Geburtenraten bei Migrantinnen

Schon die zweite Generation passt sich an

Frauen der zweiten Migrantengeneration haben sich dem Geburtenverhalten von deutschen Frauen nahezu angepasst. Im Vergleich zu westdeutschen Frauen werden Migrantinnen der zweiten Generation allerdings rund zwei Jahre früher Mutter.

Dienstag, 10.08.2010, 7:57 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 08.01.2020, 15:45 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |   Drucken

Obwohl Zuwanderung und Integration drängende Themen für die Politik sind, hat es in Deutschland lange Zeit kaum Forschungen zum demografischen Verhalten von Migranten und ihren Nachkommen gegeben. Dr. Nadja Milewski, Wissenschaftlerin der Universität Rostock, ist in ihren Forschungen zu erstaunlichen Ergebnissen gelangt. „Frauen der zweiten Migrantengeneration haben sich dem Geburtenverhalten von deutschen Frauen nahezu angepasst“, sagt die Rostockerin, die kürzlich für ihre Forschungsergebnisse von der Universität Rostock mit dem Joachim-Jungius-Förderpreis ausgezeichnet wurde. Damit scheiden Migrantinnen offenbar aus, wenn es darum geht, dem demografischen Wandel oder der Bevölkerungsalterung durch Geburtenzuwachs begegnen zu wollen.

Weniger Kinder bei mehr Bildung
Im Vergleich zu westdeutschen Frauen werden Migrantinnen der zweiten Generation allerdings rund zwei Jahre früher Mutter. 50 Prozent haben mit etwa 27 Jahren ihr erstes Kind. „Migrantinnen weisen allerdings nicht, wie oft fälschlich angenommen, höhere Geburtenzahlen auf als deutsche Frauen. Der Bildungungsgrad von Migrantinnen der zweiten Generation liegt im Durchschnitt niedriger als der bei deutschen Frauen, was zu einer früheren Familiengründung führt. Aber auch für Migrantinnen gilt: je höher der Bildungsabschluss, umso länger schieben Frauen ihren Kinderwunsch auf die lange Bank“, so Milewski.

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Die Wissenschaftlerin führt das unter anderem darauf zurück, dass mit zunehmender Bildung auch die Erwerbstätigkeit steigt. Für ihre Doktorarbeit, die Professor Jan M. Hoem vom Max-Planck-Institut für demografische Forschung Rostock betreute, nutzte Dr. Milewski Daten des Sozio-ökonomischen Panels (SOEP) des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Sie untersuchte das Geburtsverhalten von Zuwanderinnen, die aus der Türkei, dem ehemaligen Jugoslawien, Griechenland, Italien und Spanien nach Deutschland gekommen waren.

Dr. Nadja Milewski arbeitet am Lehrstuhl für Methoden der empirischen Sozialforschung und Demographie der Universität Rostock bei Prof. Gabriele Doblhammer.

Anpassungstrend
Während Migrantinnen, die heute nach Deutschland kommen, oft eine hohe Qualifikation haben, war dies vor einigen Jahren noch anders. Da kamen Frauen vor allem im Zuge der Familienzuführung nach Deutschland und arbeiteten in der Regel nicht, weil sie zu Beginn des Aufenthaltes keine Arbeitserlaubnis erhielten. Das begünstigte eine frühe Familiengründung und eine höhere Kinderzahl. Auch heute noch neigen vor allem türkische Frauen in der zweiten Migrantengeneration zu einer frühen Eheschließung, die dann mit der Geburt des ersten Kindes einhergeht. Auch haben türkischstämmige Frauen – im Gegensatz zu Migrantinnen aus anderen Ländern – häufiger drei Kinder.

Dennoch gibt es auch unter Türkinnen der zweiten Generation einen Anpassungstrend an die demografischen Muster in Deutschland. Dies unterstreicht, dass der gesellschaftliche Kontext mit seinen seit Jahrzehnten andauernden niedrigen Geburtenraten sich auch auf Zuwanderinnen und deren Familien auswirkt.

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