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PI wieder klamm

Extremistische National-Christen in Not

Das rassistisch-fundamentalchristliche Internetportal „PI-News“ ist mal wieder in Geldnot. Kein Unternehmen, das Wert auf seinen guten Ruf legt, schaltet Werbung auf dem Portal. Diese Lücke schließen die Betreiber mit zeimlich fiesen Tricks – eine Art Sozialtourismus auf Kosten ihrer Anhänger.

VONAbraham Goldstein

Der Verfasser, geboren 1970 in Kansas, ist in NRW aufgewachsen. In den 1980er Jahren kehrte seine Familie zurück in die USA. Dort studierte er Politik und war als Journalist und Publizist tätig. Seit 2013 lebt er in Berlin.

DATUM29. September 2014

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RESSORTFeuilleton, Leitartikel

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Das rassistisch-fundamentalchristliche Internetportal „PI-News“ ist mal wieder in Geldnot. Und diesmal liegt es wohl an den Recherchen dieses Autors durch seine Anfragen bei Anzeigenkunden – auch wenn die Betreiber erneut als Grund angebliche „DDoS-Angriffe“ aus dem Internet als Grund angeben. Freilich ohne dass man bisher irgendeinen ernsten und regelmäßigen Ausfall oder sonstige Probleme des Hass-Portals bemerkt hätte. Vielmehr drängt sich der Eindruck auf, dass seit kurzem gezielt periodisch abgeschaltet wird, um seiner Fan-Gemeinde eine Dringlichkeit zu suggerieren – in zeitlicher Korrelation zu dem Beginn der Recherchen zu diesem Artikel und seinen mittelbaren Folgen.

Schon Ende 2012 hatten die anonymen Betreiber von „PI-News“ eine großangelegte Spendenkampagne durchgeführt, weil der Fortbestand ihres Portals gefährdet sei. Nach eigenen Angaben nahmen die anonymen Betreiber damals binnen kürzester Zeit 32.854,- Euro bis zum Stichtag 30.09.2012 ein. Der Erfolg solcher Aktionen veranlasste die Beteiligten offenbar auch schon vorher dazu, die Spendenkanäle professionell auf Lastschriftverfahren, Kreditkartenakzeptanz und Bezahldienste wie PayPal auszuweiten, wie man unschwer auf der Internetseite von „PI-News“ nachlesen kann.

Offenbar bringen die geschalteten Kleinanzeigen möglicherweise befreundeter und/oder PI-affiner Kleinunternehmer nicht genügend Tantiemen ein, um daraus einen nennenswerten Profit zu erzielen, den – so „PI“ – man aber dringend bräuchte, um sich an „große Gegner“ heranzuwagen: „In Zukunft möchten wir uns auch an große Gegner wagen und, wo es gerechtfertigt und notwendig ist, auch juristisch gegen unzutreffende Behauptungen über PI und unsere Leser und Kommentatoren vorgehen.“

Diese Begründung, so einsichtig sie auch für eindimensional denkende Leser klingen mag, entbehrt jedoch der Logik, wie ein extremistisches Portal, das von anonymen Betreibern und unfreiwillig enttarnten Autoren befüllt wird, mit dem gespendeten Geld gegen unbekannte „große Gegner“ antreten könnte – und worin dieses Vorgehen bestehen soll. Vielmehr liegt der Verdacht nahe, dass der Traum vom großen Geld noch nicht ausgeträumt ist, schließlich verdienen andere Portale mit ähnlich hohen Zugriffszahlen durchaus achtbares Geld.

Der schwere Schlag für PI-News kam vor einigen Wochen, als ich im Rahmen meiner Recherchen eine stark überladene Schaltung von Werbung aller Art auf dem Portal bemerkte und mir dabei die von großen Firmen wie Microsoft, Vodafone, Nokia oder Adidas auffiel. Bei solchen Firmen gibt es normalerweise einen Code of Conduct hinsichtlich der Zusammenarbeit mit Geschäftspartnern – und dieser verbietet in der Regel Verbindungen zu Extremisten und/oder moralisch fragwürdigen Geschäftsmodellen. Dass ein Blick auf die Seiten von PI-News genügt, um Xenophobie, Rassismus, und Homophobie sowie Diffamierungen und öffentliche Beleidigungen von Personen sofort als Teil der „Berichterstattung“ zu erkennen – größtenteils in süffisantem Ton und herabwürdigenden Formulierungen der Zielpersonen im schlechten Stile von Julius Streichers Nazizeitung „Der Stürmer“ im Dritten Reich. Kein Zweifel, „PI-News“ gibt seinen Lesern, was sie ausschließlich lesen wollen und führt sie in ihre eigene (Alb-)Traumwelt, die der “PI”-Austeiger Jens von Wichtingen, der heute eine Sprachschule in Südafrika betreibt und der als sich selbst outender „Verräter“ Ende 2007 zum Erstaunen vieler Beobachter auffällig milde und sachlich von „PI-News“ verabschiedet wurde, einmal als “sektenähnlich” beschrieb – aber dies entspricht nicht unbedingt den Werbezielen der Firmen, die ihre Werbebanner von Agenturen schalten lassen.

In der Tat wiesen die angefragten Firmen denn auch entsetzt die bewusste Vergabe der Werbeaufträge an PI-News von sich und stellten sie über die von ihnen beauftragten Agenturen nach ein paar Tagen ein. Übrig blieb lediglich die Bannerwerbung von (PC-)Spieleherstellern und dubiosen Kreditanbietern, die auf Anfragen gar nicht erst reagierten – und neuerdings ein Pseudo-„Browser-Hijacker“ namens Infolink, der als non malicious pay per click in text advertising platform“ bezeichnet wird.

Der Einbruch muss schwerwiegend gewesen sein, denn schon kurz darauf startete „PI“ den gleichen Spendenaufruf wie 2012 – dessen Informationen interessanterweise komplett entfernt wurden. Offenbar möchten die Betreiber nicht mehr, dass ihr damaliger Erfolg heute noch bekannt ist und nutzen die Methodik real-sozialistischer Geschichtsklitterung, die im Internetzeitalter schneller und einfacher ist als Bücherverbrennung und -umschreibung.

Die durch die von den Recherchen ausgelöste Werbeflaute versucht „PI-News“ derweil durch innovative Maßnahmen schlechterdings durch die Einbettung von Youtube-Videos auszugleichen, die im Vorspann Werbung von Google einspeist. Es liegt auf der Hand, dass dies nicht unbedingt uneigennützig erfolgt – es ist durchaus im Bereich des Möglichen, dass es eine Vereinbarung zwischen „PI-News“ und den entsprechenden Youtube-Usern gibt. Zudem hat „PI-News“ auch selbst einen Youtube-Account.

Die Erosion der Einnahmen durch Werbebanner schreitet jetzt jedoch unaufhaltsam voran, denn selbst die zwischenzeitlich eingeblendeten (kostenlosen) Banner von Non-Profitorganisationen wie die Alzheimer’s Association oder das Deutsche Rote Kreuz wurden jetzt offensichtlich abgezogen. Kate Meyer von der Alzheimer’s Association stellte klar, dass ihre Organisation für Weltoffenheit und nicht für Rassismus steht: „The Alzheimer’s Association is committed to diversity and taking steps to ensure we are not connected to media outlets that spreads this sort of rhetoric.“

Das Spendenkonto von „PI“ wird übrigens immer noch von der “Bürgerbewegung Pax Europa” bei der Baden-Württembergischen Volksbank Main-Tauber geführt, und vermutlich interessieren sich die Finanzbehörden nach wie vor nicht für den anonymen Geldfluss. Denn wo ein Grill-Fan unter der Feuerwehr nur Rauch riecht, könnte seiner Einschätzung nach ja auch nur ein Barbecue unter Freunden die Ursache sein.

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14 Kommentare
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  1. Jochen Hoff sagt:

    Oha. Als ich das letzte Mal so deutlich über PI urteilte, bekam ich einen toten Hund geschickt und jede Menge Drohanrufe und Mails . Das Unterstützernetzwerk funktioniert gut, solange die betreffenden Anonym bleiben können.

    Die „Bürgerbewegung Pax Europa“ sollte übrigens mal Udo Ulfottes Trinntbein zur Macht am rechten Hilmmel sein und hat sich sehr schnell entllarvt siehe hier http://www.duckhome.de/tb/archives/3827-Karikaturenstreit,-Rassismusauseinandersetzung-oder-geschickte-Taeuschung.html

    Aber auch wenn man sich offiziell getrennt hat, bin ich ziemlich davon überzeugt, dass die Herrschaften zwar getrennt marschieren aber trotzdem vereint auf das gleiche Ziel einschlagen.

  2. Rhanjid U. sagt:

    Wieso interessiert es den Finanzminister Dr. Nils Schmid (SPD) in Baden-Württemberg eigentlich nicht, was da in seinem Ländle passiert?
    Ich hab mir auch mal den verlinkten Artikel zur Geldwäsche angeschaut http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=20644 und finde das schon sehr bedenklich. Muß man in Deutschland erst einen Turban oder einen „°undeutschen“ Namen tragen bis die Ermittlungsbehörden mal vorbeischauen?
    Geht es dort so ruhig zu, daß die Mafia auch in aller Ruhe ihr Ding machen kann? Viele religiöse Sekten sind ja auch in BW ansässig, wie man hört.
    Wer sich von Grün-rot einen echten Politikwechsekl erhofft hat schaut jetzt in die Röhre

  3. Rasti sagt:

    Was genau macht PI News zu einem „christlichen“ Portal?

    Ich kann das nicht so ganz nachvollziehen. Die Beiträge dort sind alles andere als „christlich“.

  4. Maria sagt:

    „Extremistische National-Christen in Not“.

    Ich halte diese Überschrift für fehlerhaft.
    Die Anhängerschaft von PI_News ist ein loses Sammelsurium, das sich aus den verschiedennsten Richtungen zusammensetzt. Da gibt es ebenso Atheisten, die Muslime hassen, weil die religiös sind, sowie militante Christen, die Muslime hassen, weil sie die „falsche Religion “ haben.

  5. surviver sagt:

    Wieso kritisiert Herr Bosbach solche Nachrichtendienste nicht, die Hetze verbreiten?

  6. Antje sagt:

    @Maria
    Der Autor hat völlig recht, pi ist christlich rechtskonservativ und hat viel Ähnlichkeit mit den untergetauchten Nazi-Katholiban Kreuz.net.
    Du verwechselst hier wohl Betreiber und Leser dieser Hetzplattform.
    ob da nun Atheisten, Christen oder Exmuslime drunter sind ist doch völlig egal,weil sie eins eint: ihre Gier nach Hass.

  7. Rasti sagt:

    „ob da nun Atheisten, Christen oder Exmuslime drunter sind ist doch völlig egal,weil sie eins eint: ihre Gier nach Hass.“
    Wenn es sowieso egal ist, ob es Christen sind oder nicht,, warum wird es dann extra betont?

    Ich als Christ bin gar nicht glücklich darüber, mit diesem Leuten in einen Topf geworfen zu werden. Genauso wie es ja auch vielen Muslimen nicht gefällt, mit al-Qaeda oder den Salafisten in einen Topf geworfen werden.

  8. Jürgen sagt:

    „Ich als Christ bin gar nicht glücklich darüber, mit diesem Leuten in einen Topf geworfen zu werden. Genauso wie es ja auch vielen Muslimen nicht gefällt, mit al-Qaeda oder den Salafisten in einen Topf geworfen werden.“

    Ja, es ist irgendwie unangenehm, gell?
    So ergeht es aber nicht nur Muslimen bei uns, sondern überall in der westlichen Welt.

    Davon mal abgesehen: Stefan Herre und Michael Stürzenberger sind doch auch bekennende Christen. Wer einmal die eklig triefenden Seiten auf PI-News liest, der muß schon blind sein, um nicht die häufigen Bezüge zur (katholischen) Kirche zu sehen, insbesondere wenn es um erzkonservative Sprüche geht. Die Leserin Antje hat schon recht, mir kommt es oft so vor, als wäre da der ein oder andere in den Untergrund abgetauchte Schreiberling von „kreuznet“ auch bei PI aktiv.

    „Nicht jeder Christ ist PI-Nazi, aber alle PI-Nazis sind Christen“ – könnte man jetzt gemeinerweise behaupten, sag ich hier als Atheist.

  9. Gernot sagt:

    Zweckwidrige Kontobewegungen solchen Ausmaßes sind üblicherweise hinreichender Grund für eine fristlose Kontokündigung. Aber die Ausnahme kommt immer zur rechten Zeit.

  10. Aslan sagt:

    An Herrn Hoff:
    Ja So sind sie, unsere PIpifanten, zeigen immer gern „Allemigrantensindkriminelle“ und scheuen sich aber nicht, selbst zur Gewalt und feigen anonymen Anschlägen zu greifen.
    Schade daß Herr Goldstein keine Namen nennt aber der VS beobachtet ja nur Muslime und keine arischen Extremisten. Aber wer weiß, der Verfassungsschutz bezahlt ja auch Neonazis, sogar inklusive Urlaubsgeld wie ich gelesen habe
    http://newzs.de/2014/08/31/neonazi-szene-zahlte-der-staat-fuer-afrika-trip-von-v-mann-brandt/

    Ghh


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