Hessen

Migranten dreimal häufiger von Armut betroffen

Die Bevölkerung mit Migrationshintergrund ist mit einem Anteil von 24 Prozent nahezu dreimal häufiger von Armut betroffen als die Bevölkerung ohne Migrationshintergrund (9 Prozent). Dies teilte das Statistische Landesamt in Hessen aufgrund der Ergebnisse des Mikrozensus 2008 mit.

Donnerstag, 17.12.2009, 8:17 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 08.01.2020, 15:45 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |   Drucken

Infobox: Als armutsgefährdet gelten nach Definition der Europäischen Union Personen, deren Äquivalenzeinkommen weniger als 60 Prozent des Mittelwerts der Äquivalenzeinkommen der Bevölkerung in Privathaushalten beträgt. Das Äquivalenz- einkommen ist ein bedarfsgewichtetes Pro-Kopf-Einkommen je Haushaltsmitglied, das ermittelt wird, indem das Haushaltsnettoeinkommen durch die Summe der Bedarfsgewichte der im Haushalt lebenden Personen geteilt wird.

Im Jahr 2008 waren 12,7 Prozent der hessischen Bevölkerung von relativer Armut bedroht. Wie das Hessische Statistische Landesamt aufgrund der Ergebnisse des Mikrozensus 2008 mitteilt, lag der Anteil der von Armut Gefährdeten in Hessen damit 1,7 Prozentpunkte unter dem Wert für Deutschland (14,4 Prozent). Nur in Baden-Württemberg (10,2 Prozent) und in Bayern (10,8 Prozent) lag die Armutsgefährdung niedriger.

Erwerbslose waren in Hessen besonders häufig von Armut gefährdet. Mit rund 49 Prozent war jeder Zweite ohne Job von Armut bedroht, von den Erwerbstätigen hingegen nur jeder sechzehnte (6,2 Prozent). Geringqualifizierte tragen mit einem Anteil von gut 32 Prozent ein deutlich höheres Armutsrisiko als Hochqualifizierte, von den lediglich vier Prozent von Armut bedroht waren.

Neben dem Erwerbsstatus hatte die Haushaltszusammensetzung Einfluss auf die Armutsgefährdung der darin lebenden Personen. So war jede(r) dritte Alleinerziehende mit Kindern (33 Prozent) von Armut bedroht, sowie jede vierte Familie (26 Prozent) mit drei oder mehr minderjährigen Kindern im Haushalt. Aber auch jeder fünfte Einpersonenhaushalt (20 Prozent) war einem erhöhten Armutsrisiko ausgesetzt.

Die Bevölkerung mit Migrationshintergrund war zudem mit einem Anteil von 24 Prozent nahezu dreimal häufiger von Armut betroffen als die Bevölkerung ohne Migrationshintergrund (neun Prozent).

Weitere Studien, Umfragen und Statistiken rund um Integration und Migration von Zuwanderern und Minderheiten im MiGAZIN Dossier.

Mit Blick auf das Alter zeigte sich, dass besonders jüngere Menschen überdurchschnittlich oft von Armut gefährdet waren. Etwa jedes sechste Kind (16 Prozent) unter 18 Jahren und jeder fünfte junge Erwachsene (21 Prozent) zwischen 18 und 24 Jahren waren armutsgefährdet.

Bei den 50- bis unter 65-Jährigen hingegen traf dies nur auf jeden zehnten (9,5 Prozent) zu. Im Rentenalter lag der Anteil der von Armut bedrohten Bevölkerung wiederum etwas höher bei etwa zwölf Prozent. Frauen (13,3 Prozent) waren etwas häufiger von Armut bedroht als Männer (12,0 Prozent).

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  1. hoko sagt:

    Die hier verwendete relative Armutsdefinition ist vollkommen idiotisch, denn wenn man 5 Millionäre ausweist, sinkt die Armut. Wenn ein Millionär um 10% mehr verdient und ein HartzIV-Empfänger 9% (bei einer Inflation von 2%), steigt die Armut, obwohl der HartzIVer real 7% mehr Kaufkraft hat.
    Die hohen Armutsraten unter Migranten in Deutschland überraschen nicht, denn in kaum einem Land in der OECD ist die im Ausland geborene Bevölkerung noch niedriger qualifiziert als in Deutschland.