Integration im 16:9 Format

Die Macht des T-Shirts

Marlon Brando verhalf dem T-Shirt zu einer unlänglichen Popularität. In seinem Film „Endstation Sehnsüchte“ setzte Brando mit dem T-Shirt nicht nur ein Fashion Statement, sondern vor allem ein politisches. Das T-Shirt wurde zu einer Art Symbol der Rebellion gegen den Status quo.

Von Donnerstag, 13.01.2011, 8:26 Uhr|zuletzt aktualisiert: Sonntag, 16.01.2011, 23:50 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |   Drucken

Die Vermittlung von Botschaften über ein T-Shirt, egal welcher Art, in unserer Gesellschaft ist längst zur Normalität geworden. Der Leadsänger der Rockband Guns N Roses Axl Rose löste damals einen Skandal aus, als er bei einem Konzert mit einem T-Shirt auftrat, mit der Aufschrift „Kill your idols“ verziert mit dem Gesicht von Jesus. Mein Nachbar etwa, der äußere Ähnlichkeiten aufweist wie Jesus ist auch so einer. Wenn wir uns zufällig im Treppenflur begegnen, dann begrüßt er mich immer ohne Worte, sondern hebt einfach seine Hand, als würde er mich segnen wollen. Ich habe dann immer das Bedürfnis ihm zu antworten mit „Und mit deinem Geiste!“ Einmal trug er ein T-Shirt. Auf der Vorderseite war der Schriftzug zu sehen „Jesus kommt“ und auf der Rückseite stand „Jesus geht“. Wenn es irgendwann heißt, dass Gott auferstanden sei, dann weiß ich wo er lebt.

In meinem Fitnessstudio in Friedrichshain gibt es einen etwas älteren Herrn, der Besitzer mehrerer T-Shirts von eindeutig sexistischen Sprüchen ist, die ich hier nicht noch einmal erwähnen möchte. Ich fragte mich, was ihn wohl dazu bewogen hat solche Sprüche auf ein T-Shirt zu tragen. War der Mann vermeintlich ein Opfer der Gleichstellung von Frauen geworden? Man kann es nur vermuten.

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Meine muslimischen Freunde haben aus der Not eine Tugend gemacht. Die zunehmende Dämonisierung und Verunglimpfung als Terroristen in der Öffentlichkeit wollen sie nicht mehr so einfach hinnehmen. Und wie kann man besser Botschaften des Friedens und der Versöhnung entsenden als über ein T-Shirt. Einige Start-Up Unternehmen haben einen neuen Markt entdeckt. Sie verkaufen T-Shirts mit dem Aufdruck „I’m Muslim Not Terrorist“, „I’m Muslim Don’t Panic“, „Muslim by Nature“, „Drop Love not Bombs“, „I love my Prophet“ oder aber „Make Cay (Kinder) not War“. Letzteres gefällt mir am besten und würde Thilo Sarrazin eindeutig missfallen. Auf der Homepage des Unternehmens steht „Wir kommunizieren die Religion des Friedens in der Sprache der Jugend, ohne dabei unsere Werte zu verlieren“. Aus einem T-Shirt ist eine ganze Ethnien Fashion Linie geworden, die sich internationaler Beliebtheit rühmt.

Der CDU Generalsekretär Hermann Gröhe suchte kürzlich für seine vakante Stelle im Bundestagsbüro einen Referenten. Zu dem ausgewählten Personenkreis gehörte auch ein naher Bekannter mit koreanischen Wurzeln, der in Deutschland aufgewachsen ist. Gröhe ist ein Mann der Tat. Bei der zweiten Konferenz für CDU-Mandatsträger mit Migrationshintergrund in Düsseldorf sprach Gröhe in seiner Rede davon, dass die migrantischen Teilnehmer „alle das Gesicht der CDU“ seien und versprach in Zukunft „dieses Gesicht in seinem ganzen Facettenreichtum noch viel öfter zu zeigen“. Der CDU stünde das wirklich gut zu Gesicht. Gröhe schmeichelte die Teilnehmer damit, dass sie für eine gelungene Integration stehen und „Vorbilder, Wegbereiter und Multiplikatoren“ seien. Meinem deutsch-koreanischen Bekannten half das wenig. Er bekam eine Absage via E-Mail zugeteilt mit den Standardfloskeln. Ich sagte ihm, dass er es einmal mit einem T-Shirt versuchen sollte. Einige Tage später traf ich ihn zufällig im Prenzlauer Berg. Er war gut gelaunt und auf dem Weg zum Bundestag, wie er mir sagte. Kurz vor der Verabschiedung zeigte er mir dann sein T-Shirt. Es hatte das eindeutige Konterfei von dem CDU Generalsekretären Hermann Gröhe und trug die Aufschrift „Gröhe ist ein Lügner!“

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  1. MoBo sagt:

    „Cay“ heißt aber Tee…

  2. Sinan A. sagt:

    Selbststigmatisierung sollte man vermeiden. „I’m Muslim Not Terrorist“ ist ein schlechter Slogan. Man appelliert aus einer Position der Schwäche. Der Biodeutsche, der das sieht, denkt sich: „Du vielleicht nicht, aber ein anderer aus deiner Sippschaft.“ Über das Phänomen der Verneinung, die das Gegenteil von dem bewirkt, was sie aussagen will, hatten wir im MIGAZIN mal einen Artikel.

    „Deutsch mich nicht an“ gibt es irgendwo zu kaufen. Das ist ein guter Spruch. Er drückt aus: Ich lebe hier, ich bin hier zu Hause, komm mir nicht mit Sachen, an die du nicht mal selber glaubst. „Schwarze Köpfe an die Macht“ wär auch nicht schlecht.

  3. Raver sagt:

    Was wäre verkehrt daran auch mal schwäche zu zeigen? Wenn nicht immer nur die Position „wir sind die besseren/stärken/gläubigeren“ vertreten würde hätten wir viele Probleme nicht.
    „Deutsch mich nicht an“ oder „Schwarze Köpfe an die Macht“ zeigt nur wieder die Arroganz die ohne jede Rechtfertigung besteht. Damit integriert man sich nicht sondern zeigt aktiv: Will ich gar nicht.
    Mal drüber nachdenken @Sinan A,

  4. Ghostrider sagt:

    In dieser heutigen Ellenbogengesellschaft braucht man schon ein hohes Maß an Selbstbewusstsein. Wer Schwäche zeigt ist verloren. Provozieren, muß nicht unbedingt sein, aber Angriff(verbal) ist die beste Verteidigung. Der richtige Spruch auf dem T-Shirt kann manchmal witzig sein.

    Ghostrider