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Bei dem Lebensalter der ausländischen Arbeitnehmer wirkt sich das z. Z. vor allem für die deutsche Rentenversicherung sehr günstig aus, weil sie weit höhere Beiträge von den ausländischen Arbeitnehmern einnimmt, als sie gegenwärtig an Rentenleistungen für diesen Personenkreis aufzubringen hat.

Ludwig Kattenstroth, Staatssekretär im Arbeitsministerium, März 1966, Bundesvereinigung der Dt. Arbeitgeberverbände, 1966

Deutungshoheit und die (Willkommens)Kultur

Wer darf hier eigentlich mitreden?

Die aktuelle Flüchtlingssituation zeigt eindrucksvoll: nachhaltige Bekämpfung von Rassismus kann nur gelingen, wenn privilegierte Gruppen sich von ihrem bisherigen Monopol auf Deutungshoheit verabschieden. Von Bahareh Sharifi

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Bahareh Sharifi © privat, bearb. MiG

VONBahareh Sharifi

Bahareh Sharifi studierte Theater, Literatur und Soziologie in Hamburg und in London. Als Kuratorin und Projektkoordinatorin arbeitete sie für u.a. das Maxim-Gorki-Theater, die Heinrich-Böll-Stiftung, dem Jugendtheaterbüro Berlin und dem Deutschen Hygiene-Museum Dresden. Sie ist Teil des Kurationteams der Konferenz “Vernetzt euch! - Strategien und Visionen für eine diskriminierungskritische Kunst- und Kulturszene”, die am 10. und 11. Oktober 2015 an der Universität der Künste stattfindet.

DATUM7. Oktober 2015

KOMMENTARE6

RESSORTAktuell, Meinung

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Die rasante Veränderung der gesellschaftlichen Zusammensetzung stellt jetzt stärker denn je die Frage, wer eigentlich Mitspracherecht in dieser Gesellschaft hat. Im subventionierten Kulturbereich spiegelt sich Diversität tatsächlich noch immer nur marginal wieder. Künstler*innen, die sich aus eigenen Erfahrungen heraus mit den Themen Asyl, Flucht und Migration beschäftigen, wurde jahrzehntelang der ästhetische Gehalt ihrer Arbeit abgesprochen. Sie wurden meist lediglich als sozialpädagogische Projekte abgetan. Wenn jetzt aber deutsche Stadttheater – die übrigens immer noch die Verwendung von Blackface und dem N-Wort zu legitimieren versuchen – ihre Räume zur Beherbergung von Geflüchteten zur Verfügung stellen, dann werden sie dies tun, ohne im eigenen Personal jene zu finden, die Arabisch, Farsi, Dari, Paschtu oder Urdu neben der deutschen Sprache sprechen. Während im Bildungs- und Sozialbereich, in der Medizin, ja in vielen anderen Lebensbereichen diese Übersetzungsarbeit zum Teil von Mitarbeiter*innen selbst geleistet werden kann, kommt die selbstverschuldete, diverse Leerstelle im Kulturbereich derzeit deutlich zum Ausdruck.

Wie eng das gesellschaftliche Selbstverständnis mit der kulturellen Repräsentation verknüpft ist, zeigt der Blick über den Atlantik. Der andauernde Diskurs und die Bewegung um #BlackLivesMatter in den USA wird nicht umsonst an die Frage der medialen Sichtbarkeit gekoppelt, die sich u.a. in Protestwellen wie #OscarsSoWhite ausdrückte. Sehr prägnant hat zuletzt die Journalistin und Trans-Aktivistin* Janet Mock anhand von „Stonewall“, dem neuen Film von Roland Emmerich, den Zusammenhang zwischen der kulturellen Unsichtbarkeit und der hohen Mordrate an TransWomen of Color aufgezeigt. Während TransWomen of Color die Speerspitze der Selbstermächtigung und des Widerstands der LGBT-Bewegung gegen die Polizeigewalt im Sommer 1969 darstellten, portraitiert der Film diese Widerstandsbewegung aus der Perspektive eines weißen, schwulen Mannes. Sie erscheint als seine Geschichte. Die tatsächlichen Akteur*innen hingegen werden aus ihrer eigenen Geschichte hinausgeschrieben, unsichtbar gemacht, enthumanisiert.

Die nachhaltige Bekämpfung von Rassismus in Deutschland kann aber nur gelingen, indem privilegierte Gruppen sich von ihrem bisherigen Monopol auf die Deutungshoheit verabschieden. Erst dann lassen sich die Effekte von Rassismus und anderen Diskriminierungsformen in ihrer ganzen  Bandbreite verstehen. Rassismus wird sich aber auch nicht abbauen lassen, ohne die kulturelle Selbstrepräsentation marginalisierter Gruppen zuzulassen. Die voranschreitende, politische Entmündigung, die zum Teil paternalisierende Willkommenskultur und der Trend zu „irgendwas mit Flüchtlingen“-Projekten der Kulturinstitutionen weisen leider in eine andere Richtung. Dabei haben die Geflüchteten sehr deutlich aufgezeigt, dass sie ihre eigene(n) Geschichte selbst bestimmen und erzählen werden. Zuletzt als sie in Dresden die Unterbringung in einer Bundeswehrliegenschaft eigenmächtig über Nacht verließen oder im Zug von München nach Berlin die Notbremse zogen, weil sie eine andere Destination anvisierten. Sie werden, wie viele Asylsuchende und Migrant*innen vor ihnen, das Selbstverständnis dieses Landes verändern, ob die Mehrheitsgesellschaft das will oder nicht.

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6 Kommentare
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  1. Johnny Van Hove sagt:

    Es hilft nicht pauschal in unverrückbaren Kontinuitäten der Unterdrückung zu denken. Die erhebliche zivilgesellschaftliche Veränderung und Mobilisation GEGEN die von einer Vielzahl von Medien und Regierungen getragene Dämonisierung der Flüchtlinge war bis vor 4 Wochen nicht mal vorstellbar. Die Mobilisierung ist beachtlich und bedarf Differenzierung.

  2. vkiss sagt:

    Also erst einmal finde ich es eine Frechheit, dass in diesem Artikel allen ernstes behauptet wird, dass der ungezwungene Patriotismus in Zusammenhang mit der Fußball WM rechtskonservative Einstellungen begünstigt hätte. So eine Behauptung ist dermaßen undifferenziert und einfältig, dass man ab diesem Punkt den ganzen Text schon gar nicht mehr ernst nehmen kann.
    Des Weiteren scheint die Autorin auch nicht besonders viel Grundwissen vom geltenden Asylrecht zu haben. Als Asylsuchender hat man KEIN gesetzliches oder moralisches Recht auf gesellschaftliche Partizipation oder politisch angeordnete Integration. Und zwar aus gutem Grund. Es geht lediglich darum dem Asylsuchenden als politisch Verfolgten oder Kriegsflüchtling einen sicheren Aufenthalt in einem sicheren Land zu gewährleisten. Und dies auch nur für einen begrenzten Zeitraum, solange die Gefahr eben andauert. Und dieses Asylrecht hat man als Flüchtling auch nicht in jedem beliebigen Land seiner Wahl, sondern ausschließlich in dem ersten sicheren Land das man betritt. Dieses Recht auf Asyl ist dann auch schon alles. Dazu gehört natürlich auch eine menschenwürdige Versorgung der Grundbedüfnisse. Darüber hinaus hat man als Asylsuchender KEINE weiteren Forderungen zu stellen, weil man schlicht und ergreifend kein Recht darauf hat. Und es besteht absolut kein Grund diese Gesetzgebungen zu ändern. Kein Land der Welt könnte es auch nur annähernd bewerkstelligen jedem Asylsuchenden eine “aktive Mitgestaltung am gesellschaftlichen und kulturellen Selbstverständniss“ zu gewährleisten. Im Asylrecht geht es vollkommen selbstverständlich erst einmal um völlig andere Dinge. Jedem halbwegs normal denkenden Menschen sollte so etwas völlig klar sein. Ansonsten sollte man sich dringend einmal darüber informieren aus welchem Grund unser international geltendes Recht auf Asyl überhaupt existiert und geschaffen wurde.
    Die “Einschränkung der Rechte von Asylsuchenden“ von der die Autorin hier spricht ist ganz einfach nicht existent. Jeder Mensch der momentan hier in Deutschland ankommt bekommt eine warme Unterkunft, wird anständig versorgt und erhält jede Hilfe die er braucht. WELTWEIT betreibt Deutschland die humanste und menschenwürdigste Flüchtlingspolitik überhaupt. Genau aus diesem Grund haben wir ja auch diesen Flüchtlingsansturm.
    In diesem Zusammenhang von irgendwelchen Einschränkungen der Rechte von Asylsuchenden zu sprechen zeugt von absoluter Unwissenheit und wenig Bezug zur Realität. Mal ganz abgesehen davon kann diese menschenwürdige Versorgung der Grundbedüfnisse auch nur dann sichergestellt sein, wenn ein Land überhaupt die Kapazitäten dafür hat. Und diese stößt in Deutschland schon lange an ihre Grenzen.
    Wenn ein Mensch allerdings nicht aus Gründen der Verfolgung oder Bedrohung in einem anderen Land leben möchte, dann ist er kein Asylsuchender sondern ein klassischer Einwanderer. Hierfür gelten international völlig andere Gesetzgebungen und Richtlinien. Das wäre dann nochmal ein völlig anderes Thema.
    In diesem Artikel ist von “Veränderung der rechtlichen Gesetzgebung“ die Rede. Welche Gesetzgebungen sind denn hier genau gemeint frage ich mich? In einer derartig ausufernden politischen und menschlichen Notsituation die in Deutschland gerade stattfindet, sollte es doch erst einmal darum gehen die geltenden internationalen Gesetzgebungen und Abkommen überhaupt EINZUHALTEN. Schließlich sind diese genau für solche Situationen geschaffen worden. Das geltende Asylrecht und die bestehenden Einwandererungsgesetze existieren nicht um unschuldige flüchtende Menschen zu schikanieren und sie ihrer Rechte zu berauben. Sondern sie existieren um eben genau diese Rechte zu schützen und den einzelnen Ländern eine vernünftige und menschenrechtsorientierte Asyl- und Einwanderungspolitik zu ermöglichen. Aber da genau diese Gesetze derzeit hauptsächlich von Deutschland in einer radikalen und flechendeckenden Weise gebrochen werden, entsteht absolutes Chaos und eine Spaltung der deutschen Gesellschaft.
    Dieser Artikel ist leider so derart oberflächlich und dermaßen am Thema vorbei, dass er rein gar nichts zur derzeitigen Debatte beiträgt.
    Bevor man derart naiv irgendwelche Gesetzesänderungen fordert sollte man sich erst einmal über die geltenden Gesetze gründlich informieren und auch die dazu vorliegenden offiziellen Zahlen studieren. Allein daraus wird nämlich schon deutlich, dass wir es hier in großer Mehrzahl nicht mit Asylsuchenden sondern eindeutig mit Einwanderern zutun haben.
    Ich befürchte allerdings, dass die Autorin dieses Artikels leider auch von dieser Thematik nicht die geringste Ahnung hat…

  3. Nina sagt:

    Danke für diesen sehr lesenswerten und wichtigen Artikel!

  4. TvT sagt:

    vkiss hat in seinem Kommentar alles gesagt, was es zu diesem Artikel zu sagen gibt. Sehr viel überzeugender als das Geschriebene der Autorin.

  5. Mirka Baumgärtner sagt:

    Liebe Bahareh, toller Artikel! Habe ihn durch Zufall gelesen. Bin sehr stolz auf Dich und schicke Dir nur das Beste! Eine alte Schulfreundin

  6. Mariele sagt:

    Schade wenn eine Autorin in einem alternativen Medium ebenso unreflektiert schreibt, wie wir es vom Mainstream kennen.

    Dieses Land hat seit 70 Jahren einigermaßen Frieden WEIL es Gesetze gibt und die hier lebenden diese respektieren.

    Und WIR kann auch heissen, wir, die hier seit Generationen leben und uns tag täglich rassistischen Situationen gegenüber sehen.

    Nicht nur die Rechte der Asylsuchenden werden eingeschränkt, sondern im gleichen Moment auch die Rechte der hier Lebenden UND das wird am Ende ALLE treffen und aus einem freien Deutschland …

    Als Erstes MUSS also die Einhaltung der bestehenden Gesetze gefordert werden, um dann die Kriegsursachen zu beseitigen.

    Alles andere ist weder sozial, noch demokratisch, noch gerecht –
    für die MENSCHEN
    auf beiden Seiten.

    https://www.youtube.com/watch?v=I2HCBggY_Cc

    Meine Oma und meine Mutter sind Flüchtlinge gewesen und sie aren dankbar für Unterkunft und ein wenig Essen.
    Heute fordern die Flüchtlinge 4 Mahlzeiten am Tag (was viele hiesige Menschen nicht haben und die Tafeln seit 1990 von Null auf Tausend hochexplodiert sind, …) und Rechte,
    für die sie sich in der eigenen Heimat nicht genug eingesetzt haben?
    Ist dem so?
    Oder nicht?
    Wie konnte es dort zu Krieg kommen?

    ALL diese FRAGEN MÜSSEN wir uns gerade hier JETZT stellen, egal ob HeimatDeutscher oder Zugewanderter oder oder oder,
    denn wenn wir UNS ALLE den Frieden und die Rechtsordnung und den christliche Glauben hier nicht als Wurzeln und fruchtbaren Boden erhalten,
    dann wird in Kürze hier ebenso Krieg und Elend herrschen,
    wie in anderen Teilen der Welt, es wird keine Sozialleistungen geben,
    für die die Menschen hier seit Generationen hart arbeiten, es wird keine Krankenversorgung geben, etc. etc.

    DAS mögen wir bitte alle immer berücksichtigen.
    Die Welt wandelt sich, immer und immer und doch sollten wir alle danach streben in FRIEDEN, FREISEIN, FÜLLE und FREUDE auf einer gesunden und fruchtbaren Mutter Erde zu LEBEN.



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