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Wolfgang Schäuble, Rede zur Amtseinführung des Beuauftragten für Auslandsdeutsche, Februar 2006

Black Lives Matter

Vor fünf Jahren wurde der afroamerikanische US-Teenager Trayvon Martin erschossen

Ein Mann erschießt einen unbewaffneten 17-jährigen Afroamerikaner und wird freigesprochen. Aus der Empörung wächst eine landesweite Bewegung gegen Rassismus und Polizeigewalt. Wir werden weiterkämpfen, sagt Trayvons Mutter nach Trumps Amtsantritt.

Rassismus, Ausländerfeindlichkeit, Rasse, Fremdenfeindlichkeit
Rassismus © MiG

In diesem Monat wäre Trayvon Martin 22 Jahre alt geworden. Der Junge aus dem US-Bundesstaat Florida ist seit fünf Jahren tot. Am 26. Februar 2012 hat ein selbst ernannter Nachbarschaftswächter namens George Zimmerman den afroamerikanischen Teenager erschossen. Trayvon Martin ging gerade nach Hause, in der Hand eine Dose Eistee und eine Tüte Skittles. Ein unbewaffneter Jugendlicher im Kapuzenpulli, gerade 17 geworden. Zimmerman plädierte im Prozess auf Notwehr. Er wurde freigesprochen.

Der Tod von Trayvon Martin steht heute für den Beginn einer Bewegung gegen Rassismus und Polizeigewalt in den USA: „Black Lives Matter“, schwarze Leben zählen. Trayvons Eltern Sybrina Fulton und Tracy Martin haben zum fünften Todestag ihres Sohnes ein berührendes Buch geschrieben („Rest in Power“): „Im Tod wurde Trayvon Martin ein Märtyrer und ein Symbol für Rassen-Ungerechtigkeit“, heißt es darin. „Zu Lebzeiten … war er einfach ein Junge, der zum jungen Mann heranwuchs, mit all den Fragen, den Hoffnungen und den Auseinandersetzungen, die zu dieser Reise gehören.“

„Black Lives Matter“, eine Bewegung vor allem afroamerikanischer und junger Menschen, hat den Blick auf etwas gerichtet, das offensichtlich war, doch selten thematisiert wurde: In den USA greifen Polizisten erschreckend oft zur Waffe, besonders gegen Afroamerikaner. Es gibt es nach wie vor keine definitiven amtlichen Statistiken, doch Zeitungen zählen inzwischen mit. Besonders detailliert tut das der britische „Guardian“: Im Jahr 2016 haben US-Polizisten demnach 1.091 Menschen getötet, 55 weniger als 2015. Statistisch umgerechnet auf ihren Anteil an der Gesamtbevölkerung traf es dem „Guardian“ zufolge neun Mal öfter junge schwarze Männer als andere Amerikaner.

Obama: „Hätte ich einen Sohn, würde er wie Trayvon aussehen“

Nach Trayvon Martins Tod brachten Menschen im ganzen Land ihre Empörung und ihre Wut zum Ausdruck. Zahlreiche Prominente äußerten sich. „Hätte ich einen Sohn, würde er wie Trayvon aussehen“, sagte Barack Obama einen Monat nach dem Todesschuss. „Wenn ich an diesen Jungen denke, denke ich an meine eigenen Kinder.“

Der Prozess gegen George Zimmerman wurde im Fernsehen übertragen. Die Geschworenen sprachen ihn frei. Eine der sechs Jurorinnen erläuterte im Fernsehsender ABC: „In unseren Herzen fühlten wir, dass er schuldig war.“ Doch es habe keine Augenzeugen gegeben, es sei nicht nachweisbar gewesen, dass Zimmerman vorsätzlich getötet habe.

„Wie wenig schwarze Leben zählen.“

In Kalifornien schrieb die 31-jährige Alicia Garza auf ihrer Facebook-Seite: Sie sei beständig überrascht, „wie wenig schwarze Leben zählen“. Garza gilt als Mitbegründerin von „Black Lives Matter“. Weltweit bekannt wurde die Bewegung nach den polizeilichen Todesschüssen auf den 18-jährigen Afroamerikaner Michael Brown in Ferguson im Sommer 2014 und den schweren Ausschreitungen nach dem Tod des Afroamerikaners Freddie Gray im Polizeigewahrsam in Baltimore im April 2015.

Obamas Justizministerium hat Polizeibehörden in mehreren Städten zu Reformen bewegt – sie sollten „Hüter“ sein und nicht „Krieger“. Doch die Zahl der Erschießungen durch Polizisten ist in seiner Amtszeit nicht merklich zurückgegangen.

Marsch der Frauen

Nun ist Donald Trump Präsident. Im Wahlkampf sprach er viel von „Recht und Gesetz“, und seine Republikanische Partei von „Blue Lives Matter“, die Bevölkerung müsse mehr Respekt haben vor der Polizei in ihren blauen Unformen. Als eines seiner ersten Dekrete unterzeichnete Trump ein Dekret, dem zufolge der Justizminister eine Strategie entwickeln müsse, um „effektiver gegen Personen vorzugehen, die Straftaten gegen Ordnungskräfte begehen“.

Am Tag nach der Amtseinführung kamen Hunderttausende nach Washington, um gegen Trump zu protestieren, organisiert als „Marsch der Frauen“. Eine Rednerin war auch Sybrina Fulton, die Mutter von Trayvon Martin. Sie stand hinter dem Mikrofon zusammen mit anderen Müttern, die ihre Kinder durch Polizeigewalt verloren haben. „Mein Sohn, der im Himmel ist, … war Trayvon Martin“, rief sie, „es ist uns klar, dass wir als Frauen aufstehen müssen, ganz egal, wer Präsident ist, wir werden weiterkämpfen.“ (epd/mig)

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