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Migration und Integration in Deutschland

[Die Verhinderung der Sesshaftmachung] würde den Vorteil haben, dass das Interesse an einer Familienzusammenführung zurückgeht und damit uns erheblich geringere Infrastrukturkosten entstehen würden.

Ein Vertreter der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Weber, 1974

Afghanisches Covergirl festgenommen

Scharbat Gula drohen Haft und Ausweisung aus Pakistan

In einem Flüchtlingslager wurde ein amerikanischer Fotograf auf das afghanische Mädchen aufmerksam. Ihre Augen beeindruckten ihn besonders. Er machte ein Foto, das um die Welt ging. Erst 18 Jahre später fand er die Frau wieder und erfuhr ihren Namen.

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Sie war das Gesicht der Agonie Afghanistans: Scharbat Gula schmückte als zwölfjähriges Mädchen den Titel einer Ausgabe des „National Geographic“-Magazins. Ihre ausdrucksstarken türkisgrünen Augen und ihr zerrissenes rotes Kopftuch machten das Foto zu einem Meisterwerk, das mit der „Mona Lisa“ von Leonardo da Vinci verglichen wurde. Das Porträt ist zeitlos wie eine Ikone.

Nun, mit etwa 47 Jahren, wurde Scharbat Gula in Pakistan wegen Ausweisfälschung festgenommen. Bei der Afghanin seien ein pakistanischer und ein afghanischer Personalausweis mit unterschiedlichen Angaben und Adressen gefunden worden, berichtete die pakistanische Zeitung „Dawn“ am Mittwoch. Der Frau drohen nun Haft- und Geldstrafen sowie die Ausweisung.

Ersmtals 1984 fotografiert, 2002 wiedergefunden

Das Mädchen mit den großen grünen Augen war 1984 vom amerikanischen Fotografen Steve McCurry in einem Flüchtlingslager nahe der pakistanischen Stadt Peshawar porträtiert worden. Sie hatte als Sechsjährige ihre Eltern bei einem Bombenangriff sowjetischer Kampfflugzeuge verloren und war gemeinsam mit ihren Geschwistern zu Fuß über die Berge nach Pakistan geflohen.

Jahrzehntelang blieb ihre Identität ein Rätsel, bis Fotograf McCurry sie 2002 in einem Dorf in Afghanistan aufspürte. Ihren Namen wusste er nicht. Gula hatte ihr weltberühmtes Foto mit dem Titel „Afghanisches Mädchen“ bis dahin nie gesehen. Später floh sie erneut nach Pakistan.

Menschenrechtler protestierten

Nun ist Scharbat Gula eine von Hunderttausenden afghanischen Flüchtlingen, die Pakistan zurück in ihre Heimat schicken will. Das islamische Land hat Personalkontrollen und Gesetze verschärft: Afghanen, die kein gültiges Visum haben, müssen Pakistan verlassen. Menschenrechtler protestierten.

In diesem Jahr kehrten bereits 370.000 Afghanen aus Pakistan zurück. Wer freiwillig geht, bekommt Geld und Nahrungsmittel. Pakistan hatte während des Afghanistan-Krieges in den 80er Jahren Millionen Flüchtlinge aus Afghanistan beherbergt. Viele von ihnen wohnen seither in Pakistan. (epd/mig)

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