MiGAZIN

Das Fachmagazin für Migration und Integration in Deutschland

Und die einzige Leitkultur, die wir allen Menschen in Deutschland abverlangen müssen, steht in den ersten 20 Artikeln des Grundgesetzes.

Sigmar Gabriel (SPD-Chef), dpa, 7. Oktober 2010

Unwort des Jahres

Gegen die Normalisierung rechter Sprache im öffentlichen Diskurs

Das Unwort des Jahres 2016 ist „Volksverräter“. Damit macht die Jury auf die zunehmende Normalisierung rechter Inhalte und rechter Sprache im öffentlichen Diskurs aufmerksam. Das muss man ihr hoch anrechnen. Ein Gastbeitrag von Anatol Stefanowitsch.

Anatol Stefanowitsch, Sprachlog, Sprachwissenschaftler
Anatol Stefanowitsch © privat, bearb. MiG

VONAnatol Stefanowitsch

Anatol Stefanowitsch ist Professor für englische Sprachwissenschaft an der Freien Universität Berlin und Autor des Sprachlog. In seiner Forschung beschäftigt er sich mit der Struktur der englischen und deutschen Sprache. In seinem Blog befasst er sich außerdem mit sprach- und kulturpolitischen Themen.

DATUM11. Januar 2017

KOMMENTAREKeine

RESSORTAktuell, Meinung

SCHLAGWÖRTER , , ,

DRUCKENAnsicht

MEHR ZUM ARTIKEL

DANKE,
ich möchte MiGAZIN auch in Zukunft lesen!

Die „Sprachkritische Aktion“ hat das Unwort des Jahres 2016 bekanntgegeben: Volksverräter. Damit setzt die Jury unter der Leitung von Nina Janich konsequent die Kritik an rechter und rechtes Handeln verharmlosender Sprache fort, die sie 2013 mit dem Unwort Sozialtourismus begonnen und seither mit Lügenpresse (2014) und Gutmensch (2015) fortgesetzt hat.

Die zunehmende Normalisierung rechter Inhalte und rechter Sprache im öffentlichen Diskurs ist eine erschreckende Entwicklung und man kann es der „Sprachkritischen Aktion“ nicht hoch genug anrechnen, dass sie jedes Jahr aufs neue auf diese Entwicklung hinweist.

Volksverräter ist ein Begriff, der historisch schon zwei sprachliche Konjunkturphasen hatte. Zum ersten Mal nimmt seine Häufigkeit im Sprachgebauch im ersten Weltkrieg zu und sinkt dann wieder ab, um dann in der Zeit des Nationalsozialismus einen sprunghaften und nachhaltigen Anstieg zu erleben, der in den 1950er und 1960er Jahren langsam wieder nachlässt.

Die Häufigkeitsentwicklung liest sich also wie eine Fieberkurve völkischen Denkens in Deutschland, und dass das Wort inzwischen wieder laut auf der Straße gerufen wird, zeigt, dass die aktuelle, häufig als „rechtspopulistisch“ verharmloste Stimmung in großen Teilen der Gesellschaft diskursiv direkt an dieses Denken anschließt.

Testen Sie den kostenlosen MiGAZIN Newsletter:
Bitte beachten Sie unsere Netiquette. Vielen Dank!

Ihr Kommentar dazu:

MiGAZIN

Ziel und Zweck von MiGAZIN ist die Förderung der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Partizipation von Migrant(inn)en in der Aufnahmegesellschaft. In diesem Sinne soll MiGAZIN die Kommunikation fördern und füreinander sensibilisieren. Mehr über uns...

MiGMACHEN

Die Redaktionsmitglieder von MiGAZIN haben vor allem eins gelernt: Wer über sein Wissen und seine Erfahrungen schreibt, lernt immens dazu. Die kritische Diskussion mit Lesern eröffnet neue Horizonte. Daher hat das MiGAZIN-Team die Aktion-MiGMACHEN ins Leben gerufen. Hier bieten wir allen Interessierten die Möglichkeit, MiGAZIN als Autor, Pate oder Jungautor mitzugestalten. Nähere Informationen...

GRIMME Online Award 2012

    Begründung der Jury: "Über Migranten und Migration wird in Deutschland viel gesprochen. Vor allem von Deutschen. Im Chor der vielen und oft sehr lauten Stimmen fehlen aber zumeist die der Migranten. Und genau diese Lücke füllt das MiGAZIN mit qualitativ hochwertigen Texten und verständlicher Berichterstattung." Weiter ...