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Migration und Integration in Deutschland

Wenn ich mir die Hauptschulen in Ballungszentren anschaue, sehe ich es als zentralen bildungspolitischen Auftrag für diese Schulart, dass sie […] Schülern ein niederschwelliges Bildungsangebot macht […]. Gerade für Jugendliche mit Migrationshintergrund.

Präsident der Kultusministerkonferenz Ludwig Spaenle (CSU), taz, 20. Januar 2010

Interkulturelle Woche eröffnet

Engagierteres Eintreten für Flüchtlinge

In Stuttgart wurde die Interkulturelle Woche unter dem Motto „Gemeinsamkeiten finden – Unterschiede feiern“ zum Thema Migration offiziell eröffnet. In mehr als 500 Städten und Gemeinden sind Aktionen geplant.

Mit einem ökumenischen Gottesdienst ist am Freitagabend in Stuttgart die bundesweite Interkulturelle Woche eröffnet worden. Der Bischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Frank Otfried July, forderte ein engagierteres Eintreten für Flüchtlinge in Deutschland. Für Menschen, die ihre Heimat verloren hätten, müsse „ohne Rücksicht auf die Kassenlage und sonstige Befindlichkeiten“ gesorgt werden, sagte July.

Zu der am Freitag im Bundesrat beschlossenen Einstufung von drei Balkanstaaten als sichere Herkunftsländer kündigte der Bischof an, die Kirche werde bei aller Anerkennung der „Notwendigkeit zum Kompromiss“ strikt darauf achten, dass damit keine unbarmherzigen menschlichen Schicksale verbunden seien.

Mehr religiöse Erziehung
Bis zum 27. September sind bei der Interkulturellen Woche unter dem Motto „Gemeinsamkeiten finden – Unterschiede feiern“ Aktionen zum Thema Migration in mehr als 500 Städten und Gemeinden geplant. Initiatoren sind die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), die katholische Deutsche Bischofskonferenz sowie die Griechisch-orthodoxe Metropolie.

Für die interkulturelle Begegnung ist es nach Ansicht Julys wichtig, dass sich Menschen ihrer eigenen Kultur und Religion bewusst sind. Deshalb brauche es in Deutschland mehr religiöse Erziehung und nicht weniger. Die Kirchen rief er angesichts der Vertreibungen im Irak und in Syrien dazu auf, alles dafür zu tun, dass im Vorderen Orient die Präsenz der Christen erhalten bleibe.

Die Migrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoğuz (SPD), sagte, in Deutschland müsse sich heute beweisen, ob die Integrationsarbeit der vergangenen Jahrzehnte die Gesellschaft stabiler und weniger anfällig für Diskriminierung gemacht habe. Eine pluralistisches Gesellschaft müsse es manchmal aushalten, wenn etwa Muslime eine Moschee errichten wollten, die im Stadtbild erkennbar sei. Özoguz dankte den zahlreichen Flüchtlingsinitiativen in Kirchen und Zivilgesellschaft für ihre Arbeit. „Antisemitismus, Islamfeindlichkeit oder Antiziganismus haben keinen Platz in unserem Land“, betonte sie.

Download: Hier finden Sie das Heft zu den Interkulturellen Wochen 2014 als kostenlosen Download.

Deutschland ist ein Zuwanderungsland
Der Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst, nannte Deutschland ein Zuwanderungsland. Die Flüchtlingsbewegungen stellten Europa vor ganz neue Herausforderungen. Zur Situation im Nordirak sagte er, es müssten alle Anstrengungen unternommen werden, „um weiteres Elend in den Krisengebieten abzuwenden und den Menschen, die zu uns kommen, Heimat zu ermöglichen“. Am Gottesdienst nahm auch der Bischof der Griechisch-Orthodoxen Metropolie, Vasilios Tsiopanas von Aristi, teil.

Während der Interkulturellen Woche organisieren die Kirchen gemeinsam mit Gewerkschaften, Sozialverbänden, Kommunen und Migrantenvereinen deutschlandweit Begegnungsfeste, Lesungen, Friedensgebete, Vorträge, Filmabende oder Sportturniere. Gesellschaftliche Initiativen und staatliche Stellen rücken während der Interkulturellen Woche die Situation von Migranten und Flüchtlingen in den Fokus. Dabei werden auch der Nahost-Konflikt oder die Situation der Roma thematisiert. Die Interkulturelle Woche wird seit 1975 veranstaltet, anfangs noch unter dem Namen „Tag des ausländischen Mitbürgers“. (epd/mig)

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