdramen auch zu Ehrenmorden aus moslemischer Sicht? Dann hätten wir fast täglich einen Ehrenmord in deutschen Wohnzimmern!!!! Oder betitelt man das einfach nur anders?

    @Bassa
    Sie wollen mir ehrlich weismachen, dass vier Millionen Muslime im Gegensatz zu 78 Millionen Christen, Atheisten etc. eine Bedrohung für Deutschland darstellen? Inwiefern bitte? In dem sie dafür sorgen, dass die übrigen 78 Millionen zum Islam konvertieren? Oder warum machen Sie sich Sorgen um Ihre Nachkommen?

  7. keton sagt:

    @ NDM
    „Es gibt klare getzliche Vorgaben, aufgrund derer einige Bestandteile der Scharia schlicht wirkungslos/ungültig/nicht anwendbar sind, und somit periphär. Dazu gehören unter anderem sämtliche Formen der Körperstrafe, aber auch die Einschränkung individueller Entfaltungsfreiheit und andere Formen der Erniedrigung. Ob für Mann oder Frau, das ist einerlei.“

    Da bin ich aber erleichtert, daß es in Zukunft keine muslimischen Frauen mehr gibt, die getötet werden weil sie von ihrer individuellen Entfaltungsfreiheit Gebrauch gemacht haben.

  8. Europa sagt:

    Von Miro:
    „Herr Brux gibt es eigentlich DIE Islamkritiker?“

    Antwort von Herr Brux:
    „Es gibt unter den “Islamkritikern” verschiedene Intensitäten. Die meisten unter ihnen neigen aber zur Hetze. Die Gemeinsamkeiten unter den “Islamkritikern” sind größer als die Gemeinsamkeiten unter den Muslimen. Der gemeinsame Hass eint hier auch Menschen, die vielleicht sonst recht verschieden sind.“

    Oh ja Herr Brux! Wie soll man sie denn jetzt noch ernst nehmen können? Ich könnte doch das gleiche jetzt auch über Muslime schreiben. Sie merken gar nicht, dass Sie persönlich kein Deut besser sind, als diejenigen die Sie hier regelmässig, als Hetzer beschimpfen wollen. Die Tatsache, dass Sie überhaupt auf Beschimpfungen ausweichen, ist in unserer Kultur ein Beweis von Schwäche, aber Sie fühlen sich ja eh keiner Kultur zugehörig.

    Der einzige Unterschied zwischen Ihnen und den ganzen „Islamhetzer“ ist doch eigentlich nur dass Sie eine Minderheit verteten und die „Islamhetzer“ eine Mehrheit, oder?

    • Leo Brux sagt:

      Europa,
      meine Antwort auf die Islamkritikerfrage entnehmen Sie meiner Replik auf Miro.

      Was Sie da mal wieder über Muslime schreiben, entspringt Ihrer überhitzten Phantasie? Sie stellen sich die Muslime in Deutschland als Hassmenschen vor – als das, was Sie selber sind?

      Die Logik Ihres Arguments ist: Es gibt also Hetzer, Leute wie Sie es sind, sind tatsächlich Hetzer, nur – ich, Leo Brux, bin eben auch ein Hetzer. Womit Sie immerhin zugegeben haben, dass Sie sich zu den Hetzern zählen. Ob ich dazu gehöre, ist eine andere Frage …

      Dass ich auf Beschimpfungen hin ausweiche, sei eine Schwäche? – Sie meinen, es sei eine Stärke, zurückzuschimpfen?

      Zur deutschen Kultur gehören wir beide, Europa, so unterschiedlich wir sind. Falls Sie meinen, dafür einen Maßstab zu haben, der mich rausschmeißt, bittesehr. Die Frage ist, zu welchen Deutschen wir gehören. Zu meinen Maßstäben gehört es, auf Goethe zu setzen – auf Inklusion, und nicht auf Hitler – auf Exklusion.

      Aus meiner deutschen Sicht gehören die Muslime, gehört der Islam zu Deutschland. Unser Bundespräsident hat das bestätigt. Schäuble hat es schon davor deutlich gesagt. Und die Bundesbürger wählen zu 90-95 Prozent Parteien, die davon ausgehen, dass es so ist. Die Hetzer gegen den Islam haben insofern keine Mehrheit.

      (Politische Mehrheiten werden bei uns gemäß Verfassung immer noch durch reguläre Wahlen festgestellt, und nicht durch Umfragen zu Einzelmeinungen. Als Revolutionär würden Sie das gerne ändern, ich weiß. Da haben aber die Konservativen etwas dagegen. Wieso kriegen Sie es nicht zustande, eine eigene Partei aufzumachen, um Ihre politische Meinung mal zu organisieren? Bloß virtuell daherquatschen ist billig.)

  9. Europa sagt:

    @Leo Brux
    Hier noch ein interessanter Artikel für Sie Herr Brux, das nimmt ihnen vllt ein bisschen den Wind aus den Segeln:

    http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,759463,00.html

    Muss sich schon sehr besch***en anfühlen, wenn eine rechtspopulistische Partei die Wahlen gewinnt und sich dann anschliessend herausstellt, dass diese Rechtspopulisten auch noch recht hatten mit dem was sie gesagt haben. Vielleicht sollten Sie ihre Position nochmal überdenken.

    • Leo Brux sagt:

      Europa,
      da haben sich die Xenophoben eine spezielle Gruppe von Migranten rausgepickt und natürlich herausgefunden, was ich und jeder andere auch so weiß: dass sie unter den gegebenen Umständen mehr kosten, als sie steuerlich und per Arbeitsleistung einbringen. Wer hätte denn vorher geglaubt, dass die Flüchtlinge, die wir aufnehmen, oder die paar Türken, die noch über Familiennachzug zu uns kommen können, ein Plus in der Rechnung bedeuten?

      Wir haben aber 1. ein von der Verfassung her und durch die Genfer Verträge verpflichtendes Flüchtlingsrecht – auch wenn die ein paar Kosten verursachen. Wir gewähren 2. ein Recht auf Familiennachzug, das nicht aufzuheben ist, ohne dass wir mit der Verfassung und internationalen Verträgen in Konflikt geraten. Insgesamt sind diese Kosten bescheiden. Sie könnten langfristig dadurch verringert werden (oder sogar in einen Gewinn verwandelt werden), wenn wir in diese Zuwanderer richtig investieren würden …

      Die Debatte geht heute um die Anwerbung von Fachkräften. Unsere Wirtschaft ruft danach und rechnet uns vor, dass es für unseren wirtschaftlichen Erfolg nötig ist. Ist Ihnen da die ökonomische Seite auch wichtig?

  10. Miro sagt:

    @Mika

    Koran Sure 18 Vers 65-82, Kurzfassung:
    „Dann fanden sie einen Unserer Diener, dem Wir Unsere BARMHERZIGKEIT verliehen und den Wir Unser Wissen gelehrt hatten.“
    „Moses sprach zu ihm: „Darf ich dir folgen, auf daß du mich belehrest über den rechten Weg, wie du ihn gelehrt worden bist?““

    „Da machten sich die beiden auf den Weg. Als sie schließlich das Schiff bestiegen, machte er darin ein Loch. Moses sagte: „Wie konntest du ein Loch darin machen, um seine Besitzer ertrinken zu lassen? Da hast du etwas Schreckliches begangen.““
    ….
    „Da machten sich die beiden (wieder) auf den Weg. Als sie schließlich zu einem Burschen kamen, BRACHTE ER DIESEN UM. Moses sagte: „Wie konntest du einen unschuldigen Menschen umbringen, ohne (damit) für einen (anderen Blutrache zu nehmen)? Da hast du etwas Gräßliches begangen.““

    „Er sagte: „“Jetzt müssen wir beide uns trennen. Ich werde dir (aber) die Deutung dessen mitteilen, was du nicht durchzuhalten vermocht hast.“
    „Was das Schiff angeht, so gehörte es armen Leuten, die (damit) auf dem Meer ihrem Erwerb nachgingen. Ich wollte es nun schadhaft machen. Ein König drohte nämlich, über sie zu kommen, der jedes Schiff mit Gewalt (an sich) nahm.“
    „Und was den Burschen anbelangt, so waren seine Eltern Gläubige, und wir FÜRCHTETEN, er KÖNNTE Schmach durch Widersetzlichkeit und Unglauben über sie bringen. “
    „Da wollten wir, daß ihr Herr ihnen ein Kind zum Tausch gebe, das frömmer und anhänglicher wäre.“

    Mika warum werden diese, heutzutage vorallem Mädels, aber auch Jungs wenn sie z.B. offen schwul sind, getötet? Sie haben islamische Regeln gebrochen. Bei Mädels z.B. wenn sie einen Freund haben, oder Sex vor der Ehe haben, selbstbestimmt und frei von der Bevormundung durch die Eltern leben wollen und vieles mehr. Ihr Verhalten ist letztlich unislamisch und widersetztlich, so wie es im Koran steht und weil das angeblich Schmach über die Familie bringt, oder wie man es auch sagen könnte, die Ehre beschmutzt, wird zu dem Mittel gegriffen, zu dem einer der wichtigsten Moslems im Koran gegriffen hat.
    Wenn man jetzt noch bedenkt, das der Koran eine solche Tat als genauso gut darstellt wie arme Fischer davor zu bewahren ihr Boot zu verlieren, dann dämmert es einen warum diese Mörder und deren Familien teilweise so ein uneinsichtiges und abwegiges Verhalten an den Tag. In ihrer Logik haben sie ja nichts schlechtes getan. Wenn man bei youtube eingibt: „spiegel-tv ehremord“ hat man ein beeindruckendes Beispiel dafür.
    R.I.P. Morsal.

    • Leo Brux sagt:

      Miro,
      wie verhält sich das bei Muslimen in Deutschland?
      Wie verhält es sich in islamischen Ländern – Land für Land?
      Wie war das früher bei uns? Hat es da eine Entwicklung gegeben? Eine Liberalisierung? Worauf ist die zurückzuführen? Kann es sein, dass es sich hier nicht um ein islamisches (religiöses), sondern um ein kulturelles Phänomen handelt, das durch Kulturwandel gelöst wird (bzw. gelöst werden wird)? Warum islamisieren Sie ein Problem, das es auch in christlichen und anderen Kulturen gegeben hat und noch gibt?

      Wir könnten uns natürlich auch mal das Verhalten von Deutschen von heute vornehmen. Wie gehen die mit ihren Alten um? Haben Sie sich mal ein Altenheim angeschaut?
      Oder schauen wir uns die Islamfeinde an. Wie sie eifrig auf ein Pogrom gegen unschuldige Menschen hinarbeiten.

      Nehmen wir das Dritte Reich. Ist ja wohl Teil von unserer Geschichte. Was lässt sich aus den Vorgängen des Dritten Reiches über uns Deutsche schließen? Nicht viel Gutes, möchte ich meinen, und jetzt feiert ja wieder die Ausgrenzung einer Minderheit fröhliche Urständ. – Wenn man will, kann man uns Deutsche fürchterlich in die Pfanne hauen. Man braucht nur einen entsprechend bösen Blick auf uns zu richten, man braucht nur alles negativ zu drehen.

      Zum Beispiel: Warum bringen deutsche Männer ständig Kinder um? Haben Sie die Fälle der letzten Zeit alle in den Medien verfolgt? Was ist los mit den deutschen Männern? Muss man die denn alle einsperren, um unsere Kinder vor ihnen zu schützen?

      Bescheuert, sagen Sie zu so einer Argumentation. Richtig. Es ist bescheuert. Aber mit dieser Art von Negativismus agieren Sie gegen die Muslime.

      Dabei könnten Sie die Sache auch positiv herum sehen: Die Muslime sind gut auf dem Weg, sich als gläubige Muslime in Deutschland zu integrieren. Auf diesem Weg wird der Islam Deutsch – im guten Sinne. Er passt sich immer mehr kulturell ein. Wie genau das passiert, mit welchen Änderungen, das können wir getrost und vertrauensvoll den Muslimen selbst überlassen. Es braucht nur ein bisschen Zeit. Was sind in solchen Entwicklungen schon zwei oder drei Generationen? Eine Sekunde in der Geschichte der Gesellschaft.