MiGAZIN

Migration und Integration in Deutschland

Und die einzige Leitkultur, die wir allen Menschen in Deutschland abverlangen müssen, steht in den ersten 20 Artikeln des Grundgesetzes.

Sigmar Gabriel (SPD-Chef), dpa, 7. Oktober 2010

Brückenbauer

Die Paralympics in Sotschi sind eine Chance für Inklusion

Trotz der Kritk an Russlands Politik könnte die Austragung der Olympischen Spiele in Sotschi etwas Positives bewirken: Die Paralympics könnten endlich eine Diskussion über das Thema Teilhabe von Menschen mit Behinderung (auch in Russland) in Gang setzen.

VONTatjana Weber

 Die Paralympics in Sotschi sind eine Chance für Inklusion
Die Autorin studiert Kulturpädagogik an der Hochschule Niederrhein. Sie kam 1991 aus Kasachstan nach Deutschland und engagiert sich beim JSDR (Jugend- und Studentenring der Deutschen aus Russland), der djo (Deutschen Jugend in Europa) und auch regional in der Jugendarbeit. Seit ihrer Geburt ist sie gehbehindert, meist mit Gehstützen und hin und wieder auch im Rollstuhl in der Welt unterwegs. Tatjana Weber schreibt für das Forum der Brückenbauer, einem multiethnischen und multikonfessionellen Netzwerk von Führungskräften aus Migrantenverbänden, die sich in vielen Kommunen, auf Länder- und Bundesebene für Integration engagieren. Hervorgegangen ist das Forum aus dem Teilnehmerkreis des Leadership-Programms der Bertelsmann Stiftung für junge Führungskräfte aus Migrantenorganisationen. Das Forum versteht sich als visionärer, multiperspektivischer Impulsgeber zur Verwirklichung einer Gesellschaft, in der allen Menschen klar ist: „Es geht um die eine Gesellschaft, in der wir alle leben! Es geht um unsere gemeinsame Zukunft!“

DATUM14. Januar 2014

KOMMENTAREKeine

RESSORTAktuell, Meinung

SCHLAGWÖRTER , , , , ,

DRUCKENAnsicht

MEHR ZUM ARTIKEL

DANKE,
ich möchte MiGAZIN auch in Zukunft lesen!

In wenigen Wochen beginnen die Olympischen Winterspiele. Meinen Bruder, den großen Olympia-Fan, habe ich schon im Ohr, wie er mir feierlich die neuesten Ergebnisse verkündet. Trotz aller Kritik an Russlands Politik wird er sicher nicht der Einzige sein, der die zahlreiche Berichterstattung zu den Wettkämpfen verfolgt.

Weniger Aufmerksamkeit werden da wohl die Paralympics bekommen, die im Anschluss in Sotschi stattfinden. Dabei wäre gerade Russland gut beraten, die Berichterstattung zu den Paralympics zu fördern. In Russland leben nach Angaben von offiziellen Statistiken mindestens 13 Millionen Menschen mit Behinderungen, das sind etwa neun Prozent der Bevölkerung.

Russland hat 2012 zwar das Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen anerkannt und sich verpflichtet, Menschen mit Behinderungen einen gleichberechtigten Zugang zur physischen Umwelt und zu öffentlichen Diensten zu gewährleisten, dies ist aber im Alltag der Menschen noch nicht wirklich sichtbar. Ich bin gespannt, wie die Paralympics in einem Land ablaufen, das erst vor zwei Jahren ernsthaft begonnen hat, über Barrierefreiheit nachzudenken.

Natürlich gibt es heute noch zu wenige Rampen, kaum Markierungen für Blinde und ein Meer von Barrieren in den Köpfen der Menschen. Wenn durch die Paralympics sichtbar wird, dass Sportler mit Behinderung auch einfach Sportler sind, Menschen, die sich mit Herzblut an einem fairen Wettkampf beteiligen, würde das sicher einiges in den Köpfen der Menschen bewegen. Das hoffe ich zumindest.

Es würde mich freuen, wenn die Paralympics bewirken, dass das Thema Teilhabe und Inklusion von Menschen mit Behinderung (auch in Russland) anders oder vielleicht auch erstmalig diskutiert wird. Gerade im Ostblock und dort besonders in ländlichen Gebieten leben Behindere oft wirklich ausgesondert. Sie werden weniger wie Menschen, sondern vielmehr wie Gegenstände behandelt, die man sorgsam pflegt. Die Paralympics könnten da manch einem ganz neue Perspektiven bringen, wenn reichlich darüber berichtet wird.

Testen Sie den kostenlosen MiGAZIN Newsletter:
Bitte beachten Sie unsere Netiquette. Vielen Dank!

Ihr Kommentar dazu:

MiGAZIN

Ziel und Zweck von MiGAZIN ist die Förderung der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Partizipation von Migrant(inn)en in der Aufnahmegesellschaft. In diesem Sinne soll MiGAZIN die Kommunikation fördern und füreinander sensibilisieren. Mehr über uns...

MiGMACHEN

Die Redaktionsmitglieder von MiGAZIN haben vor allem eins gelernt: Wer über sein Wissen und seine Erfahrungen schreibt, lernt immens dazu. Die kritische Diskussion mit Lesern eröffnet neue Horizonte. Daher hat das MiGAZIN-Team die Aktion-MiGMACHEN ins Leben gerufen. Hier bieten wir allen Interessierten die Möglichkeit, MiGAZIN als Autor, Pate oder Jungautor mitzugestalten. Nähere Informationen...

GRIMME Online Award 2012

    Begründung der Jury: "Über Migranten und Migration wird in Deutschland viel gesprochen. Vor allem von Deutschen. Im Chor der vielen und oft sehr lauten Stimmen fehlen aber zumeist die der Migranten. Und genau diese Lücke füllt das MiGAZIN mit qualitativ hochwertigen Texten und verständlicher Berichterstattung." Weiter ...