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Migration und Integration in Deutschland

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Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust (CDU) über die doppelte Staatsbürgerschaft, Neujahrsempfang am 17. Januar 2010

Partiziano

Windbeutel aus der Migrantine

Warum trotz fruchtbaren Halbmondes die Bevölkerung schrumpft und was kleine Italiener und Japaner gemeinsam haben, erklären uns Conny Freoboess, Reiner Klingholz und ein Koreanisch sprechender, afrikanischer Elefantenbulle. Karamba Diaby sagt indes Waaw zu seiner politischen Karriere, während Aiolos auch Papst Franziskus vom Winde verweht.

VONMarcello Buzzanca

 Windbeutel aus der Migrantine
Geb. 1972 in Frankfurt/Main. Studium der Romanistik, Amerikanistik und Germanistik in Frankfurt und Málaga. U.a. tätig als Autor, Texter, Redakteur, Übersetzer, Blogger und Kolumnist bei MiGAZIN. Sein erstes Buch: „Periodischer Patriotismus: Erfahrungen eines provisorischen Italieners“ erschien Ende Mai 2013 im Verlag Sibylla Wegener“

DATUM11. Juli 2013

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RESSORTAktuell, Meinung

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Mund voll durch Halbmond
Natürlich ist Lampedusa nicht gleich Capri, aber den Fischen ist das ziemlich egal. Für sie ist jedes Land gleich, weil es eben kein Wasser ist. Apropos Tiere und Artikulation: In Südkorea lebt ein 20 jähriger Elefant, der Koreanisch spricht. Leider nur 5 Wörter und zudem weiß er scheinbar gar nicht, was er da so plappert.

Aber er kann die Wörter Hallo (annyong), Setz dich (anja), Nein (aniya), Leg dich hin (nuo) und Gut (choah) perfekt imitieren, indem er sich den Rüssel ins Maul steckt. Von einem anderen afrikanischen Exilanten in Rom wird berichtet, dass er als einziger afrikanischer Elefant unter asiatischen Elefanten deren Dialekt annahm. Das legt die Vermutung nahe, dass Sprache sich bestens zum Einschleimen eignet. Und wenn man nichts zu sagen hat, dann wohl deswegen, weil der Mund voll ist

Dass die Kaulade überhaupt was zu tun hat, haben wir dem Halbmond zu verdanken, also dem fruchtbar fruchtbaren Halbmond, auch als Fertile Crescent bekannt (nicht unbedingt mir, aber vielleicht den anderen). Diese Region im Norden der arabischen Halbinsel ist neuesten Forschungsergebnissen zufolge die Wiege des Ackerbaus. Wissenschaftler fanden im iranischen Chogha Golan nicht nur Ackerbau-Werkzeuge aus Kochen und Stein, sondern auch verkohlte Pflanzenüberreste, die eine fast 12.000 Jahre alte Siedlungsgeschichte dokumentieren.

Sonnenblumenkerne oder die Saat des Bösen waren wohl nicht dabei. Dennoch, so die Forscher, würden viele der im Fruchtbaren Halbmond domestizierten Pflanzen die ökonomische Basis und Nahrungsgrundlage der heutigen Weltbevölkerung darstellen. Und: Der Beginn der Landwirtschaft war nicht auf eine kleine Region begrenzt, sondern entwickelte sich an mehreren Orten parallel. Das wird übrigens auch von der Sprache vermutet.

Caramba, Karamba und Salaamaalekum!
Die blieb mir letztens fast weg, als mich meine Lebensgefährtin fragte: „Kennst du Karamba Diaby?“ „Nö“, sagte ich, „aber ich kenne Caramba Carajo, ein Whiskey. Und ich habe das Lied auch mal umgedichtet in Caramba Kanako mit Frisbee.“ „Also weißt du nicht, dass ein SPD-Politiker aus dem Senegal in Halle für die Bundestagswahl kandidiert?“ Sie schaute mich triumphierend an, denn eigentlich bin ich derjenige, der solche Dinge weiß.

Karamba Diaby hat aber eine weitaus interessantere Geschichte: Er stammt aus dem Senegal, studierte dank eines Stipendiums an der Universität Leipzig (und zwar da, als Leipzig noch in der DDR lag) und schickt sich nun an, als erster deutscher Politiker mit afrikanischen Wurzeln ein neues Sprechen ins Geplapper der Parlamentspolitiker zu bringen. Und wenn man ihn fragen wird, ob er glücklich ist, wird er vielleicht Waaw sagen. Das ist Wollof und bedeutet Ja.

Wollof spricht und singt übrigens auch Youssou N’Dour, nicht aber Conny Froboess. Die nahm Zwei kleine Italiener ob des großen Erfolgs auch noch in einer niederländischen (Twee kleine Italianen) und italienischen (Un bacio all’italiana) Fassung auf, was mich selbige verlieren lässt. Gefunden aber habe ich schließlich doch noch etwas: Das Ende! Endlich!

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