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Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust (CDU) über die doppelte Staatsbürgerschaft, Neujahrsempfang am 17. Januar 2010

Ex US-Botschafter Craine

„Keiner der arabischen Staaten ist islamisch“

Die arabische Welt kommt nicht zur Ruhe. Was sind die Gründe und was die Lösung? Prof. Mohammed Khallouk sprach mit dem ehemaligen US-Botschafter in den Vereinigten Arabischen Emiraten Robert Craine.

Robert Craine, US-Botschafter, Diplomat, Arabische Staaten, Arabische Länder
Ehemaliger US-Botschafter Robert Craine (l.) und mit Prof. Muhammed Khallouk (r.) © Privat

VONMohammed Khallouk

Der Verfasser ist Politologe und Islamwissenschaftler. Er studierte Arabistik und Islamwissenschaften an der Mohammed V.-Universität Rabat und anschließend Politikwissenschaft an der Philipps-Universität Marburg. Er lehrte bereits in Politikwissenschaft in Marburg und an Universität der Bundeswehr München. Zur Zeit ist er Beauftragter für wissenschaftliche Expertise des Zentralrats der Muslime (ZMD) und stellvertretender Vorsitzender des Deutsch-Islamischen Vereinsverbands Rhein-Main e.V. (DIV). Khallouk publiziert zu zeitgeschichtlichen Themen, insbesondere zum Verhältnis zwischen Westen und Islam sowie beteiligt sich an intellektuellen Debatten. Sein letztes Buch „In Deutschland angekommen: Marburg“ erschien 2013 beim Rimbaud Verlag in Aachen. Mehr über ihn...

DATUM16. Februar 2015

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RESSORTAktuell, Interview

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Prof. Mohammed Khallouk: Als ehemaliger amerikanischer Botschafter in den Vereinigten Arabischen Emiraten hatten Sie die Gelegenheit, die politische und soziale Entwicklung der Arabischen Welt lange Zeit zu verfolgen. Wie schätzen Sie die gegenwärtige arabische Gesellschaft ein?

Robert Crane: Der sogenannte politische Islam wird sowohl in der Arabischen als auch in der Persischen Welt eine in die Zukunft andauernde Macht darstellen. Entscheidend wird deshalb die Frage sein, welche Strömung innerhalb dieses politischen Islams sich als dominant erweisen wird: die Machtstrebende oder die gemäßigtere Mehrheitsströmung.

An ökonomischen Parametern gemessen sind die Arabischen Golfstaaten momentan ausgesprochen reich. Sehen Sie die Staaten in der Lage, dieses Niveau die nächsten zwei bis drei Jahrzehnte zu halten vor dem Hintergrund eines mutmaßlichen Aufgebrauchs der Öl- und Gasreserven?

Prof. Robert D. Crane, geboren 1929, war zeitweilig Berater der früheren US Präsidenten Richard Nixon, diente als Deputierter Direktor beim Nationalen Sicherheitsrat der Vereinigten Staaten und bekleidete in der Ära Ronald Reagans kurzzeitig auch den amerikanischen Botschafterposten in der Vereinigten Arabischen Emiraten. Er studierte Journalistik und Rechtswissenschaften, u.a. an der Harvard University und der North Western University. 1948 durfte er in München als erster Amerikaner nach dem Zweiten Weltkrieg an einer deutschen Universität studieren. Der zum Islam konvertierte Crane ist Herausgeber des Magazins „The American Muslim“. Seine letzte bedeutende Buchveröffentlichung „Shaping the Future: Challenge and Response“ erschien 1997.

Robert Crane: Auf die kurze Sicht von zwei bis drei Jahrzehnten prognostiziere ich, dass neu erschlossene Öl- und Gasfelder die Ausschöpfung der aktuell genutzten Felder mehr als kompensieren werden. Der globale Marktanteil geht jedoch möglicherweise zurück, weil überall auf der Welt neue Ressourcen erschlossen werden. Die Schlüsselvariable wird auf lange Sicht sein, ob die Golfstaaten in der Lage sind, ein Wirtschaftszentrum zu werden, in dem auch die Menschenrechte der Fremdarbeiterschicht mehr Beachtung finden.

Katar könnte als Makler für die 30 Billionen Dollar aus Rohmetallen und Mineralien dienen. Die dortigen Ressourcen, die in China, Russland, Indien und Iran, aber auch bei Träumern in Amerika begehrt sind, können in dreißig Jahren den Stellenwert erhalten, den Öl und Gas heutzutage einnehmen, weil zwei Drittel der Produkte, die in vierzig Jahren hergestellt werden, mutmaßlich aus diesen Materialien stammen werden.

Die andere bedeutsame Frage wird sein, ob die unvermeidbar zunehmende Wohlstandsdifferenz zwischen und innerhalb der Staaten, die durch das Bretton Woods Bankensystem verursacht wurde, ausgeglichen wird. Sonst könnte Terrorismus globale Regel werden.

Besteht eine ernsthafte Chance für Demokratie und liberale Zivilgesellschaften in Arabischen und Islamischen Staaten, um Bürgerkriege und den Einfluss des religiösen Tribalismus zu verringern, womit der weltweite Demokratisierungsprozess, den wir vor Zwanzig Jahren in Mittel- und Osteuropa erfahren konnten, in dieser Region fortgesetzt werden kann?

Robert Crane: Das entspräche dem Vergleich von Äpfeln mit Orangen. Zunächst einmal gilt es festzustellen, dass kein arabisches Land mit Ausnahme vielleicht von Tunesien und eventuell noch Marokko islamisch ist.

In einer Jahrhunderte währenden, bis heute andauernden Periode hat Europa verschiedene Grade von individueller und nationaler Selbstbestimmung, einhergehend mit freier Marktwirtschaft erreicht, während die gesamte Arabische Welt seither, ausgenommen von der Kohlenwasserstoffproduktion, nicht einmal das Bruttosozialprodukt von Italien oder Spanien erreicht hat. Eine wichtige Folge daraus war, dass die europäischen Kolonialmächte sich in der Lage zeigten, das arabische Bewusstsein für individuelle und kollektive Identität zu zerstören, welches den wichtigsten Motivationsgeber für Kreativität, Ernsthaftigkeit und Arbeitsethik darstellt.

Hinzu kam die Unterstützung der europäischen Kolonialisten für tyrannische und sogar totalitäre Regierungen, um sicherzustellen, dass die Araber sich ihrer westlichen Ideologie des Modernismus unterwerfen würden, welche die traditionelle spirituelle Grundlage der arabischen Zivilisation ersetzt und stattdessen Nihilismus und ganze verlorene Generationen hervorgebracht hat.

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