Türkische Presse Europa

18.03.2009 – Ausländerfeindlichkeit, Visa, Türkischunterricht, Wahlverhalten

Die gestern vorgestellte Studie über “Jugendliche in Deutschland als Täter und Opfer von Gewalt” findet großen Raum in den Europaausgaben der türkischen Tageszeitungen. Außerdem geht es erneut um die Visa-Entscheidung des EuGH, um Türkischunterricht und das Wahlverhalten der Türken in Deutschland.

Mittwoch, 18.03.2009, 16:58 Uhr|zuletzt aktualisiert: Samstag, 21.08.2010, 18:58 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |   Drucken

Studie: Jugendliche in Deutschland als Täter und Opfer von Gewalt
Die von Dr. Wolfgang Schäuble, und dem Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen e.V. (KFN), Prof. Dr. Christian Pfeiffer, gestern vorgestellte Studie über “Jugendliche in Deutschland als Täter und Opfer von Gewalt” findet großen Raum in den Europaausgaben der türkischen Tageszeitungen.

Während die HÜRRIYET darauf aufmerksam macht, dass die Problematik nichts mit der Ethnie zu tun hat und vielmehr mit den sozialen Standards, betont die TÜRKIYE die ausgeprägte Ausländerfeindlichkeit unter den Jugendlichen. Laut Studie, so die Zeitung, ist in Deutschland jeder siebte Jugendliche als sehr ausländerfeindlich einzustufen. Die MILLIYET hingegen zeigt sich besorgt über die Ergebnisse und titelt: „Bedrohliche Zahlen“. Sachlicher geht die ZAMAN an die Thematik heran. Sie berichtet unter der Überschrift: „Die steigende Gewaltbereitschaft hat ihre Ursachen in der Familie und in der sozialen Ausgrenzung“ über Details der Studie und findet die Zahlen ebenfalls besorgniserregend.

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Mangel an Türkischlehrern
Die HÜRRIYET kritisiert das Nordrhein-Westfälische Bildungsministerium. Das Konzept für Türkischunterricht für 200.000 türkischstämmige Schüler sei bereits vor zwei Jahren ausgearbeitet worden. Dennoch sei man bis heute kein Schritt vorangekommen. Initiativen vieler Eltern würden mit der Begründung zurückgewiesen, dass man keine Lehrer hätte, die Türkischunterricht anbieten können. In Anbetracht dieser Lage titelt die HÜRRIYET provokant: „Für Türkischunterricht haben sie keine Lehrer!“ Für den Bundesvorsitzenden der türkischen Elternvereinigungen, Kadir Daglar, steht und fällt der Türkischunterricht mit den Verantwortlichen vor Ort. Seiner Meinung nach, wird dem Türkischunterricht keine Bedeutung beigemessen. Anfänglich, so Daglar, wollte man ab zwölf Schülern Türkischunterricht anbieten, heute sei diese Grenze auf 15 hochgeschraubt worden.

Türken würden die SPD wählen
Die Umfrage des Berliner Markt- und Meinungsforschungsinstituts Data 4U findet relativ wenig Platz in den türkischen Tageszeitungen. Mit „Türken sagen SPD“ betitelt die SABAH die Ergebnisse und heben hervor, dass Cem Özdemir aussichtsreichster Kanzlerkandidat unter den Türken wäre. Wie auch die SABAH präsentiert die HÜRRIYET nüchtern die Zahlen der Umfrage und titelt: „Die meisten Türken in Deutschland wollen die SPD“.

Visa-Entscheidung des EuGH
„Den ersten Schritt haben wir getan“. Unter dieser Überschrift räumt HÜRRIYET der Visa-Thematik erneut großen Raum ein. Nahezu ganzseitig kommt Osman Cat, Initiator der Visa-Klage, zu Wort. Er bezeichnet die EuGH-Entscheidung als eine schallende Ohrfeige der Justiz für alle Europäischen Länder, die bisher die Rechte der Türken unbeachtet gelassen haben. Der nächste Schritt sei die Abschaffung der Visapflicht für Türken.

Osman Cat habe der Rechtsstreit um die Visa für seine Fahrer in die Insolvenz getrieben. Dennoch zeigt er sich überzeugt: “Die Zeiten, wo ich mit 30 Lkw’s Güter transportiert habe sind vorbei. Wenn ich aber heute wieder vor der Klageentscheidung stehen würde, würde ich wieder klagen“. Laut Cat gehe die Visaeinschränkung für türkische Fernkraftfahrer auf den damaligen Arbeitsminister Norbert Blüm zurück, der die Visa-Einschränkung für Fernkraftfahrer aus der Türkei geschaffen habe. Blüm, so Cat, habe damit deutschen Fernkraftfahrern Vorteile verschaffen wollen, Arbeit zu finden. Allerdings, so Cat weiter, seien deutsche Lkw-Fahrer mit weiten Strecken und den Strapazen an den Grenzübergängen nicht klar gekommen.

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  1. „Initiativen vieler Eltern würden mit der Begründung zurückgewiesen, dass man keine Lehrer hätte, die Türkischunterricht anbieten können. In Anbetracht dieser Lage titelt die HÜRRIYET provokant: „Für Türkischunterricht haben sie keine Lehrer!“ Für den Bundesvorsitzenden der türkischen Elternvereinigungen, Kadir Daglar, steht und fällt der Türkischunterricht mit den Verantwortlichen vor Ort. Seiner Meinung nach, wird dem Türkischunterricht keine Bedeutung beigemessen.“

    Obwohl ich die Beibehaltung von muttersprachlichem Unterricht sehr befürworte, müsste innerhalb der Community eine Diskussion über die Qualität stattfinden. Denn daran hapert es oftmals. Auch bei anderen Unterrichtsinhalten hängt zwar des Schülers Glück oftmals von dem Engagement des Lehrers ab, aber ich musste selbst immer wieder erleben, dass dies beim Türksich-Unterricht ganz besonders der Fall ist. Dazu kommt dann immer wieder auch das Problem, dass die Schüler mit Lehrern konfrontiert sind, die pädagogisch eine ganz andere „Methode“ an den Tag legen, als in den anderen Fächern.