MiGAZIN

Migration und Integration in Deutschland

Das Beitragsaufkommen [in den Rentenversicherungen beträgt] auf Grund der Beschäftigung der ausländischen Arbeitnehmer jährlich rd. 1,2 Milliarden DM, während sich die Rentenzahlungen an ausländische Arbeitnehmer jährlich auf rd. 127 Millionen DM, also etwa ein Zehntel, belaufen.

Ludwig Kattenstroth, Staatssekretär im Arbeitsministerium, März 1966, Bundesvereinigung der Dt. Arbeitgeberverbände

Bürokratische Hürden

Handwerksbetriebe bilden 2.500 Flüchtlinge aus

Handwerkspräsident Wollseifer lobt die Bereitschaft vieler Unternehmen, Flüchtlinge als Auszubildende einzustellen. Der bürokratische Aufwand, der damit verbunden sei, schrecke jedoch besonders kleine Betriebe ab.

Handwerk, Arbeit, Arbeiter, Schleifen, Flex, Ausbildung
Handwerk © voltamax @ pixabay.com (CC 0 Public Domain)

Deutsche Handwerksbetriebe bilden derzeit 2.500 junge Flüchtlinge aus den acht wichtigsten Herkunftsländern aus. „Dazu kommen viele Tausend in Praktika oder Hilfsjobs“, sagte der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, Hans Peter Wollseifer, dem Kölner Stadt-Anzeiger. Zudem absolvierten aktuell rund 2.000 junge Flüchtlinge ein Programm zur Berufsorientierung.

Der Handwerksverband und die Bundesagentur für Arbeit haben im April ein Projekt gestartet mit dem Ziel, 10.000 Flüchtlinge binnen zwei Jahren in eine Ausbildung zu vermitteln. Das Programm richtet sich an anerkannte Flüchtlinge, Asylbewerber und Geduldete mit einer Arbeitserlaubnis. Das Projekt besteht laut Wollseifer aus zwei Stufen der Berufsorientierung: „Einige Flüchtlinge wurden bereits nach dem ersten Kurs als Azubis vermittelt.“

Anfänglicher Elan verraucht

„Allerdings spüren wir auch: Es ist viel vom anfänglichen Elan verraucht“, sagte der Handwerkspräsident. Die Abläufe seien nicht komplikationsfrei, „wie manche das anfänglich erwartet haben“. Es habe geradezu euphorische Prognosen führender Vertreter der Großunternehmen gegeben, die Flüchtlinge seien die Lösung für das Fachkräfteproblem. „Das ist bei weitem nicht der Fall“, sagte Wollseifer.

Der Handwerkspräsident beklagte Hemmnisse bei der Beschäftigung von Flüchtlingen. So könnten die Arbeitsagenturen den Betrieben noch nicht so viele Bewerber zuweisen, weil offenbar Sprach- und Integrationskurse fehlten und die Anerkennungsverfahren zu lange dauerten. Auch schreckt der bürokratische Aufwand nach Wollseifers Worten viele kleinere Betriebe ab. „Kleine Betriebe, in denen die Chefs ihre Buchhaltung selbst machen, sind hier überfordert“, sagte er.

Qualifizierungsstau bei Flüchtlingen

Zudem sei der Qualifizierungsstau bei den Flüchtlingen enorm, erklärte Wollseifer. Meldungen der Bundesagentur, wonach die Flüchtlinge im Durchschnitt deutlich höher gebildet seien als angenommen, deckten sich nicht mit den Erfahrungen der Unternehmen. Viele junge Leute hätten in ihren Herkunftsländern nur kurz eine Schule besucht und verfügten kaum über berufliche Qualifikationen. „Wir stoßen aber auch auf Vorbehalte gegen handwerkliche Berufe“, sagte Wollseifer. Es sei die Aufgabe von Integrationskursen und der Berufsorientierung, solche Vorurteile aus der Welt zu schaffen.

Dennoch betonte Wollseifer: „Tausende Betriebe hätten die Flüchtlinge lieber heute als morgen, ihnen geht es nicht schnell genug.“ Dem Handwerk fehle es flächendeckend an Nachwuchs. „Junge Flüchtlinge zu qualifizieren, ist ein Baustein, diesem Mangel abzuhelfen“, sagte er. Auch deshalb seien die Handwerksbetriebe zum „Integrationsmotor“ geworden. Dagegen sei der Beitrag der Industrie zur Beschäftigung von Flüchtlingen „bisher eher gering“, sagte der Verbandspräsident. (epd/mig)

Testen Sie den kostenlosen MiGAZIN Newsletter:
Bitte beachten Sie unsere Netiquette. Vielen Dank!

Ihr Kommentar dazu:

MiGAZIN

Ziel und Zweck von MiGAZIN ist die Förderung der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Partizipation von Migrant(inn)en in der Aufnahmegesellschaft. In diesem Sinne soll MiGAZIN die Kommunikation fördern und füreinander sensibilisieren. Mehr über uns...

MiGMACHEN

Die Redaktionsmitglieder von MiGAZIN haben vor allem eins gelernt: Wer über sein Wissen und seine Erfahrungen schreibt, lernt immens dazu. Die kritische Diskussion mit Lesern eröffnet neue Horizonte. Daher hat das MiGAZIN-Team die Aktion-MiGMACHEN ins Leben gerufen. Hier bieten wir allen Interessierten die Möglichkeit, MiGAZIN als Autor, Pate oder Jungautor mitzugestalten. Nähere Informationen...

GRIMME Online Award 2012

    Begründung der Jury: "Über Migranten und Migration wird in Deutschland viel gesprochen. Vor allem von Deutschen. Im Chor der vielen und oft sehr lauten Stimmen fehlen aber zumeist die der Migranten. Und genau diese Lücke füllt das MiGAZIN mit qualitativ hochwertigen Texten und verständlicher Berichterstattung." Weiter ...