Wer selbst um Anerkennung kämpfen musste, kann die Maßstäbe der Mehrheitsgesellschaft gegen Neuankommende richten. So entstehen interne Hierarchien, Konkurrenz um Zugehörigkeit und eine Solidarität, die gerade gegenüber Geflüchteten und Armen brüchig wird. Von Kiflemariam Gebre Wold
Aggression, Rückzug oder scheinbare Gleichgültigkeit werden schnell als Fehlverhalten bewertet. Häufig erzählen sie jedoch von Angst, Überlastung, Ausgrenzung oder fehlender Zugehörigkeit. Von Esma Coşgun
Man darf heute wirklich gar nichts mehr sagen – außer natürlich alles, überall und jederzeit. Und die christliche Nächstenliebe ist eine feine Sache, solange sie an der EU-Außengrenze endet. Von Sven Bensmann
Rechtsextremismus, Klimakrise, Wohnungsnot und soziale Unsicherheit erscheinen oft als getrennte Probleme - sie gehen aber aus derselben Wirtschaftsordnung hervor. Nur darüber redet niemand. Ein Comic von „Calvin und Hobbes“ liefert die passend absurde Regierungserklärung. Von Joachim Glaubitz
Ceuta ist kein spanischer Betriebsunfall, sondern Folge europäischer Arbeitsteilung. Marokko produziert für Europa, doch selbst Beschäftigte dieser Vorzeigeökonomie wollen fort. Ihre Flucht verweist auf eine asymmetrische Ordnung, die Europa mitgeschaffen hat. Von Kiflemariam Gebre Wold
Nach mindestens 72 Toten fordert Europa erneut stärkeren Grenzschutz. Doch Zäune beseitigen weder globale Ungleichheit noch fehlende Zukunftschancen. Langfristig braucht es faire Handelsbeziehungen, Entwicklungszusammenarbeit und mehr legale Migrationswege. Von Dr. Rainer Ebert
Deutschland profitierte 1953 selbst von einem großzügigen Schuldenerlass. Heute gehört die Bundesrepublik zu den Staaten, die ein verbindliches UN-Verfahren für faire Staatenentschuldung ausbremsen. Von Kiflemariam Gebre Wold
Das neue EU-Asylsystem übersetzt Menschen in administrative Kategorien übersetzt. Anschließend müssen sie beweisen, dass ihre Biografie nicht in das bereits erzeugte Verdachtsmuster passt. Von Mira E. Hazzaa
Ceuta erzählt nicht von einer Invasion Europas. Es erzählt von Menschen, die keine Zukunft sehen – und von einer Öffentlichkeit, die ihre Hoffnungslosigkeit zur Bedrohung erklärt. Von Joachim Glaubitz
Der digitale Informationsstrom belohnt Zuspitzung und Empörung. Der Berliner CSD-Anschlag zeigt, wie schnell aus einem Täter ganze Gruppen werden und aus Trauer politische Munition. Von Joachim Glaubitz