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PISA-Ergebnisse

Kritischer Umgang vor dem Hintergrund des Einflusses von Migration

Wir müssen unserer ausländischen Kinder, ob neu immigriert oder schon in der 2. oder 3. Generation in Deutschland mit logopädisch und linguistisch fundierten Konzepten fördern. Die Förderung muss solange getätigt werden, bis eine sehr gute Sprachqualifikation erreicht ist.

Von Mittwoch, 02.09.2009, 6:33 Uhr|zuletzt aktualisiert: Sonntag, 05.09.2010, 15:44 Uhr Lesedauer: 4 Minuten  |   Drucken

Warum hat Deutschland beim PISA – Nationen – Ranking derart unbefriedigende Listenplätze erhalten?

Aus den Tabellen der Ergebnisse vom Mathematiktest in 2003 geht beispielsweise hervor, dass Schüler dessen Väter einen Hochschulabschluss besitzen in Deutschland signifikant bessere Ergebnisse im Mathematiktest erreichen als gleichaltrige Schüler aus Frankreich, Kanada oder Japan. Das jedoch in der Gesamtwertung Länder wie Kanada, Japan oder Schweden einen höheren Rank erreicht haben liegt in der Struktur der Migration. In Deutschland leben wesentlich mehr Migranten mit geringer schulischer Ausbildung. Die Immigrationspolitik dieser Länder richtet sich eher auf hochgradig qualifizierte Fachkräfte, die bereits vor Ihrer Immigration die Landessprache beherrschen.

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Ein weiterer Grund für das miserable Abschneiden ist, dass in vielen entwickelten Ländern wie beispielsweise Kanada und Japan ganz andere Anforderungen an Lehrer gestellt werden. In diesen Ländern müssen Lehrer sich nicht um die oft sehr zeitintensive sprachliche und kulturelle Integration der Schüler kümmern. In Japan z.B. ist der Gesamtanteil an Immigranten grade Mal 0,1%.

Deshalb ist es meinem Erachten nach problematisch, PISA Ergebnisse auf die Leistungsfähigkeit des jeweiligen Schulsystems zu beziehen. Die Voraussetzungen können unterschiedlicher nicht sein.

Deutschland und Frankreich haben in etwa einen gleich hohen Migrantenanteil. Dennoch sind die Gesamtergebnisse Frankreichs signifikant besser als die von Deutschland. Hierzu hat insbesondere die Tatsache geführt, dass die Anzahl der Schüler die zu der Frage nach dem Geburtsort der Eltern unvollständige Angaben gemacht haben in Frankreich wesentlich geringer sind. Außerdem sprechen die meisten Migranten insbesondere aus Nordafrika bereits vor der Einreise nach Frankreich die Landessprache. Dies ist kein Verdienst des französischen Bildungssystems, sondern vielmehr ein Resultat der französischen Assimilationspolitik in den ehemaligen Kolonialgebieten.

Berücksichtigt man jedoch ausschließlich die Ergebnisse der Schüler, die vollständige Angaben bezügliche des Geburtsortes gemacht haben, egalisiert sich der theoretische Vorsprung Frankreichs. Zu beobachten ist ebenfalls, dass insbesondere Mütter aus nordafrikanischen Familien systematisch an der sprachlichen und gesellschaftlichen Integration gehindert werden. All das ist ein Resultat des Versagens der Ausländerpolitik.

Wenn wir einen kurzen Blick auf den verdienten Testsieger Finnland werfen, werden wir feststellen, dass Migranten unmittelbar nach ihrer Einreise einen Sprachkurs besuchen müssen. Denjenigen die sich weigern finnisch zu lernen, wird der Sozialzuschuss massiv gekürzt. Daher stellt sich den Immigranten nicht die Frage, ob sie die Landessprachen erlernen sollten. In Deutschland wäre dies aus heutiger Sicht sehr schwierig umzusetzen, zumal sich die Politik von Rechtspublizisten aus den Reihen der Union in Hessen oder Bayern den Zugang zu solchen Maßnahmen versperrt hat. Das Vertrauen seitens vieler Ausländer an den deutschen Staat hinsichtlich einer respektvollen und gerechten Integration ist auf einem Tiefststand. Eine vergleichbare Maßnahme wie in Finnland würde hierzulande als rassistisch wahrgenommen. In Wahrheit ist die größte Feindschaft, die man Migranten antun kann, sie in ihrer sprachlichen und daraus bedingten gesellschaftlichen Außenseiterposition zu belassen und somit ihre Belange indirekt zu ignorieren.

Die Finnen gehen jedoch noch weiter. Die beispielhaft intensive sprachliche Betreuung bereits im Kindergarten genügt den finnischen Behörden für eine gesunde und nachhaltige Integration nicht. Schüler werden durch besonders ausgebildete Lehrkräfte, die spezialisiert auf logopädische und linguistische Problemstellungen mit ausländischen Schülern sind parallel zum Schulalltag betreut – und zwar bis diese Schüler ein Sprachniveau erreicht haben mit dem sie dem Unterricht problemlos folgen können.

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