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Fachkräftemangel

Über 100.000 Migranten könnten aktiviert werden

Einer aktuellen Studie zufolge könnte das Arbeitskräfteangebot in Deutschland um mehr als 2 Millionen erhöht werden – 115.000 davon Migranten. Erforderlich dafür wären die Anerkennung von ausländischen Abschlüssen und Vermittlung von berufsbezogene Sprachkenntnissen.

DATUM10. Juni 2013

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RESSORTAktuell, Wirtschaft

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Das Arbeitskräfteangebot in Deutschland könnte um mehr als 2 Millionen Menschen erhöht werden. Das ist das Ergebnis der Studie „Ungenutzte Arbeitskräftepotentiale in Deutschland: Maßnahmen und Effekte“, die das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) erstellt hat. Werden die Potentiale seitens der Politik besser erkannt und gefördert, steigt die Chancengerechtigkeit für den Einzelnen in Form besserer beruflicher Aufstiegschancen und mehr sozialer Teilhabe.

Die Wissenschaftler des HWWI identifizieren sieben Personengruppen mit hohem Potenzial: Mütter, verheiratete Frauen, Ältere, Akademiker, junge Menschen, Langzeitarbeitslose und Migranten. „Vorhandene Arbeitskräftepotentiale zu mobilisieren ist nicht nur ein Gebot der ökonomischen Vernunft – es ist vor allem auch politisches Pflichtprogramm für unsere Soziale Marktwirtschaft. Nur wenn sie vorhandene Talente punktgenau fördert und individuelle Lebenssituationen berücksichtigt, sorgt Politik glaubwürdig für mehr Chancengerechtigkeit in unserer Gesellschaft.“ so Hubertus Pellengahr, Geschäftsführer der INSM.

Politische Versäumnisse
In der Studie wird gezeigt, dass schon allein der entschlossene Ausbau von frühkindlicher Betreuung und Ganztagsschulen, sowie die Reform des Renteneintrittsalters und altersgerechte Arbeitsplätze erhebliche Potentiale mobilisieren können. Rund 1,3 Millionen nicht berufstätigen Müttern sowie älteren Mitbürgern könnte mit diesen Maßnahmen der Wiedereintritt in den Arbeitsmarkt erleichtert werden. Laut Studie ließe sich auch das Arbeitskräftepotenzial von rund 115.000 Migranten aktivieren, wenn ausländische Abschlüsse anerkannt würden, Nach- und Weiterqualifizierung angeboten würde sowie berufsbezogene Deutschkenntnisse und Arbeitserfahrungen vermittelt würden.

Download: Die Studie „Ungenutzte Arbeitskräftepotentiale„, eine Kurzfassung der Studie sowie eine Infografik zur Studie können kostenfrei heruntergeladen werden.

„Politische Versäumnisse und gesetzliche Hürden halten über zwei Millionen Menschen vom Arbeitsmarkt fern. Dies kann sich Deutschland nicht länger leisten: Das Heben der ungenutzten Potenziale ist eine einfache, schnelle, billige und für alle Beteiligten effektive Hilfe im Kampf gegen den Fachkräftemangel“, sagt Prof. Dr. Thomas Straubhaar, Direktor des HWWI. „Durch die Aktivierung der ungenutzten Talente kann Deutschland die demographischen Herausforderungen leichter und nachhaltiger bewältigen“, fügt Dr. Christina Boll, Forschungsdirektorin des HWWI und Studienleiterin, hinzu. (etb)

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Ein Kommentar
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  1. Stephan H sagt:

    „Laut Studie ließe sich auch das Arbeitskräftepotenzial von rund 115.000 Migranten aktivieren, wenn ausländische Abschlüsse anerkannt würden, Nach- und Weiterqualifizierung angeboten würde sowie berufsbezogene Deutschkenntnisse und Arbeitserfahrungen vermittelt würden.“

    In der Annahme,dass die Zahl von 115.000 realistisch ist, ist es vollkommen richtig, dass die genannten Maßnahmen ergriffen werden müssen, um politische Versäumnisse aufzuarbeiten. Ein Aspekt, der leider vernachlässigt wird, ist jedoch, dass es auch auf Seiten der Arbeitgeber viel zu tun gibt. Selbst wenn Abschlüsse anerkannt, Nach- und Weiterqualifizierungen usw. in Anspruch genommen würden, gibt es noch zu starke strukturelle und informelle Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt, was auf die Arbeitgeber zurückzuführen ist. Arbeitgeber (v.a. KMU) müssen viel stärker in ihren interkulturellen Kompetenzen gestärkt werden und für das Potenzial der Menschen mit Migrationsgeschichte sensibilisiert werden. Summasummarum: Ein entscheidender Faktor für die Aktivierung und Integration auf dem Arbeitsmarkt wurde rausgelassen. Aus Sicht des HWWI und des SVR (Autoren) und des Herausgebers müssen die Bemühungen der Aktivierung sich lediglich auf Menschen mit Migrationsgeschichte fokussieren. Es ist schade, dass die Rolle der Arbeitgeber zu kurz kommt, da in diesem Bereich, zumindest bei den KMU, bereits einiges Seitens der Bundesregierung (Bundesministerium für Arbeit und Soziales) getan wird.

    Mich würde interessieren, ob dies schlicht vergessen wurde, als zu unwichtig erachtet wurde, oder ab das auf die arbeitgernahe (und CDU-nahe) Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (Hrsg.) zurückzuführen ist.



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