Gesucht

Lehrkräfte mit Migrationshintergrund

Der Berliner Integrationsbeauftragte Günter Piening wirbt bei Abiturienten mit Migrationshintergrund um den Lehrerberuf. Obwohl die Vielfalt in Berliner Klassenzimmern wachse, seien in den Kollegien kaum Lehrkräfte mit Migrationshintergrund anzutreffen. Diese Schieflage sei ein deutlicher Standortnachteil, sagte Piening. Wissenschaftler weisen zudem auf Diskriminierungen von Lehrkräften mit Migrationshintergrund hin.

Dienstag, 03.03.2009, 7:47 Uhr|zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 12.08.2010, 6:18 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |   Drucken

Der Berliner Integrationsbeauftragte ist sich sicher, dass mehr Vielfalt im Lehrerzimmer die Bildungschancen von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund verbessern kann. Er sagte: „Sie tragen zum Abbau kultureller und sprachlicher Hürden bei und fördern die Verständigung zwischen Schulen und Elternhaus.“ Voraussetzung hierfür seien Lehrkräfte mit interkulturellen Erfahrungen und Kompetenzen. Piening betonte auch die Vorbildfunktion von Lehrkräften: „Für Kinder und Jugendliche und auch für ihre Eltern sind sie ein wichtiges Signal für ein positives Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft. Verschiedene Kulturen im Lehrerzimmer bereichern nicht nur Schulen mit hohem Migrantenanteil.“

Die neue Lehrerkampagne ist Teil der umfassenden Initiative „Berlin braucht dich!“, mit der seit 2006 junge Frauen und Männer mit Migrationshintergrund über Ausbildungsmöglichkeiten im Öffentlichen Dienst informiert werden. Die Aktivitäten führt das Berufliche Qualifizierungsnetzwerk für Migrantinnen und Migranten (BQN Berlin) auf Initiative des Integrationsbeauftragten durch.

Statistische Daten über Lehrkräfte mit Migrationshintergrund liegen nicht vor. Ihr Anteil wird bundesweit auf 1 % geschätzt. Als vermutete Ursachen für das dürftige Interesse am Lehrerberuf zählt das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge unter anderem das geringe Sozialprestige und kaum vorhandene Karrieremöglichkeiten des Lehrerberufs, schlechte Vorerfahrungen mit Lehrern oder der Schule sowie Ängste, den Anforderungen im Staatsdienst nicht gewachsen zu sein, auf.

Der Ruf nach mehr Lehrkräften mit Migrationshintergrund an Schulen und Hochschulen versperre zugleich den Blick darauf, dass auch diese täglichen Diskriminierungen ausgesetzt sind. Magdalena Tartakowska und Lisanne Ackermann berichten in ihrer Studie von Erfahrungen solcher Lehrkräfte. „Lehrkräfte mit Migrationshintergrund erfahren Diskriminierung in ihrem beruflichen Umfeld und oftmals schon in ihrer Bildungslaufbahn.

Die Beispiele aus den USA zeigen eindrucksvoll, wie sich Lehrkräfte mit sich selbst und mit den RepräsentantInnen der Mehrheitsgesellschaft auseinandersetzen, um internalisierte Stereotypen und Vorurteile aufzudecken und so letztendlich gegen ihre Diskriminierung anzugehen. Die vorhandenen Forschungen im angelsächsischen Raum, aber auch die jüngsten Initiativen in Deutschland weisen darauf hin, dass Deutschland nicht nur mehr Lehrkräfte mit Migrationshintergrund braucht, sondern auch mehr über ihre beruflichen Erfahrungen mit Diskriminierung gesprochen werden muss“, so das Resümee der Wissenschaftler.

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