MiGAZIN

Migration und Integration in Deutschland

Demnach waren die Arbeitgeber bestrebt, diejenigen ausländischen Arbeitnehmer zu halten, die sich in mehrjähriger Beschäftigung bewährt hatten, zumal bei ihnen die Anpassungs- und hier vor allem die Sprachschwierigkeiten … überwunden waren.

Bundesanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung, 1968

V-Mann Felten

So geht Demokratie!

V-Mann Felten war wieder unterwegs: Nach einem Kurzaufenthalts in Köln während der Rede des türkischen Premiers Erdoğan checkt er die Doppelpässe ab in der „Die Zeit“-Redaktion. Endstation ist die CSU Parteizentrale, wo derzeit über eine Kumpanei mit der AKP nachgedacht wird.

VONWerner Felten

 So geht Demokratie!
Der Autor übernahm 1999 die Leitung des ersten türkischsprachigen Radios in Berlin. Von Radio hatte er eine Ahnung, von Türken nicht. Radio ist Radio dachte er sich. Das änderte sich aber schlagartig am 11.9.2001, als die Deutschen entdeckten, dass die Türken Muslime sind. Da ging es dann mit Integrationsdebatten los. Felten fand sich schnell in unzähligen Debatten, Gipfeln und Podiumsdiskussionen zu diesem Thema wieder. Ihn wunderte es, dass seine von ihm geschätzten türkischen Kollegen, Mitarbeiter und Freunde auf einmal alle Problemfälle sein sollten. Nachdem er 2007 die Leitung des Radiosenders abgegeben hatte, veröffentlichte er sein Buch „Allein unter Türken“, in dem er auf die Absurditäten der Debatte über die Integration hinwies. Heute schreibt er u.a. für die Deutsche Welle, moderiert und macht Comedy zum Thema Integration. Felten lebt gerne in Berlin, auch wenn er manchmal überlegt, ob er in die Türkei emigrieren solle.

DATUM30. Mai 2014

KOMMENTARE4

RESSORTAktuell, Meinung

SCHLAGWÖRTER , , ,

DRUCKENAnsicht

MEHR ZUM ARTIKEL

DANKE,
ich möchte MiGAZIN auch in Zukunft lesen!

Der zornige Mann vom Bosporus war da und mit ihm gleich 65.000 Demonstranten, die gegen ihn waren. Die für ihn im Saal waren, hat er als seine Geschwister bezeichnet. Wer will denn so einen zum Bruder haben? Dessen Berater wehrlose Menschen tritt und schlägt, um sich anschließend krankschreiben zu lassen. In Deutschland wäre so was nicht passiert, so einen hätte man zum Koordinator für die Geheimdienste ins Kanzleramt befördert.

So viele Demonstranten wie in Köln hat man vor dem Sitz des deutschen Verfassungsschutzes in der gleichen Stadt gegen die NSU Morde noch nicht gesehen. Zurück in sicheren Gefilden hat der „große Imperator“ noch mal nach gelegt. Die Europawahl hätte gezeigt, dass die Europäer zu wenig gegen Rechtsradikale unternähmen. Hoffentlich schickt er seine Berater nach Europa. Sie sollten aber auf jeden Fall mehr als 65.000 Euro im Jahr verdienen, sonst bekommen sie von der Ausländerbehörde keine Arbeitserlaubnis. Auf den Cem Özdemir war er besonders böse und hat ihn als „so genannten Türken“ bezeichnet: Keine wirklich neue Erkenntnis.

Warum es keine doppelte Staatsbürgerschaft für die Türken in Deutschland geben wird, hat eindrucksvoll Giovanni di Lorenzo bestätigt. Als Chefredakteur einer evangelikalen Wochenzeitschrift muss man ihn in Schutz nehmen. Wie soll sich denn jemand, bei so einem Beruf im europäischen Wahlrecht auskennen. Wahrscheinlich hat er bei seiner Einstellung den Staatsbürgerschaftstest geschwänzt.

Unvorstellbar, in der Türkei wählen die Deutschtürken die AKP und in Deutschland die SPD. Die Partei, die der religiösen AKP am nächsten steht, die von der katholischen Kirche dominierte CSU, würde leer ausgehen. Insgeheim soll aber die bayerische Staatspartei schon Gespräche mit der AKP auf genommen haben. Ja zur Mitgliedschaft der Türkei in die europäische Gemeinschaft, wenn die Stimmen der Deutschtürken für die AKP in der Türkei der CSU in Deutschland zugerechnet werden. Ein Vorgang, der bestimmt bei der Chefredaktion „Der Zeit“ auf vollstes Verständnis stoßen wird. So geht Demokratie!

Gott bzw. Allah sei Dank, dass die Mutti da ein Auge drauf hat. Die Frau ohne Eigenschaften hat es den Berufstürken überlassen, was zum Besuch des türkischen Ministerpräsidenten zu sagen. Das war eine gute Idee, denn diese haben nichts gesagt.

Testen Sie den kostenlosen MiGAZIN Newsletter:

4 Kommentare
Diskutieren Sie mit!»

  1. Leo Brux sagt:

    Merkel „hat es den Berufstürken überlassen, was zum Besuch des türkischen Ministerpräsidenten zu sagen. Das war eine gute Idee, denn diese haben nichts gesagt.“

    Ich glaube, die Moscheeverbandsfunktionäre sind in Schockstarre.

    Sie sind pro Erdogan, wie die allermeisten ihrer Moscheevereinsmitglieder, sind sich aber zugleich klar darüber, dass es das Aus aller Kooperation mit deutschen Behörden, Politikern, Vereinen, Kirchen etc. bedeuten würde, wenn sie es laut sagen würden.

    Sie sitzen in der Falle. In der Erdoganfalle.

    Mal sehen, wie lange die Schweige-Strategie hält. Wenn sie dann eines Tages nicht mehr hält — was dann?

    Erdogan zu unterstützen heißt, die Demokratie zu verraten. Heißt: Dieser (!) Islam ist mit Demokratie nicht vereinbar. Denn Erdogan reduziert die Gewaltenteilung auf Null und wird seine kommende Allmacht wohl dazu nutzen, ein islamistisches Regime in der Türkei aufzuziehen. Das ist noch weitgehend Zukunftsmusik, aber es ist leider wahrscheinlich, dass es so kommt. Für die vier sunnitischen Dachverbände heißt das, dass sie dann wohl unter Beobachtung des Verfassungsschutzes gestellt werden müssen.

    Aber auch jetzt schon – noch gibt es ein paar institutionelle Widerstände und ein paar Medien in der Türkei – ist es doch erstaunlich, wenn die Vertreter unserer Moscheevereine so tun, als ob sie nicht wüssten, wie man Demokratie definiert.

    Denen, die im Moment noch mit den Vertretern der Islamvereine in Verhandlung stehen – etwa bezüglich Religionsunterricht und Universitätslehrstühlen – würde ich raten, die von mir angedeuteten düsteren Aussichten vorab in Betracht zu ziehen. Sich also darauf vorzubereiten, dass es bald krachen wird.

  2. walter sagt:

    Setzen Sie sich doch lieber für den Frieden ein, als zu wünschen, dass es „blad krachen“ wird.
    Und gehen Sie doch einfach in die Moscheeverbände und fragen die Leute dort selbst nach Ihrer Meinung bevor Sie hier Ihre düsteren Unterstellungen niederschreiben.

  3. Leo Brux sagt:

    Vielleicht darf man von den Moscheeverbänden eine Stellungnahme erwarten?

    DITIB zum Beispiel ist ein Organ des türkischen Staates und legt zum Beispiel die Predigttexte für Deutschland fest. Dürfen wir erfahren, was da gepredigt nun wird?

    Muss DITIB und damit jeder seiner Moscheevereine in Deutschland die türkische Regierungslinie in der Moschee vertreten?

    „Walter“, finden Sie denn eine solche Frage wirklich unberechtigt?

    Sie sprechen von Unterstellung. Was unterstelle ich? Dass die Moscheevereine Demokratie eher so interpretieren wie Erdogan und nicht so, wie es der Rest der Welt und wir hier in Deutschland tun?

    Solange ich da keinen Mucks höre (und wenn ich was höre, ist es bisher eher eine Verteidigung Erdogans und eine Klage über die angebliche Einseitigkeit der deutschen Medien), denk ich mir mein Teil.

  4. Mika sagt:

    Ich habe eher den Eindruck, dass wenn man häufig die ewig gleichen Parolen herunterleiert, die Leute es anfangen zu glauben. Ich persönlich halte den Erdogan für weitaus weniger schlimm als hier dargestellt: er geht auf die Kurden zu und führt mit Ihnen Friedensgespräche, was mehr als fällig ist….er hat Millionenzahlungen als Entschädigung an Armenier für Zwangsenteignungen gezahlt….er hat das Sozialsystem zum Positiven reformiert….für wirtschaftlichen Aufschwung gesorgt….also „ganz schlimme Sachen gemacht!“



Bitte beachten Sie unsere Netiquette. Vielen Dank!

Ihr Kommentar dazu:

MiGAZIN

Ziel und Zweck von MiGAZIN ist die Förderung der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Partizipation von Migrant(inn)en in der Aufnahmegesellschaft. In diesem Sinne soll MiGAZIN die Kommunikation fördern und füreinander sensibilisieren. Mehr über uns...

MiGMACHEN

Die Redaktionsmitglieder von MiGAZIN haben vor allem eins gelernt: Wer über sein Wissen und seine Erfahrungen schreibt, lernt immens dazu. Die kritische Diskussion mit Lesern eröffnet neue Horizonte. Daher hat das MiGAZIN-Team die Aktion-MiGMACHEN ins Leben gerufen. Hier bieten wir allen Interessierten die Möglichkeit, MiGAZIN als Autor, Pate oder Jungautor mitzugestalten. Nähere Informationen...

GRIMME Online Award 2012

    Begründung der Jury: "Über Migranten und Migration wird in Deutschland viel gesprochen. Vor allem von Deutschen. Im Chor der vielen und oft sehr lauten Stimmen fehlen aber zumeist die der Migranten. Und genau diese Lücke füllt das MiGAZIN mit qualitativ hochwertigen Texten und verständlicher Berichterstattung." Weiter ...