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Migration und Integration in Deutschland

Niemand lässt sich so gut ausbeuten wie Mitglieder einer Gemeinschaft, die ohne Hilfe der anderen in Deutschland nicht überleben können – illegal und ohne Sprachkenntnisse.

Neske/Heckmann/Rühl, Menschenschmuggel, 2004

Aktuelle Zahlen

Asylverfahren dauern immer länger

Im zweiten Quartal 2017 dauerte ein Asylverfahren im Durchschnitt knapp ein Jahr. Zum Vergleich: 2016 dauert ein Verfahren noch sieben Monate. Das Ministerium verweist auf Altfälle. Die Linke kritisiert, das BAMF sei vom versprochenen Ziel weit entfernt.

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Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) © MiG

Die Asylverfahren beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) dauern immer länger. Im zweiten Quartal 2017 verging durchschnittlich fast ein Jahr (11,7 Monate), bis über einen Asylantrag entschieden wurde. Im ersten Vierteljahr waren es 10,4 Monate und im Gesamtjahr 2016 noch gut sieben Monate. Das geht aus einer Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage der Linksfraktion hervor, die dem epd vorliegt und über die zunächst die Zeitungen der Funke Mediengruppe berichteten.

Das Innenministerium betonte, das Bundesamt habe in den letzten Monaten viele Altverfahren abgeschlossen, die wegen ihrer langen Anhängigkeit den Wert der durchschnittlichen Verfahrensdauer statistisch erhöhten. „Je mehr Altfälle abgebaut werden, desto höher wird damit die statistische Bearbeitungsdauer“, heißt es in der Antwort des Ministeriums. Zudem würden vermehrt komplexe Verfahren entschieden. „Nach Abschluss des Rückstandsabbaus wird das BAMF, außer bei sehr komplexen Fällen, kurze Bearbeitungszeiten sicherstellen können.“

Vom Ziel weit entfernt

Die Linken-Abgeordnete Ulla Jelpke kritisierte: „Vom versprochenen Ziel, Asylverfahren binnen drei Monaten zu erledigen, ist das BAMF weit entfernt.“ Leidtragende seien die Asylsuchenden. Überlange Verfahren seien für die Betroffenen unzumutbar und „Gift für die Integration“. Die Verantwortung trage das Bundesinnenministerium. So sei das Personal in dem Bundesamt viel zu spät verstärkt worden.

Am längsten auf einen Asylbescheid warten mussten im zweiten Quartal 2017 laut Ministerium Menschen aus der Demokratischen Republik Kongo (17,2 Monate), der Russischen Föderation (16,3 Monate) und Nigeria (15,1 Monate). Syrer bekommen ihren Bescheid am zügigsten mit knapp acht Monaten. (epd/mig)

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Ein Kommentar
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  1. […] Jahr gestellt haben, bei etwa zwei Monaten liege. Am Wochenende war bekanntgeworden, dass die durchschnittliche Bearbeitungsdauer insgesamt bei fast einem Jahr liegt. Das Ministerium begründet dies mit dem Abbau von Altfällen, […]



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