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Migration und Integration in Deutschland

Wenn wir Millionen von Menschen die doppelte Staatsbürgerschaft geben, die sie weitervererben, werden wir eine dauerhafte türkische Minderheit in Deutschland haben. Das bedeutet eine langfristige Veränderung der Identität der deutschen Gesellschaft. Ich bin dagegen.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU), Münchner Merkur, 6.11.2013

Der Triebtäter

Guter Ausländer, schlechter Ausländer II – ein Nachtrag

Jeder, dessen potenzielles Humankapital den Schaden durch die drohende Überfremdung des deutschen Volkskörpers signifikant übertrifft, bekommt eine Arbeitserlaubnis, bis zum Renteneintritt – um dann wieder vertrieben zu werden.

VONSven Bensmann

 Guter Ausländer, schlechter Ausländer II – ein Nachtrag
Der Verfasser (geb. 1983 bei Osnabrück), hat Philosophie, mittlere und neuere Geschichte, sowie europäische Ethnologie in Kiel studiert und einige Jahre von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt ein politisches Blog betrieben. Heute ist sein Blog erreichbar unter s10n.tk

DATUM22. Oktober 2013

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RESSORTAktuell, Meinung

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Eigentlich war es ja nie richtig weg, dieses Thema. Und doch: die aktuellen Schocknachrichten aus Lampedusa haben es wieder in alle Zeitungen gespült: Das Boot ist voll, die Selbstschussanlagen der Festung Europa feuern aus allen Rohren, die Kriminalisierung jener, die ihrer Pflicht zur Seenotrettung nachkommen, funktioniert hervorragend, die Militärschiffe der Frontex halten die Seeblockade bestmöglich aufrecht, und doch: all die scheußlichen Grenztoten, die aufgedunsenen Kadaver, sie sind wieder da.

Wie gut, dass wenigstens einer bereitsteht, um den Deutschen den Krieg zu erklären – den gegen die Armut selbstverständlich. Hans-Peter Friedrich tut das in seiner Eigenschaft als Bundesminister so: Sparen bis zum Hungertod für Südeuropäer, die von Banken ruiniert wurden, ganz nach dem Vorbild der schwäbischen Hausfrau, Abschiebung für unterprivilegierte Schengen-Bürger, die ja bloß den deutschen Sozialstaat ausbeuten wollen, und überhaupt härtere Strafen für alle, die anderer Menschen Leben retten, sowie, als kleines Schmankerl:

Jeder, dessen zu potenzielles Humankapital den Schaden durch die drohende Überfremdung des deutschen Volkskörpers signifikant übertrifft, bekommt eine zeitweilige Arbeitserlaubnis, bis zum Renteneintritt – um dann wieder vertrieben zu werden.

So spielt die CSU das große Gesellschaftsspiel „Guter Ausländer, schlechter Ausländer“ weiter: Endlösung der Migrantenfrage im nassen Grab Mittelmeer, Gnadenbrot für billige Dumpinglöhner, die dort putzen, wo nicht einmal das Arbeitsamt deutsche Hartz IV-Empfänger hineinsanktionieren kann oder Fachkräfte fehlen, weil die Kirchen und ähnlichen Einrichtungen den Arbeitnehmern einen angemessenen Lohn vorenthalten.

Und damit ist sie dann schließlich auch vollendet, die völlige Entartung des Menschen zur einfachen Ressource, die Degeneration des Menschen zum Werkzeug; gerade der Neger hat für Hans-Peter Friedrich nur einen Lebenszweck: Lohnsklaventum, wo direkte Sklaverei nicht mehr erlaubt ist – du bist eben nur das wert, was du an Werten zu schaffen in der Lage bist. Oder natürlich zu vernichten, denn Investmentbanker sind ja systemrelevant und keinesfalls abschiebewürdig.

Mal ernsthaft:
Was für eine Kindheit muss eigentlich ein Mensch gehabt haben, der so zu denken in der Lage ist? Wie kann eine „Christlich-soziale Union“ gleichzeitig so gottlos und asozial sein? Kann dieser Mann nachts eigentlich noch ruhig schlafen?

Und wenn sein Gewissen ihn nicht wach hält, sollte das vielleicht jemand anderes tun? Auch Politiker haben Wohnhäuser. Und wenn schon nicht für die Ideen von Menschenrechten und Menschenwürde, zumindest für den Lärmschutz wird man den Herren Minister dadurch ja vielleicht gewinnen können. Das wäre immerhin ein Anfang: Kommt die Einsicht, dass er selbst ein Menschenrecht auf Lärmschutz hat, ist die Saat allgemeiner Menschenrechte bereits gepflanzt.

Und weil wir nun schon beim Thema sind und weil eh niemand daran vorbei kommt: Wie kann eigentlich eine Kirche, die Leute, die unverheiratet zusammenleben oder sich haben scheiden lassen, die nicht an einen speziellen Gott glauben oder auch bloß nicht heterosexuell sind, für moralisch so verkommen hält, dass sie sie, trotz allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes und der hohlen Phrase von der Nächstenliebe, aus den Arbeitsstellen in, vom nichtkatholischen Steuerzahlern bezahlten, öffentlichen Einrichtungen jagt, einen Mann wie den luxusgeilen Tebartz van Elst als Bischof tolerieren?

Fragen über Fragen…

Und eine Antwort darauf gibt es: Hypokrisie.

Dabei ist die CSU eigentlich inkarnierte Hyperkrise.

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Ein Kommentar
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  1. Mario Hammer sagt:

    Ich denke auch, dass die Situation im Mittelmeer nicht so bleiben darf. Verursacher der Toten sind aber diejenigen, die diese Boote rausschicken. Das kommt nicht einer „Endlösung“ gleich, die eine gezielte Tötung beschreibt. Europa muss den Kampf gegen Drücker verstärken. Fakt ist auch, dass wir nicht unbegrenzt Flüchtlinge aufnehmen können. Nun, sagen Sie mir doch aus dem Stegreif mal eine Zahlengrenze auf. Nicht so einfach, vermutlich..
    Sie scheinen den Kapitalismus und den Markt zu verabscheuen. Dieser war und ist allerdings die Lösung eines bestimmten Problems, schafft aber selbst wieder neue Probleme, das gebe ich zu. Allerdings würde ich Ihnen empfehlen, ein Wenig in die Geschichte zu schauen, bevor Sie über Lohnsklaven und Entartung zur Ressource schreiben. Schauen Sie sich bitte die geschichtliche Entwicklung der Wochenarbeitszeit (bspw. auf wikipedia) an, dann sehen Sie, dass diese fast stetig gesunken ist. Wenn Sie also von der reinen Ressource Mensch sprechen möchten, verorten Sie den doch im 19. Jhdt. Sie werden aber noch einen bestimmten Glücksmoment haben. Der von Ihnen angeprangerte Kapitalismus wird sich an bestimmten Stellen wandeln (müssen), aber dies nur kann, wenn der Konsument sich auch verändert. Sie prangern hier Eliten an, obwohl der Grund dieses Übels die billige (Geiz ist geil) Konsumpraxis aller ist.
    Sie sprechen auch den Wertewandel zu mehr Individualismus an, mit dem die Kirche nicht umgehen kann. Hier werden wir (obwohl das Moment in Richtung Individualismus grundsätzlich richtig ist) noch einige Früchte ernten, von denen Sie hoffentlich noch schreiben werden. Ich selbst wäre gespannt, darüber von Ihnen in 40 bis 50 Jahren zu lesen.



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