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Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust (CDU) über die doppelte Staatsbürgerschaft, Neujahrsempfang am 17. Januar 2010

Studie

Einwanderung von Israelis nach Deutschland geringer als vermutet

Israelis, die nach Deutschland auswandern kommen vor allem auf religiösen und politischen Gründen. Sie geben an, nicht religiös und politsch links zu sein. Das sind Ergebnisse einer aktuellen Studie über israelische Einwanderer.

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Ein Kind mit der jüdischen Kopfbedeckung Kippa © James Emery auf flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Gut ausgebildet, kaum religiös, politisch links – die israelischen Einwanderer in Deutschland unterscheiden sich deutlich vom Durchschnitt ihres Heimatlandes. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie, die am Freitag in Potsdam vorgestellt wurde. Die Forschungsergebnisse belegen auch steigende Zahlen jüdischer Einwanderer aus Israel in der Bundesrepublik seit einigen Jahren – und dass diese Zuwanderungszahlen in der Öffentlichkeit stark übertrieben werden.

Während in den Medien oft allein für Berlin von 20.000 bis 30.000 israelischen Staatsbürgern die Rede sei, die länger oder dauerhaft in der Stadt leben, seien es tatsächlich bundesweit nur rund 16.000, sagte die Sozialwissenschaftlerin Dani Kranz. So seien Ende 2014 in Berlin nur knapp 6.300 Israelis gemeldet gewesen, darunter fast 2.300 mit doppelter Staatsbürgerschaft, sagte Kranz. Insgesamt lebten in Berlin Ende 2014 den Angaben zufolge mehr als 573.000 Ausländer.

Top Auswanderungsgründe: Religion und Politik

Als Gründe, Israel zu verlassen, nannten mehr als 45 Prozent der Befragten die Rolle der Religion im Privatleben in ihrem Heimatland und 42 Prozent die politische Lage. Gut 56 Prozent gaben an, es sei ihnen in Israel nicht möglich, sich beruflich weiterzuentwickeln, fast 63 Prozent nannten die wirtschaftliche Lage als Grund. Nur gut zehn Prozent gaben an, dass die Auswanderung von Familienangehörigen und Freunden für sie ein Grund gewesen sei, ihre Heimat zu verlassen.

85 Prozent der für die Studie befragten jüdischen Israelis hätten betont, sie seien nicht religiös, sagte der Sozialwissenschaftler Uzi Rebhun. 70 Prozent hätten sich politisch links und 22 Prozent in der politischen Mitte verortet. In Israel hingegen liege der Anteil säkularer Juden an der Bevölkerung nur bei gut 40 Prozent, sagte Rebhun. Als politisch links sähen sich dort nur 20 Prozent der Einwohner und der politischen Mitte rechneten sich gut 30 Prozent zu.

Wirtschaftliche und persönliche Gründe

Etwa ein Drittel der Zuwanderer aus Israel habe deutsche Wurzeln, sagte Rebhun. Denn bei ihnen war mindestens ein Angehöriger der Großelterngeneration gebürtiger Deutscher. Gut 54 Prozent hätten angegeben, dass ihre Eltern oder Großeltern Überlebende der Schoah seien.

Als Gründe, nach Deutschland zu ziehen, nannten gut 61 Prozent der Befragten die beruflichen und wirtschaftlichen Chancen in der Bundesrepublik, gut die Hälfte die deutsche Kultur und knapp 44 Prozent die Bildungsmöglichkeiten. Gut 31 Prozent der befragten Israelis hatten einen deutschen Partner – und rund 53 Prozent sagten, die Suche nach Herausforderungen und Abenteuern sei einer der Gründe gewesen, nach Deutschland zu ziehen.

Israelis beliebt in Ausländerbehörden

Dort wird die Einwanderung den Forschungsergebnissen zufolge positiv aufgenommen. Auch in den Ausländerbehörden seien die israelischen Zuwanderer beliebt, sagte Kranz: „Sie sind hochqualifiziert, haben ihre Papiere dabei und leben nicht von Hartz IV.“ 20 Prozent der Zuwanderer aus Israel gaben an, in Deutschland mit Antisemitismus konfrontiert worden zu sein.

Die Studie „Israeli Jews in Contemporary Germany: Social Integration and the Construction of a Group Identity“ wurde am Moses-Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien vorgestellt und ist nach Angaben der Wissenschaftler die erste bundesweite empirische Untersuchung zum Thema. Für die Studie der Bergischen Universität Wuppertal und der Hebräischen Universität Jerusalem wurden nach Angaben der Autoren Daten verschiedener offizieller Stellen ausgewertet und rund 600 jüdische gebürtige Israelis befragt. (epd/mig)

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Ein Kommentar
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  1. Aleks A. sagt:

    Warum die Bebilderung mit einer Kippa? Insbesondere wenn es heißt, die meisten Israelis, die kommen, seien nicht religiös? Ein Kopftuch zur Bebilderung von irgendwas mit Muslimen wird zu Recht schnell kritisiert, wobei dies mehr miteinander zu tun hat als Israelis und Kippot.



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