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Migration und Integration in Deutschland

Der große Wert der Ausländerbeschäftigung liegt darin, dass wir hiermit über ein mobiles Arbeitskräftepotential verfügen. Es wäre gefährlich, diese Mobilität durch eine Ansiedlungspolitik größeren Stils einzuschränken.

Ulrich Freiherr von Gienanth, Der Arbeitgeber, 1966

80,5 Millionen Einwohner

Bevölkerungsanstieg dank hoher Zuwanderung aus dem Ausland

Die Bevölkerungszahl Deutschlands lag im Jahr 2012 bei 80,5 Millionen Einwohnern – ein Plus von fast 200.000 Personen. Ursache ist ein dickes Wanderungsplus aus dem Ausland. Nur die Türkei weist einen negativen Saldo aus.

Im Jahr 2012 nahm nach Ergebnissen des Statistischen Bundesamtes die Bevölkerungszahl Deutschlands im Vergleich zum Vorjahr um 196.000 Personen (+ 0,2 %) zu und lag am Jahresende bei 80,5 Millionen Einwohnern. Einen ähnlich hohen Zuwachs hatte es zuletzt 1996 mit + 195.000 Personen gegeben. 2011 lag der Anstieg bei vergleichsweise niedrigen 92.000 Personen.

„Die Entwicklung der Bevölkerung ergibt sich zum einen aus den Geburten und Sterbefällen und zum anderen aus den Zu- und Fortzügen. Zudem fließt eine kleine Zahl von Korrekturen in die Berechnung ein“, teilt das Statistische Bundesamt in einer Erklärung mit. Danach lag die Zahl der Geburten wie in den Vorjahren deutlich unter der Zahl der Sterbefälle. Hauptursache für den Anstieg der Bevölkerungszahl war somit wie auch schon im vergangenen Jahr die stark gestiegene Zuwanderung.

Wie das Statistische Bundesamt auf Nachfrage des MiGAZIN weiter mitteilte, sind im Jahr 2012 rund 1,1 Millionen Personen nach Deutschland zugezogen, ein Plus von 13 % im Vergleich zum Vorjahr. Im Gleichen Zeitraum zogen insgesamt 712.000 Personen fort. Damit ergibt sich für 2012 ein Wanderungsüberschuss von 369.000 Personen – der höchste Wert seit 1995.

Höhere Zuwanderung aus EU-Krisenländern
Die positive Entwicklung der Zuzüge ist auf eine stärkere Zuwanderung von ausländischen Personen zurückzuführen: Von den insgesamt 1,1 Millionen Zuwanderern waren 966.000 ausländische Personen. Die Zahl der Zuzüge deutscher Personen – dazu zählen Spätaussiedler und Deutsche, die aus dem Ausland zurückkehren – ist dagegen mit rund 115.000 gegenüber dem Vorjahr nahezu konstant geblieben.

Die Zuwanderung ausländischer Personen nahm hauptsächlich aus dem EU-Raum zu. Dabei erhöhte sich die Zuwanderung aus EU-Ländern, die von der Finanz- und Schuldenkrise betroffen sind, besonders deutlich: Aus Spanien kamen 45 % mehr Einwanderer als im Jahr 2011. Die Zahl der Einwanderungen aus Griechenland, Portugal und Italien stiegen im Vergleichszeitraum jeweils um mindestens 40 %. Eine stärkere Zuwanderung gab es auch aus Ländern, die 2004 beziehungsweise 2007 der EU beigetreten sind. Insbesondere nahm die Zuwanderung aus Slowenien, Ungarn, Rumänien, Bulgarien sowie Polen zu.

Info: In den vorliegenden Bevölkerungszahlen sind die Ergebnisse des Zensus 2011 berücksichtigt. Mit der Veröffentlichung der Zensusergebnisse im Mai 2013 wurde die Berechnung der Bevölkerungszahl auf eine neue Grundlage gestellt. Die mit dem Zensus festgestellte Einwohnerzahl lag rund 1,5 Millionen unter den Ergebnissen der laufenden Berechnung der Bevölkerungszahl auf Basis der Volkszählung 1987 beziehungsweise der Auswertung des zentralen Melderegisters der DDR zum 3.10.1990.

Wanderungsminus nur bei der Türkei
In absoluten Zahlen gemessen stammen nach wie vor die meisten ausländischen Zuwanderer aus Polen (177.000) gefolgt von Rumänien (116.000), Bulgarien (59.000) und Ungarn mit 54.000 Personen. Diese Länder weisen gleichzeitig den höchsten Wanderungssaldo zugunsten Deutschland aus. Nur ein einziges Land sticht mit einem negativen Saldo ins Auge: Rund 2.000 Menschen haben Deutschland in Richtung Türkei verlassen als umgekehrt.

Wie das Statistische Bundesamt weiter mitteilt, entwickelten sich die Bevölkerungszahlen regional sehr unterschiedlich. In neun Bundesländern – allesamt alte Bundesländer – stiegen die Bevölkerungszahlen mit Bayern (+ 76.000), Baden-Württemberg (+ 57.000) und Berlin (+ 49.000) an der Spitze. In den neuen Bundesländern sowie im Saarland war die Einwohnerzahl dagegen rückläufig. Besonders hoch fiel der Bevölkerungsrückgang in Sachsen-Anhalt (– 17.000) sowie in Thüringen (– 11.000) und Mecklenburg-Vorpommern (– 7.000) aus. (etb)

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