PI wieder klamm

Extremistische National-Christen in Not

Das rassistisch-fundamentalchristliche Internetportal „PI-News“ ist mal wieder in Geldnot. Kein Unternehmen, das Wert auf seinen guten Ruf legt, schaltet Werbung auf dem Portal. Diese Lücke schließen die Betreiber mit zeimlich fiesen Tricks – eine Art Sozialtourismus auf Kosten ihrer Anhänger.

Das rassistisch-fundamentalchristliche Internetportal „PI-News [1]“ ist mal wieder in Geldnot. Und diesmal liegt es wohl an den Recherchen dieses Autors durch seine Anfragen bei Anzeigenkunden – auch wenn die Betreiber erneut als Grund angebliche „DDoS-Angriffe [2]“ aus dem Internet als Grund angeben. Freilich ohne dass man bisher irgendeinen ernsten und regelmäßigen Ausfall oder sonstige Probleme des Hass-Portals bemerkt hätte. Vielmehr drängt sich der Eindruck auf, dass seit kurzem gezielt periodisch abgeschaltet wird, um seiner Fan-Gemeinde eine Dringlichkeit zu suggerieren – in zeitlicher Korrelation zu dem Beginn der Recherchen zu diesem Artikel und seinen mittelbaren Folgen.

Schon Ende 2012 hatten die anonymen Betreiber von „PI-News“ eine großangelegte Spendenkampagne durchgeführt, weil der Fortbestand ihres Portals gefährdet sei. Nach eigenen Angaben [3] nahmen die anonymen Betreiber damals binnen kürzester Zeit 32.854,- Euro bis zum Stichtag 30.09.2012 ein. Der Erfolg solcher Aktionen veranlasste die Beteiligten offenbar auch schon vorher dazu, die Spendenkanäle professionell auf Lastschriftverfahren, Kreditkartenakzeptanz und Bezahldienste wie PayPal auszuweiten, wie man unschwer auf der Internetseite von „PI-News“ nachlesen kann.

Offenbar bringen die geschalteten Kleinanzeigen möglicherweise befreundeter und/oder PI-affiner Kleinunternehmer nicht genügend Tantiemen ein, um daraus einen nennenswerten Profit zu erzielen, den – so „PI“ – man aber dringend bräuchte, um sich an „große Gegner“ heranzuwagen: „In Zukunft möchten wir uns auch an große Gegner wagen und, wo es gerechtfertigt und notwendig ist, auch juristisch gegen unzutreffende Behauptungen über PI und unsere Leser und Kommentatoren vorgehen.“

Diese Begründung, so einsichtig sie auch für eindimensional denkende Leser klingen mag, entbehrt jedoch der Logik, wie ein extremistisches Portal, das von anonymen Betreibern und unfreiwillig enttarnten Autoren befüllt wird, mit dem gespendeten Geld gegen unbekannte „große Gegner“ antreten könnte – und worin dieses Vorgehen bestehen soll. Vielmehr liegt der Verdacht nahe, dass der Traum vom großen Geld noch nicht ausgeträumt ist, schließlich verdienen andere Portale mit ähnlich hohen Zugriffszahlen durchaus achtbares Geld.

Der schwere Schlag für PI-News kam vor einigen Wochen, als ich im Rahmen meiner Recherchen eine stark überladene Schaltung von Werbung aller Art auf dem Portal bemerkte und mir dabei die von großen Firmen wie Microsoft, Vodafone, Nokia oder Adidas auffiel. Bei solchen Firmen gibt es normalerweise einen Code of Conduct hinsichtlich der Zusammenarbeit mit Geschäftspartnern – und dieser verbietet in der Regel Verbindungen zu Extremisten und/oder moralisch fragwürdigen Geschäftsmodellen. Dass ein Blick auf die Seiten von PI-News genügt, um Xenophobie, Rassismus, und Homophobie sowie Diffamierungen und öffentliche Beleidigungen von Personen sofort als Teil der „Berichterstattung“ zu erkennen – größtenteils in süffisantem Ton und herabwürdigenden Formulierungen der Zielpersonen im schlechten Stile von Julius Streichers Nazizeitung „Der Stürmer“ im Dritten Reich. Kein Zweifel, „PI-News“ gibt seinen Lesern, was sie ausschließlich lesen wollen und führt sie in ihre eigene (Alb-)Traumwelt, die der “PI”-Austeiger Jens von Wichtingen, der heute eine Sprachschule in Südafrika betreibt und der als sich selbst outender „Verräter“ Ende 2007 zum Erstaunen vieler Beobachter auffällig milde und sachlich von „PI-News“ verabschiedet wurde, einmal als “sektenähnlich” [4] beschrieb – aber dies entspricht nicht unbedingt den Werbezielen der Firmen, die ihre Werbebanner von Agenturen schalten lassen.

In der Tat wiesen die angefragten Firmen denn auch entsetzt die bewusste Vergabe der Werbeaufträge an PI-News von sich und stellten sie über die von ihnen beauftragten Agenturen nach ein paar Tagen ein. Übrig blieb lediglich die Bannerwerbung von (PC-)Spieleherstellern und dubiosen Kreditanbietern, die auf Anfragen gar nicht erst reagierten – und neuerdings ein Pseudo-„Browser-Hijacker“ namens Infolink, der als [5]non malicious [5] pay per click [5]in text advertising platform“ [5] bezeichnet wird.

Der Einbruch muss schwerwiegend gewesen sein, denn schon kurz darauf startete „PI“ den gleichen Spendenaufruf wie 2012 – dessen Informationen interessanterweise komplett entfernt wurden. Offenbar möchten die Betreiber nicht mehr, dass ihr damaliger Erfolg heute noch bekannt ist und nutzen die Methodik real-sozialistischer Geschichtsklitterung, die im Internetzeitalter schneller und einfacher ist als Bücherverbrennung und -umschreibung.

Die durch die von den Recherchen ausgelöste Werbeflaute versucht „PI-News“ derweil durch innovative Maßnahmen schlechterdings durch die Einbettung von Youtube-Videos auszugleichen, die im Vorspann Werbung von Google einspeist. Es liegt auf der Hand, dass dies nicht unbedingt uneigennützig erfolgt – es ist durchaus im Bereich des Möglichen, dass es eine Vereinbarung zwischen „PI-News“ und den entsprechenden Youtube-Usern gibt. Zudem hat „PI-News“ auch selbst einen Youtube-Account.

Die Erosion der Einnahmen durch Werbebanner schreitet jetzt jedoch unaufhaltsam voran, denn selbst die zwischenzeitlich eingeblendeten (kostenlosen) Banner von Non-Profitorganisationen wie die Alzheimer’s Association oder das Deutsche Rote Kreuz wurden jetzt offensichtlich abgezogen. Kate Meyer von der Alzheimer’s Association stellte klar, dass ihre Organisation für Weltoffenheit und nicht für Rassismus steht: „The Alzheimer’s Association is committed to diversity and taking steps to ensure we are not connected to media outlets that spreads this sort of rhetoric.“

Das Spendenkonto von „PI“ wird übrigens immer noch von der “Bürgerbewegung Pax Europa” bei der Baden-Württembergischen Volksbank Main-Tauber geführt, und vermutlich interessieren sich die Finanzbehörden nach wie vor nicht für den anonymen Geldfluss. Denn wo ein Grill-Fan unter der Feuerwehr nur Rauch riecht, könnte seiner Einschätzung nach ja auch nur ein Barbecue unter Freunden die Ursache sein.