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Migration und Integration in Deutschland

Bei Philipp Rösler würde ich allerdings gerne wissen, ob unsere Gesellschaft schon so weit ist, einen asiatisch aussehenden Vizekanzler auch noch länger zu akzeptieren.

Hessischer Integrationsminsiter Jörg-Uwe Hahn (FDP), Frankfurter Neue Presse, 7.2.2013

Özil, Boateng & Co.

Was die deutschen von der Nationalmannschaft lernen können

Das Viertelfinalspiel Deutschland gegen Italien war spannend bis zur letzten Minute. Die Kommentare nach dem Spiel, sagen jedoch weniger über die Mannschaft, als vielmehr über die Fans. Von Said Rezek

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Public Viewing vor einem Spiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft © Ute Köhler @ flickr.com (CC 2.0)

VONSaid Rezek

 Was die deutschen von der Nationalmannschaft lernen können
Said Rezek studiert an der NRW School of Governance den Master - Studiengang Politikmanagement, Public Policy und öffentliche Verwaltung. Er beschäftigt sich inhaltlich mit Fragen der Einwanderungsgesellschaft, insbesondere mit der Medienberichterstattung über Muslime. Im Jahr 2015 erhielt er die Auszeichnung der Akademischen Arbeit des Jahres, welche vom Dachverband der schiitischen Muslime Deutschlands (IGS) ausgeschrieben wurde.

DATUM4. Juli 2016

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RESSORTAktuell, Meinung

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Fußballfans können hart sein. Vor allem in einer Nation mit etwa 80 Millionen Bundestrainern und mindestens halb so vielen potenziellen Nationalspielern mit Bierbauch. Ein Abwehrspieler kann noch so gut gespielt haben. Wenn er einen Elfer verursacht, kann er schnell in Ungnade fallen. Das Gleiche gilt für Spieler, die einen Elfer verschießen. Erst recht für deutsche Nationalspieler mit Migrationshintergrund. Schließlich sind alle Spieler gleich. Aber manche sind eben gleicher.

Als Özil den Führungstreffer gegen Italien erzielte, schwebte das deutsche Fußballherz auf Wolke sieben. Viele Muslime feierten und unter ihnen insbesondere die türkischstämmigen hierzulande. Das zeigten die unmittelbaren Reaktionen in den sozialen Netzwerken. Selten jubeln Migranten so laut, wenn ein deutscher Nationalspieler ohne Migrationshintergrund ein Tor schießt. Vielleicht fällt es ihnen leichter, sich mit Özil, statt mit Müller zu identifizieren.

Kurze Zeit später war Boateng der Buhmann, weil er einen Elfer verursachte. Es bedarf nicht viel Fantasie, um sich Gauland mit einer ungesunden Portion Schadenfreude vorzustellen. Ob seine Reaktion identisch wäre, wenn Hummels den Elfer verursacht hätte? Wahrscheinlich nicht. Boateng ist eben nicht sein Wunschnachbar.

Nach 120 Minuten kam es, wie es kommen musste. Es ging ins Elfmeterschießen. Wehe dem, der einen Elfer verschießt. Erst recht, wenn er ein deutschtürkischer Nationalspieler ist. Söder forderte nach dem Sieg der deutschen ein Elferverbot für Özil. Stellt sich nur die Frage, warum er Schweinsteiger und Müller verschonte, obwohl sie auch verschossen haben. Vielleicht weil beide aus Bayern kommen oder weil Özil einen Migrationshintergrund hat? Vielleicht auch beides.

Schließlich gibt es noch Geschichten, die nur der Fußball schreibt. Der noch Buhmann Boateng verwandelte seinen Elfer zum fünf beide und ebnete den Weg zum Sieg. Damit dürfte die Laune Gaulands wieder im Keller gewesen sein, obwohl die deutsche Nationalmannschaft gewonnen hat. Vielleicht war Söder ja zur Stelle und hat Gauland trösten können. So einen Nachbarn hat er sich wahrscheinlich schon immer gewünscht.

Das Viertelfinalspiel hat deutlich gezeigt, dass die deutsche Nationalmannschaft zum Spielball unterschiedlicher Interessen geworden ist. Dabei verlieren einige das wichtigste aus den Augen. Die Mannschaft gewinnt und verliert zusammen. Wer die Tore schießt oder Gegentore verursacht, spielt keine Rolle. Das können die Fans von der Mannschaft lernen.

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