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Wenn Ausländer […] von der einheimischen Bevölkerung als Konkurrenten um Arbeitsplätze […] und als Bedrohung der Sicherheit […] wahrgenommen werden, dann erhöht die vermehrte Sichtbarkeit der Migranten dieses Gefühl […]

Forschungsverbund „Probleme der Ausländerbeschäftigung“ / 1979, 1979

Wahn & Sinn

Frieden schaffen…mit schweren Waffen

Tja, was soll ich sagen? Man hofft immer, dass es irgendwann besser wird. Aber das wird es nicht: Life sucks, and then you die – die neue Kolumne von Sven Bensmann.

VONSven Bensmann

 Frieden schaffen…mit schweren Waffen
Der Verfasser (geb. 1983 bei Osnabrück), hat Philosophie, mittlere und neuere Geschichte, sowie europäische Ethnologie in Kiel studiert und einige Jahre von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt ein politisches Blog betrieben. Heute ist sein Blog erreichbar unter s10n.tk

DATUM19. August 2014

KOMMENTARE9

RESSORTAktuell, Meinung

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Ein PR-Desaster allererster Güte haben sich die NordAtlantische TötungsOrganisation und der putineske Provinzpolitiker und doofdreiste Despot Erdogan da mal wieder geleistet. Um den eigenen Einfluss in der Region auszubauen, hatten beide, mitunter unabhängig voneinander, Milizen in Syrien unterstützt – die Türkei eine Gruppierung, die sich zunächst nach der heidnischen Gottheit ISIS benannt hatte, die später dann mal ISIR, und heute einfach IS genannt wird.

Diese fällt nun derzeit vor allem dadurch auf, dass sie im Irak Kurden, Jesiden, Christen, anderglaubende Muslime, und überhaupt auch alle anderen, die nicht Teil von IS sind, massakriert. Insbesondere die PKK, die der NATO weiter als Terrororganisation gilt, fällt nun wiederum dadurch auf, dass sie unter Einsatz des eigenen Lebens genau diesen Menschen die Flucht vor IS ermöglicht, Korridore zur Evakuierung erkämpft und somit diesem Terror die Stirn bietet.

Was im Grunde nicht mehr ist als eine weitere Episode in der ewigen Geschichte des Irak seit der letzten Episode von Saddam-ist-unser-bester-Freund-ähh-wir-meinen-ein-Kriegsverbrecher, wird dadurch, dass die PKK nun als legitimer Partner und Ziel von westlicher Aufrüstung gesehen wird, geradezu tragikomisch: Selbst deutsche Politiker der Linken fordern die Lieferung von Großwaffen an die Truppen, die einen bewaffneten Kampf gegen den NATO-Staat Türkei führen. Soweit sind die Büchsenmacher und ihre Lakaien im Parlament bisher selten gegangen.

Dieses wiederum ist nun auch ganz doof für die Kriegstreiber in der Linken: Ausgerechnet die einzige Partei, die in Deutschland noch halbwegs glaubwürdig für Frieden eintritt, spricht sich für Waffenexporte in ein Krisengebiet aus, sogar an Personen, die offiziell als Terroristen gelten und einen Bündnispartner bedrohen – zumindest wenn man der offiziellen Linie der türkischen Politik folgt. Gysi, der seinerseits inzwischen dafür steht, sämtliche Prinzipien auf dem Altar der „Koalitionsfähigkeit“ zu opfern, nur um in Zukunft mit SPD und Grünen zusammen Merkelpolitik machen zu dürfen, sieht sich einem milden Shitstorm ausgesetzt, weil es in seiner Partei – solche soll es vereinzelt sogar noch bei den Grünen geben, dort trauen sie sich aber nicht mehr, laut zu reden – noch Menschen zu geben scheint, die das mit dem Pazifismus tatsächlich ernst nehmen.

Dass diese Prinzipientreue auch wieder als Zeichen von Regierungsunfähigkeit gedeutet werden wird, auch, wenn die Idee selbst ebenfalls nicht auf Gegenliebe gestoßen ist, beweist eigentlich nur eines:

In der Politik ist der Wahnsinn Methode.

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9 Kommentare
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  1. Wendy sagt:

    Vielleicht möge der Autor sich mal Filme wie „Clanging of the Swords IV“ anschauen und danach überlegen ob sein „Pazifismus“ in der Region da auch nir irgendwie hilfreich ist…

    Ich musste mir für ein Referat solche Filme anschauen. Danach hat sich meine Meinung zum Thema „keine Waffen in Krisenregionen“ geändert.
    Denen ist mit „Pazifismus“ nämlich nicht beizukommen.

  2. Rüdiger sagt:

    „Ausgerechnet die einzige Partei, die in Deutschland noch halbwegs glaubwürdig für Frieden eintritt, spricht sich für Waffenexporte in ein Krisengebiet aus,…“ Die Partei spricht sich nicht für Waffenexporte aus, nur einer, auch wenn es ein Spitzenmann will, aber es es einer und dieser hat außerdem inzwischen zurück gerudert.

  3. osiris sagt:

    Nunja, dem Artikel ging nicht so viel Recherche voraus. Schön wäre es, sollte die PKK unterstützt werden (oder ihren Status als Terrororganisation verlieren, was längst überfällig wäre). Aber die US-Unterstüzung wie auch die Deutsche wird an die Peschmerga bzw die irakischen Autonomieregierung unter Barzani gehen. Also an Leute die selbst im Angesicht des Genozids an den Yeziden noch Machtspiele spielen und sich zeitweise ganz aus der Region zurückzogen.

    Ansonsten wäre ein Vorschlag Recht und Billig wie ISIS denn ganz pazifistisch ausgeschaltet werden soll. Da wäre dann vielleicht auf den Spruch von Gandhi zu verweisen, wo er meint das es besser ist gewalttätig zu sein als nichts zu tun…

  4. Wolfgang sagt:

    Plötzlich sind die kurdischen Kämpfer Helden und sollen deutsche Waffen bekommen. Bis gestern galten die noch als verfassungsfeindlich und verboten. Merkt denn niemand, was hier für geostrategische Spielchen gespielt werden?!? Die Kurden sind nun zu guten Terroristen avanciert, weil es nun gilt den Irak aufzuteilen. Cui bono ???!!!

  5. posteo sagt:

    Der Irak ist ein von den Siegermächten des 1. Weltkriegs geschaffenes Kunstgebilde, das zuerst nur durch die von den Engländern eingesetzte Monarchie und seit seiner Unabhängigkeit nach zahlreichen Parteiputschen schließlich nur durch die gnadenlose Diktatur unter Saddam Hussein zusammen gehalten wurde.
    Wenn der Irak über den aktuellen Terrorkrieg in seine ehemaligen Teilprovinzen zerfällt, ist das nichts anderes als der Rückbau Jugoslawiens in seine ursprünglichen Teilstaaten.
    Die Kurden ihrerseits sind auch keine homogene Gruppe, sondern lassen sich grob in die irakischen Kurden, die türkischen PKK-Anhänger und die kurdischen Türkei-Anhänger unterteilen. Die irakischen Kurden haben mit der türkischen PKK politisch nicht allzuviel zu tun. Eine Waffenlieferung an die irakischen Kurden wird deshalb nicht zwangsläufig zu Kurdenaufständen in der Türkei führen.
    Das Vorgehen der IS-Kämpfer ist derart barbarisch, dass eine bewaffnete Gegenwehr unvermeidlich ist. Mit Luftangriffen allein sind Guerillakriege nicht zum Stillstand bringen.

  6. Wolfgang sagt:

    @posteo
    Natürlich ist das barbarisch, keine Frage. Nur, haben wir diese Barbarei gerade der US Army zu verdanken, das sollten man bedenken. Die IS ist ein künstlich geschaffenes Phänomen, das weder im Islam, noch in der muslimischen Welt Rückhalt findet.

  7. posteo sagt:

    @Wolfgang.

    Natürlich die USA! Schon Hitler wurde ja, wie allgemein bekannt, von den USA installiert, um den Bolschewismus aufzuhalten. Leider lief das Ganze dann aus dem Ruder.
    Ne jetzt Scherz beiseite. Was ändert es an der Bedrohung und der sinnvollsten Gegenwehr, wer die Brüder aufgebaut hat?

    Die prominentesten Fürsprecher für eine Bewaffnung der Kurden sind übrigens die beiden Grünen-Politiker Noripour und Özdemir.

  8. surviver sagt:

    @Wolfgang:

    haben die vor den Irak zu zerstückeln (wegen hiesigen Ölvorkommen) oder hat das was mit dem Wahlsiegt von Erdogan zu tun.
    Die PKK wird angeblich auf einmal gebraucht. ????
    Hab das Gefühl am liebsten würden die auch die Türkei zerstückeln wenn sie könnten.
    Davon können die weiter träumen.

  9. posteo sagt:

    Es geht um Waffenleferungen in den Irak. Inwieweit die türkischen Kurden ihren Volksverwandten im Irak zur Hilfe eilen, weiß ich nicht, aber dass auch aus der Türkei eine ganze Reihe junger Männer als ISIS-Kämpfer aufgebrochen sind, ist bekannt.
    Und dann möchte ich nochmals meinen vorherigen Beitrag aufgreifen und die Frage stellen, warum das Kunstgebilde IRAK mit aller Gewalt zusammen gehalten werden muss, wenn dies bislang nur unter diktatorischen Bedingungen möglich war?



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