MiGAZIN

Migration und Integration in Deutschland

Die Qualität einer freiheitlichen Gesellschaft bewährt sich nicht zuletzt darin, wie mit Minderheiten umgegangen wird und wie sich Minderheiten in einer Gesellschaft fühlen.

Wolfgang Schäuble, Rede zur Amtseinführung des Beuauftragten für Auslandsdeutsche, Februar 2006

Statistik

Zahl der Einbürgerungen gesunken

Knapp über 100.000 Menschen sind im vergangenen Jahr eingebürgert worden – etwas weniger als im Jahr davor. Den größten Rückgang an Einbürgerungen verzeichnete Nordrhein-Westfalen. Unter Türken und Ukrainern war der Rückgang ebenfalls am größten.

Einbürgerung, Einbürgerungsurkunde, Pass, Deutscher Pass, Deutschland
Einbürgerungsurkunde © MiGAZIN

Im vergangenen Jahr sind in Deutschland rund 108.000 Ausländer eingebürgert worden. Das waren etwa 3,5 Prozent weniger als im Jahr zuvor und zwei Prozent weniger als im Durchschnitt der letzten zehn Jahre, wie das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden mitteilte. Die meisten Eingebürgerten stammten 2014 aus der Türkei (22.500), Polen (5.900), Kroatien (3.900) und dem Kosovo (3.500).

Die Entwicklung innerhalb Deutschlands verlief wie schon in den Jahren zuvor uneinheitlich. Den größten Zuwachs an Einbürgerungen verzeichnete Baden-Württemberg: Dort erhielten 740 Migranten mehr einen deutschen Pass als 2013. In Nordrhein-Westfalen sank die Zahl der Einbürgerungen dagegen am deutlichsten, nämlich um 2.000.

Wie das Statistische Bundesamt weiter mitteilte, wurden im vergangenen Jahr 12,3 Prozent mehr EU-Bürger eingebürgert als 2013. Der stärkste Zuwachs wurde dabei bei Kroaten registriert (plus 124 Prozent). Indes erhielten deutlich weniger Ukrainer einen deutschen Pass als im Vorjahr (30,8 Prozent), bei den Türken wurde ein Rückgang von 19,7 Prozent registriert.

Für die migrationspolitische Sprecherin der Linksfraktion ist das ein Beleg, wie türkische Migranten diskriminiert werden. Bei ihnen wurde die Mehrstaatigkeit nur zu 17,1 Prozent akzeptiert, bei allen anderen Staatsangehörigen lag der Wert im Schnitt hingegen bei 63,2 Prozent. „Der Zwang, die bisherige Staatsangehörigkeit aufgeben zu müssen, ist das Haupthindernis bei der Einbürgerung. Um die beschämend niedrigen Einbürgerungszahlen wirksam steigern zu können, muss vor allem die Mehrstaatigkeit bei Einbürgerungen grundsätzlich ermöglicht werden“, so Dağdelen. Dass die Einbürgerungszahlen insbesondere bei türkischen Staatsangehörigen zurückgegangen seien, sei vor diesem Hintergrund kein Wunder.

„Genauso erklärt sich übrigens auch der drastische Anstieg bei kroatischen Staatsangehörigen“, erklärt die Linkspolitikerin weiter. Seitdem Kroatien Mitglied der EU ist, d.h. seit Mitte 2013, dürfen die kroatischen Staatsangehörigen ihren alten Pass bei Einbürgerungen behalten. Im Jahr 2014 wurde diese Regel erstmalig voll wirksam. (epd/mig)

Testen Sie den kostenlosen MiGAZIN Newsletter:
Bitte beachten Sie unsere Netiquette. Vielen Dank!

Ihr Kommentar dazu:

MiGAZIN

Ziel und Zweck von MiGAZIN ist die Förderung der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Partizipation von Migrant(inn)en in der Aufnahmegesellschaft. In diesem Sinne soll MiGAZIN die Kommunikation fördern und füreinander sensibilisieren. Mehr über uns...

MiGMACHEN

Die Redaktionsmitglieder von MiGAZIN haben vor allem eins gelernt: Wer über sein Wissen und seine Erfahrungen schreibt, lernt immens dazu. Die kritische Diskussion mit Lesern eröffnet neue Horizonte. Daher hat das MiGAZIN-Team die Aktion-MiGMACHEN ins Leben gerufen. Hier bieten wir allen Interessierten die Möglichkeit, MiGAZIN als Autor, Pate oder Jungautor mitzugestalten. Nähere Informationen...

GRIMME Online Award 2012

    Begründung der Jury: "Über Migranten und Migration wird in Deutschland viel gesprochen. Vor allem von Deutschen. Im Chor der vielen und oft sehr lauten Stimmen fehlen aber zumeist die der Migranten. Und genau diese Lücke füllt das MiGAZIN mit qualitativ hochwertigen Texten und verständlicher Berichterstattung." Weiter ...