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Sigmar Gabriel (SPD-Chef), dpa, 7. Oktober 2010

Buchtipp zum Wochenende

Adnan für Anfänger

Als Schauspieler bringt er Menschen zum Lachen, als Kulturbotschafter setzt er sich für Dialog ein und als Autor hält er Details fest. „Adnan für Anfänger – Mein Deutschland heißt Almanya“ heißt die Autobiografie der Person hinter dem Kriminalbeamten Metin Öztürk aus „Türkisch für Anfänger“ – MiGAZIN bringt die erste Rezension exklusiv schon vor dem Verkaufsstart am 22. September:

VONRukiye Cankıran

 Adnan für Anfänger
Die Autorin - geboren 1971 in Hamburg - machte nach dem Abitur eine Ausbildung zur Fremdsprachenkorres- pondentin, studierte "Angewandte Kulturwissen- schaften" in Lüneburg. Sie arbeitete 1997 bis 2004 als Dolmetscherin, Übersetzerin, Kinoredakteurin und freie Journalistin. Seit 2005 hauptberuflich tätig in EU-Projekten mit Themenschwerpunkten Integration und Diversity. Nebenberuflich ist sie als Dozentin für die türkische Sprache tätig, organisiert in diesem Rahmen Literaturseminare, Leseabende, Istanbul-Seminare und -Reisen.

DATUM19. September 2014

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RESSORTAktuell, Rezension

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Auf 250 Seiten erzählt Adnan Maral, wie es sich anfühlt, Türke in Deutschland zu sein. Dabei hilft ihm seine langjährige Erfahrung als Schauspieler und Weltbürger. Mit Humor und Charme entführt er den Leser vom Wartezimmer einer Arztpraxis in seine große, weite Welt. Geboren 1968 in Anatolien als jüngster von drei Jungs wuchs er in Frankfurt auf. Die Türkei kannte er jahrelang nur aus dem Sommerurlaub – wie so viele Gastarbeiterkinder.

Schon als Schüler entdeckte Adnan Maral seine Leidenschaft zum Theater und studierte nach dem Abitur Schauspiel und Theater. Durch seine Rolle als Metin Öztürk in der Serie „Türkisch für Anfänger“ erreichte er zunächst in den Wohnzimmern ein breites Publikum, anschließend im Kino.

Sein Buch ist eine Autobiographie, gleichzeitig gelingt ihm ein Porträt seiner Heimat Almanya. Außenminister Frank-Walter Steinmeier meint in seinem Vorwort sogar: „es ist ein kleiner Bildungsroman für unser Land.“ Na, dann wurde es ja Zeit, dass jemand mal so etwas schreibt! könnte man meinen.

Aber es gibt schon so viele Stories von Deutschtürken. Um nur einige zu nennen, Leben und Leiden à la Turca gibt es in „Candlelight Döner“ von Aslı Sevindim, „So wie ich will“ von Melda Akbaş, Kerim Pamuks Welt der Türken in Almanya in seinen politisch nicht immer korrekten Erzählungen oder auch die Familiengeschichte der bekannten Moderatorin Nazan Eckes „Guten Morgen Abendland“, nicht zu vergessen Hatice Akyüns Suche nach dem richtigen Hans oder doch vielmehr Ali. Die Geschichte ihres Buches „Einmal Hans mit scharfer Soße“ wurde verfilmt und läuft noch in einigen Kinos, also brandaktuell.

All diese Geschichten zeigen, dass es einen großen Bedarf gibt in diesem Land, mehr über die ehemaligen Gastarbeiter und vor allem über ihre Kinder und deren interessante Leben zu erfahren. Denn interessant und vor allem reich an interkulturellen Begegnungen sind die Perspektiven dieser Personen, die Bikulturalität im Alltag erleben und leben. Es sind Erlebnisse, die Charakter, Persönlichkeit und den Umgang mit anderen Menschen prägen.

Adnan Maral fragt in seinem Buch nach seinen Wurzeln, beschäftigt sich mit Türken in Bayern und der Unterwürfigkeit der Gastarbeiter der ersten Stunde. Er spricht das an, was viele in Deutschland lebende Türken sich wünschen: einen Dialog auf Augenhöhe. Der Schauspieler ist offen, gewährt dem Leser Einblick in sein Familienleben, erzählt von seiner Frau und seinen Kindern. Er berichtet auch über seine beruflichen Erfolge, auf die er stolz sein kann. Seit über zwanzig Jahren ist der Mime sowohl auf der Theaterbühne, auf dem Fernsehbildschirm und der Kinoleinwand zu sehen.

Als Kulturschaffender hat Adnan Maral ganz andere Möglichkeiten Integrationsthemen anzusprechen als dies für einen Politiker möglich wäre. Er tut das in dem Kapitel „Adnan bei den Schweizern“. Hier schildert er sehr amüsant den Wunsch vieler Türken nach der Doppelstaatsbürgerschaft am Beispiel seiner Ehefrau, der es als Schweizerin erlaubt ist, zwei Pässe zu besitzen. „Die Dütschu und die Schwietzer haben seit 2007 eine neue Abmachig… erklären ihm die Beamten, als der Schauspieler erstaunt ist, dass Doppelstaatsbürgerschaft in Deutschland möglich ist.“

Die Eidgenossen und ihre Sonderwege könnte man meinen, wenn dieses Thema nicht so umstritten wäre. Im Wartezimmer sitzend macht Adnan Maral sich Gedanken um seinen Namen. „Adnan bedeutet Sohn des Mohammed, das ist vielleicht wirklich zu heikel für christliche Politiker. Ich könnte stattdessen Adrian heißen, Adrian Müller.“ Zwar wären damit seine dunklen Haare, Augen und Augenbrauen noch sehr südländisch, aber das ist ja ein anderes Thema.

Es macht Spaß, die kurzen Kapitel zu lesen, der Schauspieler hat bewiesen, dass er auch gut erzählen kann. Türkische Leser werden vieles aus seinen Anekdoten wieder erkennen und schmunzeln, auch über ihre eigenen Vorurteile. Deutsche Leser werden auch schmunzeln, wenn sie lesen worunter so manch ein Türke leidet und können diesen dann bei einer eventuellen Begegnung besser verstehen. Vielleicht kommen im Wartezimmer beim Arzt die einen oder anderen deutsch-türkischen Gespräche zustande.

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Ein Kommentar
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  1. surviver sagt:

    KULTURBOTSCHAFTER?
    OOH, hört sich ja seehr intellektuell an.
    Meiner Meinung nach setzt er sich mehr für Assimilation in Form von Atheismus ein als mehr für Integration. Hierbei schreckt er in er in seiner Serie,“Türkisch für Anfänger“, was ein breites Spektrum in deutschen Wohnzimmern erreichen soll, auch nicht vor Blasphemie und Stigmatisierung zurück.
    Was für ein Bild von „dem Türken“ oder „die Türkin“ repräsentiert er in seiner Serie? Der Mann ist ein Macho der Alles darf und die dumme Türkin darf Nichts außer ein Kopftuch tragen und Schweinefleisch essen. Nachdem Motto „Allah sieht es ja eh nicht“.
    Willkommen im Club von Fatih Akin und Sibel Kekilli.



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