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Migration und Integration in Deutschland

[Die Verhinderung der Sesshaftmachung] würde den Vorteil haben, dass das Interesse an einer Familienzusammenführung zurückgeht und damit uns erheblich geringere Infrastrukturkosten entstehen würden.

Ein Vertreter der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Weber, 1974

Mehrere Menschen ertrunken

Fast 600 Bootsflüchtlinge bei dramatischer Aktion gerettet

Eine Rettungsaktion wurde zum Alptraum, als ein Schlauchboot kenterte und Flüchtlinge ertranken. Trotz der Gefahren wagen sich immer noch Migranten in seeuntauglichen Booten auf das Mittelmeer, aber deutlich weniger als im vergangenen Jahr.

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Rettungsaktion am Mittelmeer (Symbolfoto) © Noborder Network @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Im italienischen Hafen Vibo Valentia sind am Freitag 588 Bootsflüchtlinge eingetroffen, die am Mittwoch aus Seenot gerettet worden waren. „Ärzte ohne Grenzen“ und SOS Mediterranée sprachen von einer dramatischen Rettungsaktion, bei der trotz aller Bemühungen mehrere Menschen ertrunken seien. Die Zahl der Toten sei nicht bekannt.

Seit Anfang des Jahres erreichten laut den Vereinten Nationen mehr als 150.000 Menschen Europa auf dem Seeweg über das Mittelmeer. Das sind weniger als halb so viele, wie es im selben Zeitraum 2016 waren (knapp 335.000). Grund für den Rückgang ist die Schließung der sogenannten Balkanroute über Griechenland.

Zu dem Einsatz am Mittwoch sagte Seif Khirfa, der für „Ärzte ohne Grenzen“ an Bord des Rettungsschiffes Aquarius ist: „Die Rettungsaktion hat sich schlagartig in einen Alptraum verwandelt, als eines der drei mit Männern, Frauen und Kindern überladenen Schlauchboote kenterte und Dutzende ins Meer fielen.“ Die Teams hätten den Menschen Rettungswesten zugeworfen und viele aus dem Wasser gezogen.

„Aber wir sahen Menschen untergehen“

„Wir haben zwar keine Leichen geborgen, aber wir sahen Menschen untergehen“, sagte Khirfan. Ein Mann mit Herzstillstand sei wiederbelebt und per Hubschrauber nach Italien gebracht worden. Unter den Geretteten seien auch Menschen, die in Libyen durch Misshandlungen verletzt worden waren.

Mindestens 2.839 Flüchtlinge starben bislang in diesem Jahr bei der gefährlichen Überquerung des Mittelmeers, wie die Internationale Organisation für Migration (IOM) der Vereinten Nationen mitteilte. Im vergangenen Jahr waren es von Anfang Januar bis Anfang November 4.150 Tote. Doch die Dunkelziffer könnte nach IOM-Angaben deutlich höher liegen. Die meisten von ihnen ertranken.

IOM rechnet mit 200.000 Migranten für 2017

Die IOM rechnet damit, dass im Gesamtjahr 2017 weniger als 200.000 Migranten und Flüchtlinge über das Mittelmeer nach Europa gelangen werden. Auf dem Höhepunkt der Flucht- und Migrationsbewegung kamen 2015 mehr als eine Million Menschen mit Booten über das Mittelmeer nach Europa.

Drei von vier Geflüchteten, die in diesem Jahr die gefährliche Überquerung des Mittelmeers wagten, erreichten den Kontinent an den Küsten Italiens. Die anderen verteilten sich laut IOM auf Griechenland, Zypern und Spanien. Die Herkunftsländer der Menschen, die 2017 in Italien ankamen, lagen den Angaben nach hauptsächlich in Afrika. (epd/mig)

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