MiGAZIN

Fachmagazin für Migration und Integration in Deutschland

Ich bin auch eure Kanzlerin.

Angela Merkel, an die Türken nach der Rede des türkischen Premiers Erdogan in Köln, März 2008

Menschenrechtler

Kodex für Retter im Mittelmeer gefährdet Leben

Die Kritik von Menschenrechtlern an dem geplanten Verhaltenskodex für private Retter im Mittelmeer reißt nicht ab. Sie rechnen mit mehr Toten, sollte der Plan umgesetzt werden.

Ozean, Meer, Wasser, Horizont, Ocean
Das Meer © Dom Crossley @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Der geplante Verhaltenskodex für nichtstaatliche Retter im Mittelmeer gefährdet nach Ansicht von Menschenrechtlern das Leben Tausender weiterer Flüchtlinge. Sollte der von Italien entworfene Plan umgesetzt werden, könnte das tödliche Folgen haben, warnten Amnesty International und Human Rights Watch am Mittwoch in einer gemeinsamen Erklärung. „Der vorgeschlagene Verhaltenskodex für Nichtregierungsorganisationen, die Leben im Mittelmeer retten, könnte perverserweise Leben aufs Spiel setzen.“

Versuche, lebensrettende Such- und Rettungseinsätze der nichtstaatlichen Organisationen (NGOs) einzugrenzen und Rettungsboote daran zu hindern, die gefährlichen Gewässer vor Libyen zu befahren, gefährdeten Tausende, erklärte Amnesty-EU-Expertin Iverna McGowan. Sofern ein Kodex nötig sei, müsse er zum Ziel haben, Rettungsoperationen auf See effektiver zu machen, betonten die beiden Organisationen. Vorgaben sollten in Kooperation mit den Rettern erarbeitet werden und für alle Schiffe gelten, die Rettungseinsätze im Mittelmeer unternehmen.

Der Kodexentwurf kursiert seit vergangener Woche in der EU. Er sieht nach Angaben der Menschenrechtsorganisationen unter anderem vor, dass NGOs libysche Gewässer nicht befahren dürfen und dass sie nach Rettungseinsätzen die Flüchtlinge direkt in Häfen bringen müssen, statt sie bei Bedarf an andere Schiffe weiterzugeben. „Das würde nichtstaatliche Such- und Rettungsteams zwingen, für lange Zeit die Region zu verlassen, wo sie gebraucht werden“, protestierten Amnesty und Human Rights Watch.

NGO’s retten, weil EU nicht rettet

„NGOs sind im Mittelmeer und retten Menschen, weil die EU es nicht tut“, betonte Judith Sunderland von Human Rights Watch. Im Angesicht der Tragödien auf See und der Misshandlungen von Migranten und Flüchtlingen in Libyen müsse die EU die Rettung vor der libyschen Küste stärken, nicht einschränken.

Bislang gelangten in diesem Jahr rund 100.000 Bootsflüchtlinge nach Europa, darunter 85.000 über italienische Häfen. Nach Zahlen der Internationalen Organisation für Migration kamen dabei mehr als 2.200 Menschen ums Leben oder werden vermisst. Derzeit werden die meisten Flüchtlinge von Nichtregierungsorganisationen gerettet, nach Schätzung von „Ärzte ohne Grenzen“ nur etwa zwölf Prozent von Schiffen der EU-Grenzschutzmission Frontex. (epd/mig)

Testen Sie den kostenlosen MiGAZIN Newsletter:
Bitte beachten Sie unsere Netiquette. Vielen Dank!

Ihr Kommentar dazu:

MiGAZIN

Ziel und Zweck von MiGAZIN ist die Förderung der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Partizipation von Migrant(inn)en in der Aufnahmegesellschaft. In diesem Sinne soll MiGAZIN die Kommunikation fördern und füreinander sensibilisieren. Mehr über uns...

MiGMACHEN

Die Redaktionsmitglieder von MiGAZIN haben vor allem eins gelernt: Wer über sein Wissen und seine Erfahrungen schreibt, lernt immens dazu. Die kritische Diskussion mit Lesern eröffnet neue Horizonte. Daher hat das MiGAZIN-Team die Aktion-MiGMACHEN ins Leben gerufen. Hier bieten wir allen Interessierten die Möglichkeit, MiGAZIN als Autor, Pate oder Jungautor mitzugestalten. Nähere Informationen...

GRIMME Online Award 2012

    Begründung der Jury: "Über Migranten und Migration wird in Deutschland viel gesprochen. Vor allem von Deutschen. Im Chor der vielen und oft sehr lauten Stimmen fehlen aber zumeist die der Migranten. Und genau diese Lücke füllt das MiGAZIN mit qualitativ hochwertigen Texten und verständlicher Berichterstattung." Weiter ...