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Studie

Jeder dritte Einwanderer überqualifiziert im Job

Deutschland ist eines der bevorzugten Zuwanderungsländer von qualifizierten Einwanderern. Allerdings sind rund ein Drittel überqualifiziert beschäftigt. Das geht aus einer aktuellen Studie des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts hervor.

Montag, 08.09.2014, 8:24 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 08.01.2020, 15:44 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |   Drucken

Vormals beliebte Einwanderungsländer wie etwa Spanien haben sich unter der Krise zu Nettoauswanderungsländern entwickelt. Vor allem die Wanderungsströme aus den neuen mittel- und osteuropäischen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union wurden umgelenkt. Statt nach Spanien, Irland oder Italien gehen Arbeitskräfte aus diesen Beitrittsländern jetzt eher in andere Länder Europas oder kehren in ihre Heimatländer zurück.

Zudem wandern aus der Euro-Peripherie immer mehr Einheimische in die europäischen Kernländer ab. Allein nach Deutschland sind im Jahr 2012 rund 349.000 Personen aus der EU eingewandert, davon rund 217.000 Personen aus Osteuropa. „Die Arbeitskräfte haben auf die Ungleichgewichte auf den Arbeitsmärkten durch die Euro-Krise reagiert“, sagt der langjährige HWWI-Direktor Prof. Dr. Thomas Straubhaar. „Dabei ist es zu einer Umlenkung von Wanderungsströmen sowie zusätzlichen Wanderungen aus den Krisenregionen gekommen.“

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Einwanderung nimmt zu
Betrachtet man die Mobilität von Arbeitskräften zwischen 2009 und 2012, sind die Binnenwanderungen in der EU-27 in diesem Zeitraum um rund 20 % gestiegen. In Deutschland haben die Zuwanderungen insgesamt im genannten Vierjahreszeitraum um 71 %, aus der EU sogar um 108 % zugenommen. Im Vergleich mit Großbritannien zieht Deutschland tendenziell geringer qualifizierte Migranten an. Dabei sind vor allem Beschäftigung und Einkommen die eigentlichen Triebfedern der Arbeitskräftemobilität in Europa.

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„Auf die Währung kommt es dafür nicht an. Die Menschen gehen dorthin, wo die Jobs sind. Zusätzlich wirkt das nach wie vor bestehende Einkommensgefälle zwischen den mittel- und osteuropäischen Staaten und Westeuropa als Hebel, der Wanderungen in Gang setzt“, sagt Dr. Jörn Quitzau, Volkswirt bei der Privatbank Berenberg.

Immer mehr Hochqualifizierte
Der Anteil der Hochqualifizierten an den Wanderungen innerhalb der EU hat sich zwischen 2008 und 2011 um 13 Prozentpunkte erhöht. Gleichzeitig wurden in der Eurozone selbst während der Krise noch Arbeitsplätze für Hochqualifizierte geschaffen. Die Mobilität zunehmend junger und gut qualifizierter Menschen innerhalb Europas trägt zur besseren Integration der Arbeitsmärkte bei.

Allerdings sind rund ein Drittel der in die EU-Kernländer einwandernden Migranten aus Osteuropa im Zielland überqualifiziert beschäftigt. „Die Überqualifikation im Job ist der Preis, den viele hoch qualifizierte Migranten für eine Beschäftigung im Zielland zahlen. Gleichwohl ist ein Arbeitsplatz, für den sie eigentlich überqualifiziert sind, für sie die bessere Wahl, sofern dies kurzfristig die einzige Alternative zur Arbeitslosigkeit darstellt“, sagt Dr. Christina Boll, Forschungsdirektorin am HWWI.

Nachfrage nach Niedrigqualifizierten sinkt
So werden zum Beispiel von Deutschland gezielt Migranten in Zukunftsberufsfeldern wie den Gesundheits- und Pflegeberufen angeworben, die im Zielland teilweise überqualifiziert beschäftigt sind. Niedrigqualifizierte Arbeitskräfte, die meist in den Krisenländern arbeitslos geworden sind, lassen sich hingegen nur eingeschränkt in neue Jobs in stabileren Ländern umlenken.

Download: Die Studie wurde von der Privatbank Berenberg und vom Hamburgischen Welt Wirtschafts Institut (HWWI) durchgeführt. Darin wurde die Arbeitskräftemobilität in Europa während der Krisenjahre untersucht. Sie kann hier heruntergeladen werden.

„Die rückläufige Nachfrage nach Niedrigqualifizierten hängt mit dem wirtschaftlichen Wandel hin zu wissensintensiven Dienstleistungen zusammen, mit dem alle europäischen Länder konfrontiert sind“, so Boll. Die Krise habe in der Eurozone insgesamt zu einem starken Anstieg des Mismatches zwischen vorhandener und benötigter Bildung geführt.

„Obgleich die innereuropäische Mobilität der Arbeitskräfte noch Spielräume nach oben hat, sollte Europa bei den weiteren Bemühungen um die Integration der Arbeitsmärkte nicht nur ‚auf dieses Pferd‘ setzen“, resümiert Quitzau. „Genauso wichtig ist es, strukturelle Reformen voranzubringen und den Euroraum und Europa attraktiv für junge, qualifizierte Einwanderer aus Drittstaaten zu machen.“ (etb)

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