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Migration und Integration in Deutschland

[Es würde im Interesse der deutschen Arbeiter liegen, wenn wir sie zu Fachkräften ausbilden.] Dafür müssen wir natürlich dann die relativ primitiveren Arbeiten … von ausländischen Arbeitskräften besorgen lassen.

Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard, NWDR-Interview vom 9. April 1954

Freital

Spiegelbild Deutschlands

Was in Freital mit Empörung und Sorgen angefangen hat, formiert sich heute zu einem Mob, der die Flüchtlinge kollektiv entmenschlicht. Und wer glaubt, das Problem wäre nur ein sächsisches oder eins aus Freital, der irrt sich massiv. Von Michael Groys

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Aktivisten demonstrieren für Flüchtlinge © Caruso Pinguin @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

VONMichael Groys

 Spiegelbild Deutschlands
Der Autor ist Student der Verwaltungswissenschaften an der Universität Potsdam und besitzt einen Bachelor in Politik und Verwaltung/Öffentliches Recht und ist Stipendiat der Hans-Böckler-Stiftung. Darüber hinaus ist er im Vorstand der Jusos Charlottenburg-Wilmersdorf sowie Leiter des Jüdischen Studentenzentrums Berlin.

DATUM8. Juli 2015

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RESSORTAktuell, Meinung

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Als während der Fußballweltmeisterschaft 2006 Deutschland mit dem Slogan „Die Welt zu Gast bei Freunden“ warb, hatte dieses Land sich um ein weiteres Stückchen Anerkennung in der Welt bemüht. Ein neues, modernes und weltoffenes Deutschland wird auch gerne auf Auto- und Technologiemessen präsentiert oder wenn es um die multikulturelle Metropole Berlin geht. Aus den Schrecken der Vergangenheit öffnet diese Republik ihre Tore für alle Menschen auf der Welt – das ist eine klare Message.

Freital, Sachsen, Jahr 2015. Rund 200 Flüchtlinge leben heute in einer Asylunterkunft in der kleinen sächsischen Stadt, was für Empörung sorgt. Was mit Empörung und Sorgen angefangen hat, formiert sich heute zu einem Mob, der die Flüchtlinge kollektiv entmenschlicht. In Deutschland müssten eigentlich solche Vorgänge aus der jüngsten Geschichte doch durchaus bekannt sein, da helfen selbst die größten Messen mit den schönsten neuen Audis und BMWs nicht. Die Flüchtlinge sind „Schmarotzer“ und würden nur Sozialleistungen erhalten wollen, so der Ton der „besorgten“ Einwohner des Ortes.

Wer glaubt, das Problem wäre nur ein sächsisches oder eins aus Freital, der irrt sich massiv. Es gibt tausende dieser Freitals und Millionen, die eine solche oder ähnliche Meinung gegenüber Flüchtlingen vertreten. Die Politiker sind nun mal in den seltensten Fällen die mutigsten Menschen, was an Hand dieses Fall wirklich sichtbar ist. Das Thema wird seitens des Bundes dezent auf die Kommunen überleitet, während man im Bundestag sich schämt, besorgt, betrübt, benommen oder was auch immer ist. Wer das Problem von Fremdenhass nicht ernst nimmt, der kann auch nicht stolz über ein modernes und weltoffenes Deutschland sein.

Aufregen tun sich immer die Gleichen, und zwar auch auf die gleiche Art und Weise. Wenn Unrecht in Deutschland geschieht, gibt es ein gut durchgespieltes Spektakel bei dem alle eine Rolle spielen, nur die Flüchtlinge sind stets die tragische Figur.

Deshalb muss die Bundesregierung diesem Theater ein Ende setzen und sich zu Vielfalt nicht mit Slogans bekennen, sondern mit realen gesellschaftlichen Veränderungen.

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9 Kommentare
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  1. Realo sagt:

    Solange man echte Flüchtlinge und Wirtschaftsflüchtlingen in einen Topf wirft, hat die Rechte die perfekte Handhabe, um zu motzen.

  2. […] Aktivisten demonstrieren für Flüchtlinge © Caruso Pinguin @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG Als während der Fußballweltmeisterschaft 2006 Deutschland mit dem Slogan „Die Welt zu Gast bei Freunden“ warb, hatte dieses Land sich um ein weiteres Stückchen Anerkennung in der Welt bemüht. Ein neues, modernes und weltoffenes Deutschland wird auch gerne auf Auto- und Technologiemessen präsentiert oder wenn es um die multikulturelle Metropole Berlin geht. Aus den Schrecken der Vergangenheit öffnet diese Republik ihre Tore für alle Menschen auf der Welt – das ist eine klare Message. weiterlesen […]

  3. D sagt:

    @Realo:
    Wirtschaftsflüchtlige sind echte Flüchtlinge. Sie fliehen doch nicht zum Spaß. Niemand (!) riskiert sein Leben zum Spaß.
    Die Machtstrukturen zwischen Europa und Afrika beispielsweise haben sich doch seit der Kolonialzeit höchstens auf dem Papier geändert. Wer in den internationalen Währungsfond zahlt bestimmt die Regeln. Wer daraus nimmt muss sich daran halten. Rate mal wer am Ende profitiert? Und jetzt nimmt sich Europa das Recht heraus, die Menschen die es systematisch ausbeutet als gierige Wirtschaftsflüchtlinge abzustempeln? Ja klar, das Asylrecht deckt diese Menschen nicht ab, dann liegt der Fehler allerdings im Asylgesetz und nicht im Kopf dieser (echten!) Flüchtlinge.

  4. Realo sagt:

    @D Bitte keine linke Waschmittelwerbung. Selbst wenn Wirtschaftsflüchtlinge „Flüchtlinge“ sein sollten, ist das kein Grund, sie aufzunehmen. Armut ist ein erträglicher Zustand. Wenn Afrika arm ist, dann ist es nicht deshalb arm, weil wir reich sind. Profitieren tun wir davon nicht. Wir liefern denen nicht mal besonders viele Waffen, weil sie sich die diese gar nicht leisten können.

  5. Gero sagt:

    „Wirtschaftsflüchtlige sind echte Flüchtlinge.“

    Nein, nicht im Sinne der Asylgesetze. Und wer hier nicht sauber trennt, sollte sich über Ablehnung nicht wundern.

  6. Haralds sagt:

    Zu verallgemeinern und zu behaupten, Freital sei der Spiegel Deutschlands ist einfach falsch. Wenn man den harten Kern der Proteste in Freital im Fernsehen gesehen hat stellt man fest, dass es ganz einfach Kriminelle sind. Man kann aber auch nicht übersehen, dass im besten Fall eine skeptische Grundstimmung dort herrscht, wo Flüchtlingsheime stehen oder eingerichtet werden sollen. Eine Grundstimmung, die genährt wird durch Tatsachen, Halbwahrheiten und Schwindelei. Die Politik schafft es nicht, die Situation zu entschärfen und ganz energisch Maßnahmen gegen kriminelle Elemente der einen wie auch der anderen Seite zu ergreifen. So kommt es dazu, dass Störenfriede ihr Umfeld negativ beeinflussen. Aus welchem Grund die Flüchtlinge herkommen ist erst einmal egal. Aber sie sind nun mal hier. Man muss sicher einfordern, dass diese sich an unsere Gesetze halten, man kann ihnen auch mit etwas gesundem Misstrauen begegnen, aber diese Menschen mit massiver Ablehnung zu empfangen ist falsch und unanständig, falls sich noch jemand an dieses alte Wort erinnert. Jeder soll seine Chance bekommen. Leben und leben lassen. Man kann nie wissen, ob man nicht einmal in eine ähnliche Situation gerät. Dann wird man froh sein, fair behandelt zu werden.

  7. pierpalla sagt:

    Mal ehrlich: Wie es sich schon mehrmals bewiesen hat (Rostock-Lichtenhagen, Mölln, Solingen, Hoyerswerda, Dessau, etc.), geht es auch in Freital nicht um eine Unterscheidung zwischen guten und schlechten Flüchtlinge. Dieser Mob unterentwickelter Gehirnen will bloß ein Opfer haben, egal wen, um ihrem Frust freien Lauf zu lassen. Die brauchen keine Verständnisgefühle, welche eher nur als Legitimierung wirken. Leider wird seitens der Politik zu wenig unternommen, um das zu vermeiden. Ein erster Schritt wäre diese so genannten Protest-Bewegungen zu untersagen, weil sie explizit Volksverhetzung schüren. Dann würden sich nichtstuende Rentner wieder ihren Gärten und Fernsehgeräten widmen und hirnlose Glatzen keinen Nährboden mehr für ihren schwachsinnigen, tristen Gedankengut haben.

  8. karakal sagt:

    Das Asylrecht für politisch Verfolgte ist in der BRD ein im Grundgesetz verankertes Grundrecht. Selbstverständlich hat der Staat die Pflicht sicherzustellen, daß das Asylrecht nicht mißbraucht wird. Wie das im einzelnen gemacht wird, darf jedoch nicht verhetzten Volksmassen überlassen werden. Die derzeitigen Massendemonstrationen von Bewegungen wie Pegida und die Einstellung großer Teile der Bevölkerung gegen die grundsätzliche Gewährung von Asyl als auch gegen eine vermeintliche „Islamisierung“ Deutschlands bedeuten, daß diese Leute die betreffenden Artikel zu den Grundrechten auf Asyl und Religionsfreiheit im Grundgesetz für die BRD nicht akzeptieren und somit als „Verfassungsfeinde“ anzusehen sind. Angesichts dieser Entwicklung und des fehlenden staatlichen Eingreifens dagegen muß man sich fragen, wie lange das Grundgesetz noch Bestand haben wird.

  9. Bodo sagt:

    es wird dazu nicht kommen , das wir mal vor krieg fliehen müssen . es sei denn durch den ami und die nato als kriegstreiber kommt es dazu , aber dann wird es kein land mehr geben was flüchlinge aufnehmen kann .



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